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02.12.2015

20:16 Uhr

Jobgipfel bei der Lufthansa

Zusammenarbeit mit Gewerkschaften soll besser werden

Bei der Lufthansa wird gerade mal nicht gestreikt, sondern geredet. Unternehmen und Gewerkschaften sind am Mittwoch zu einem Jobgipfel zusammengekommen. Das Ergebnis: Die Parteien wollen künftig besser zusammenarbeiten.

Ohne die Öffentlichkeit

Lufthansa-Gewerkschaften wollen künftig in aller Stille verhandeln

Ohne die Öffentlichkeit: Lufthansa-Gewerkschaften wollen künftig in aller Stille verhandeln

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FrankfurtBei der streikgeplagten Lufthansa wollen Unternehmen und Gewerkschaften ihre Zusammenarbeit verbessern. Das ist ein Ergebnis des sogenannten Jobgipfels, zu dem die Parteien am Mittwoch in Frankfurt zusammengekommen waren. Tarifliche Diskussionen sollen künftig außerhalb der Öffentlichkeit und „im vertrauensvollen Rahmen“ von Tarifgesprächen geführt werden, wie es in einer am Abend verbreiteten gemeinsamen Erklärung von Lufthansa und den Gewerkschaften Ufo, Vereinigung Cockpit und Verdi hieß. Details zu dem Zusammentreffen gab es nicht - auch nicht, ob es Fortschritte bei den strittigen Themen gab.

Das Treffen habe in einer „konstruktiven Atmosphäre“ stattgefunden, hieß es. „Die Parteien haben festgestellt, dass Zusammenarbeit, Vertrauen sowie Kommunikation verbessert werden müssen.“ Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens erklärte: „Der heutige Jobgipfel ist im Verlaufe des Tages zu einem Vertrauensgipfel geworden.“ Allein das sei ein gutes und wichtiges Ergebnis im Interesse aller Beteiligten.

Das Treffen im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung sollte dazu beitragen, den Dauerstreit zwischen Management und den Arbeitnehmervertretern zu lösen, der bereits zu 13 Pilotenstreiks und einem Rekordausstand der Flugbegleiter geführt hat. Gesprochen werden sollte insbesondere über die Auswirkungen des geplanten Konzernumbaus auf die Arbeitsplätze im Inland.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Erst in buchstäblich letzter Sekunde hatte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihre Teilnahme an dem Treffen zugesagt. Zuvor habe das Unternehmen zugesichert, dass es Gesprächsinhalte nicht vor Gericht gegen die VC verwerten werde, teilte die Gewerkschaft mit. Die VC hatte Bedenken geäußert, dass ihre Teilnahme juristisch als erneute illegale Einmischung in unternehmerische Belange des Konzerns gewertet werden könne.

„Der Jobgipfel kann und wird Tarifverhandlungen nicht ersetzen. Uns geht es um einen Austausch mit dem Konzernvorstand zum Umgang des Managements mit den Gewerkschaften“, hatte VC-Präsident Ilja Schulz gesagt. Eine Sprecherin der vor allem fürs Bodenpersonal zuständigen Gewerkschaft Verdi nannte das Treffen „schon lange überfällig“. Zielsetzung müsse es sein, möglichst viele Jobs in Deutschland zu halten.

Verdi ist die bislang einzige der drei tariffähigen Gewerkschaften, die mit der Lufthansa in der aktuellen Runde einen Tarifvertrag abgeschlossen hat. Neben Lohnsteigerungen einigten sich beide Seiten auch auf eine Reform der Betriebsrenten für rund 33 000 Mitarbeiter des Bodenpersonals. Bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo hatte der Verdi-Abschluss für Unmut gesorgt, weil dessen Ergebnisse nun den anderen Gewerkschaften als Vergleichsmarke vorgehalten würden.

Die VC hat sich dazu nicht geäußert, sondern auf die angeblich grundsätzlich anderen Tarifprobleme beim fliegenden Personal hingewiesen. Flugbegleiter und Piloten der Lufthansa haben im Unterschied zum Bodenpersonal bislang Anspruch auf eine vom Unternehmen bezahlte Übergangsversorgung bis zum Renteneintritt.

Von

dpa

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