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13.01.2017

11:23 Uhr

Jeff Bezos und Donald Trump

Was hinter den 100.000 Amazon-Jobs steckt

Amazon will in den USA 100.000 feste Stellen neu schaffen. Jeff Bezos, im Wahlkampf noch mit Donald Trump über Kreuz, liefert dem neuen US-Präsidenten eine Steilvorlage. Doch einige Experten sehen das Manöver kritisch.

Der weltgrößte Online-Händler will mehr als 100 000 neue Arbeitsplätze in den USA schaffen. AP

Lagerarbeiterin bei Amazon

Der weltgrößte Online-Händler will mehr als 100 000 neue Arbeitsplätze in den USA schaffen.

New YorkAmazon will in den USA 100.000 neue Stellen schaffen. Gesucht werde alles - von Software-Entwicklern bis zu Lagerarbeitern -, teilte der US-Einzelhändler am Donnerstag mit. Die Zahl der Vollzeitkräfte werde damit in den kommenden 18 Monaten um mehr als die Hälfte auf über 280.000 steigen. Amazon nimmt gegenwärtig Geld für den Bau neuer Lager in die Hand, um die Transportzeiten möglichst gering zu halten.

Dass so viele neue Stellen geschaffen werden, ist angesichts der jüngsten Vorstöße von Amazon nicht außergewöhnlich. Schließlich stößt der Online-Riese immer weiter in so unterschiedliche Branchen wie Einzelhandel, Hardware, Video, Mode oder Cloud-Computing vor.

Buchgeschäft in Manhattan: Aus Armani wird Amazon

Buchgeschäft in Manhattan

Aus Armani wird Amazon

Zurück in die Zukunft: Der Internet-Gigant Amazon experimentiert seit kurzem mit ganz klassischen Ladenlokalen. Jetzt eröffnet er den ersten Buchladen mitten in Manhattan. Und das ist erst der Anfang der Expansion.

Ein Sprecher von Donald Trump sagte, die Ankündigung sei auch auf die Politik des künftigen US-Präsidenten zurückzuführen. „Es ist eine sehr mächtige Schlagzeile, und das Timing lässt Trump definitiv gut aussehen“, sagt Ivan Feinseth, Analyst bei Tigress Financial Partners. „Das wird in den ersten anderthalb Jahren seiner Präsidentschaft passieren. Jeff Bezos hätte ihm das nicht besser servieren können.“

Trump und Amazon-Gründer Jeff Bezos hatten sich im Wahlkampf gegenseitig schwere Vorwürfe gemacht. Bezos hatte gescherzt, er werde den republikanischen Kandidaten mit einer seiner Raketen zum Mond schicken. Trump wiederum hatte Amazon bezichtigt, nicht genug Steuern in den USA zu zahlen. Außerdem benutze Bezos seine Zeitung „Washington Post“, um Politiker in Sachen Steuern zu beeinflussen. Doch nach der Wahl hatte der Milliardär bereits auf Twitter erklärt: „Ich für meine Person werde ihm unvoreingenommen gegenübertreten.“

Die Lebensgeschichte von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Die Biografie

Jeff Bezos ist eine der spektakulärsten Manager-Persönlichkeiten der Welt. Die Lebensgeschichte des Amazon-Gründers bietet eine unglaubliche Vielfalt und zahlreiche interessante Erzählungen. Der Top-Journalist und Bestsellerautor Richard L. Brand hat die Biografie in seinem Buch „Mr. Amazon“ (Ambition Verlag) aufgeschrieben. Darin finden sich auch bemerkenswerte Geschichten über die Person Jeff Bezos.

Die Rinderfarm

Ironischerweise ist eine der wichtigsten Internet-Ikonen auf einem Bauernhof aufgewachsen – um genau zu sein auf einer Rinderfarm in Cotulla, Texas. Dort half der kleine Jeff schon als Vierjähriger tatkräftig mit, auch beim Ställe ausmisten.

Die perfekte Kindheit

Jahre später urteilte Jeff Bezos, dass seine Erfahrungen auf der Ranch zu seiner erfolgreichen Unternehmerkarriere maßgeblich beigetragen hätten. Das Reparieren von Traktoren und das Kastrieren von Rindern entsprach seiner Vorstellung von einer „idyllischen Kindheit“. Seine Mutter stand ihm stets bei. Jeff habe dort gelernt, dass es keine Probleme ohne Lösungen gebe.

Dem leiblichen Vater nie begegnet

Bezos hat seinen Vater nie kennengelernt. Der Teenager verließ die junge Mutter, als Jeff anderthalb war. Er existierte im Leben des Jungen gar nicht.

Der „richtige“ Vater

Der Nachname Bezos stammt laut Jeffs eigener Aussage vom „richtigem“ Vater. Und den hätte es ohne Fidel Castro wohl nie gegeben. Denn als er 1959 an die Macht kam, schickten viele kubanische Eltern ihre Kinder in die Staaten. So auch Miguel Bezos (vom spanischen besos: „Küsse“). Miguel setzte sich mit großer Ausdauer durch, machte einen Uni-Abschluss und wurde Erdölingenieur.

Die Sturheit

Jeff Bezos war ein unglaublich stures Kind. Mit drei Jahren quängelte er so lange herum, bis er das Gitterbett endlich verlassen durfte - ungeachtet der Sicherheitsbedenken seiner Mutter. Trotz seiner außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit wurde Jeff so auch zum Schrecken seiner Lehrer. Sie mussten ihm mal mitsamt Stuhl und Tisch im Klassenraum umsetzen.

Frühes Interesse an Technik

Seine Mutter und vor allem der Großvater erweckten und förderten Jeffs großes Interesse an Technik und Basteln. Sie schenkten ihm entsprechendes Spielzeug und Baukästen. Dennoch war sein erster Karrierewunsch (mit sechs Jahren), Archäologe zu werden.

Hochbegabt

Als die Familie nach Houston umzog, war Jeff im späten Kindergartenalter. Die Eltern schrieben ihn für Fördermaßnahmen für hochbegabte Kinder ein. Dafür musste er zwar 20 Meilen hin und zurück fahren, aber es lohnte sich.

Der Bücherwurm

Dass Amazon mit dem Verkauf von Büchern groß wurde, ist weit mehr als ein Zufall. Jeff Bezos ist seit der Kindheit ein Büchernarr. Er nahm mit Feuereifer an Literatur-Schülerwettbewerben teil und las mit seinen ebenfalls lesebegeisterten Mitschülern um die Wette.

Einsamer Nerd

Bezos war wie viele Nerds des 20. Jahrhunderts eher ein Einzelgänger, der viel las und viel Zeit vor dem Computer verbrachte. Seine Lehrer notierten damals, dass er „nicht besonders führungsbegabt“ sei. Auch rein körperlich wirkte er wie ein Nerd: Jeff brachte nicht einmal das Mindestgewicht für die Football-Mannschaft auf die Waage.

Erster Job bei McDonalds

Als seine Eltern erneut umzogen – diesmal nach Florida – war Jeff 13 Jahre alt. Hier übernahm er seinen ersten Sommerjob. Und das ausgerechnet bei McDonalds. Doch der Teenager gab sich mit dem Burgerwenden nicht zufrieden und entwickelte Verbesserungsvorschläge, mit denen die Abläufe in dem Laden tatsächlich verbessert wurden.

Uschi - die erste Freundin

In seinem ersten Jahr auf der Junior-Highschool lernte Jeff seine langjährige Freundin Ursula „Uschi“ Werner kennen. Sie träumten von einer gemeinsamen Firma und schufen diese tatsächlich auch in frühen Teenagerjahren. Werbeflyer begeisterten junge Schüler für einen sehr besonderen Nachhilfeunterricht. Die Beziehung endete wie so viele andere Highschool-Liebschaften in der Collegezeit.

Der Weltraum als Lebenstraum

Auf dem College setzte Bezos nebenbei seinen Kindheitstraum – übrigens inspiriert vom Großvater – in die Tat um. Seinen Abschluss machte er in Elektrotechnik und Informatik und auch die ersten Berufsschritte unternahm Bezos in anderen Bereichen – allen voran bei IBM. Aber seinen Traum, der heute in Blue Origin mündet, den hatte er, seitdem er fünf Jahre alt war.

Bezos gehörte auch zu den Chefs von Technikkonzernen, die sich im Dezember mit Trump in New York getroffen hatten. Der designierte Präsident hatte die Manager aus dem Silicon Valley aufgefordert, Arbeitsplätze und Fertigungsstätten im Land zu behalten. Seitdem haben zahlreiche Konzerne von IBM über Ford bis Alibaba massive Neueinstellungen angekündigt. In vielen Fällen handelte es sich dabei aber um bereits angekündigte Pläne.

Die neuen Jobs bei Amazon seien „für Menschen im ganzen Land und mit jedem Niveau an Erfahrungen, Bildung und Kenntnissen – von Ingenieuren und Entwicklern bis zu Neueinsteigern“, erklärte Amazon. Außerdem würden durch Geschäftsfelder wie Marketplace oder Amazon Flex hunderttausende Arbeitsplätze für selbstständige Kleinunternehmer geschaffen.

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

13.01.2017, 11:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Hans Mayer

13.01.2017, 12:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Volker Mauch

13.01.2017, 12:36 Uhr

Hm, ich frage mich ob Sie den Artikel eigentlich gelesen haben: in 2015 schuf Amazon 6.400 Arbeitsplätze pro Monat, macht in 18 Monaten 115.200 Arbeitsplätze. Jetzt verspricht Amazon 100.000 Arbeitsplätze in 18 Monaten, also 15.000 weniger als in 2015. Ich sehe hier nur, dass sich die Wirtschaft in ihrer PR der PR des Präsidenten anpasst. So fühlen sich die Wähler gut vertreten, aber die Wirklichkeit verändert sich nicht.

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