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20.01.2010

11:41 Uhr

Japan Airlines

Luftfahrt-Bündnisse reißen sich um die angeschlagene Braut

VonJens Koenen

Delta Airlines und American Airlines buhlen um die Gunst der Japaner. Die Sympathien für beide wechseln beinahe im Tagesrhythmus. Das Management scheint Delta vorzuziehen, doch American hat zugesagt, 1,4 Milliarden Dollar in Japan Airlines investieren zu wollen. Doch auch die Bieter sind nicht gerade auf Rosen gebettet.

Marktkenner gehe davon aus, dass Japan Airlines den Partnern bei Oneworld jährlich einen Umsatz von 340 Millionen Euro bringt. ap

Marktkenner gehe davon aus, dass Japan Airlines den Partnern bei Oneworld jährlich einen Umsatz von 340 Millionen Euro bringt.

FRANKFURT. Insolvenz hin oder her, es steht fest, dass die japanische Airline JAL nicht überleben kann, ohne sich an die Schulter eines gewichtigen Wettbewerbers anzulehnen. Dabei wird es wohl um mehr gehen als nur eine Partnerschaft, die JAL bereits heute über das Luftfahrtbündnis Oneworld hat. Letztlich steht eine direkte Beteiligung an JAL auf der Agenda.

Die Rivalen haben sich bereits gerüstet. So buhlen die beiden US-Gesellschaften Delta Air Lines und American Airlines um die Japaner. Die Sympathien für beide wechseln beinahe im Tagesrhythmus. So heißt es, dass große Teile des JAL-Managements für Delta sind. Auch im japanischen Verkehrsministerium soll Delta Fürsprecher haben. Dann wieder hat American die Nase vorn, nicht zuletzt wegen der Zusage der Amerikaner, Investitionen in Höhe von 1,4 Mrd. Dollar in JAL tätigen zu wollen.

Zwar sind auch die Bieter nicht gerade auf Rosen gebettet. So musste American Airlines selbst jüngst durch Kredite gestützt werden, die die Muttergesellschaft AMR bei der Citibank besorgt hatte. Dennoch ist das Balzen um die japanische Braut wenig verwunderlich, bietet JAL einem potenziellen Investor doch zahlreiche Vorteile.

Da ist zunächst der Zugang zum japanischen Markt. Er ist nicht zuletzt für den Geschäftsreiseverkehr von großer Bedeutung. JAL zählt aber darüber hinaus auch zu den Airlines, die ein starkes Standbein in Richtung China haben.

Dies dürfte vor allem für Delta eine der wesentlichen Motivationen für das Interesse an JAL sein. Die Gesellschaft gehört dem Luftfahrtbündnis Skyteam an, das in Richtung Asien nicht gerade besonders stark ist. JAL wäre die lange gesuchte ideale Ergänzung.

Um so vehementer kämpfen American und deren Bündnis Oneworld um den Verbleib der Japaner. Immerhin gehen Marktkenner davon aus, dass JAL den Partnern bei Oneworld jährlich einen Umsatz von 340 Mio. Euro bringt. Nur die Star Alliance, an der Lufthansa beteiligt ist, hält sich aus diesem Rennen heraus. Sie ist mit dem Partner ANA, der zweiten großen japanischen Airline, bereits gut in Japan und Umgebung vertreten.

Neben dem Markt bietet ein Einstieg auch auf der Kostenseite Vorteile. So kann der Einkauf dann gemeinsam vorgenommen werden. Auch bei der Nutzung der Infrastruktur wie Lounges oder Transferzentren können nicht unerhebliche Synergien gehoben werden. So hat zum Beispiel die Star-Alliance berichtet, dass man alleine bei den Transferzentren im Jahr 2008 rund 17 Mrd. Dollar einsparen konnte.

"Im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld wird die Rolle einer Allianz noch wichtiger. Keine Fluggesellschaft alleine kann alle Ecken des Marktes bedienen und dabei profitabel sein", sagte vor kurzem Glenn Tilton, der Chef der US-Airline United.

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