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30.11.2015

15:37 Uhr

Jobgipfel der Lufthansa

Ein bisschen Hoffnung im Tarifstreit

Vor dem Jobgipfel mit ihren drei streitbaren Hausgewerkschaften hat Lufthansa einen kleinen Coup gelandet. Doch bringt der Abschluss mit Verdi wirklich den erhofften Frieden? Nicht alle Probleme sind gelöst.

Allein 14 Streiks in 2015

Lufthansa: Wie geht es künftig weiter mit den Tarif-Streitigkeiten?

Allein 14 Streiks in 2015: Lufthansa: Wie geht es künftig weiter mit den Tarif-Streitigkeiten?

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Frankfurt/MainPünktlich zum ersten Advent ist bei der Lufthansa ein Hoffnungsschimmer erschienen. Der von Dauerstreiks gebeutelte Luftverkehrskonzern hat am Wochenende mit der Gewerkschaft Verdi einen ersten Tarifabschluss gezimmert, der die wichtige Zukunftsfrage der Betriebsrenten regelt. Kommen nun auch Einigungen mit den Spartengewerkschaften für die Piloten und die Flugbegleiter zustande, die dem Konzern in den vergangenen zwei Jahren schon 14 Streikrunden geliefert haben? Vor dem für diesen Mittwoch angesetzten Jobgipfel halten sich die Parteien recht bedeckt, mit schnellen Lösungen ist jedenfalls nicht zu rechnen.

„Ich habe schon einige Fragen an Verdi zum Termin des Abschlusses und zu den Inhalten“, sagt der Chef der Kabinengewerkschaft UFO, Nicoley Baublies. Doch die wolle er zunächst der Verhandlungsführerin Christine Behle stellen, bevor darüber im Betrieb oder gar in einer breiteren Öffentlichkeit diskutiert werden könne.

Die vielen Baustellen der Lufthansa

Schwieriger Konzernumbau

Carsten Spohr will die Lufthansa wetterfest machen für die Zukunft, denn der Konkurrenzkampf über den Wolken ist hart. Der Umbau des größten europäischen Luftverkehrskonzerns ist eine Mammutaufgabe. Längst noch nicht alle Probleme sind gelöst. Das sind die Baustellen der Lufthansa.

Quelle: dpa

Billig-Airlines

Vor allem der größte europäische Player im Billigsegment, Ryanair, heizt den Wettbewerb an. Nachdem die Iren über Jahre vor allem auf kleinere Flughäfen in der Provinz gesetzt hatten, bedienen sie nun zunehmend auch große Flughäfen wie Berlin oder Köln. Zudem bieten inzwischen auch Billig-Airlines gegen entsprechenden Preisaufschlag Leistungen an, die sich vor allem an Geschäftsreisende richten – ein Segment, in dem vor allem etablierte Fluggesellschaften unterwegs sind.

Expansive arabische Konkurrenten

Emirates, Qatar Airways und Etihad punkten vor allem auf der lukrativen Langstrecke. Die Airlines vom arabischen Golf haben rasante, von den Herrscher-Familien unterstützte Wachstumspläne. Weite Teile des Verkehrs nach Südostasien und Ozeanien haben sie bereits fest im Griff und bei einigen europäischen Airlines sitzen sie mit am Steuerknüppel – zum Beispiel Etihad bei Air Berlin oder Alitalia.

Probleme mit dem Personal

Ein Tarifkonflikt ist nach wie vor ungelöst: Der Dauerstreit mit den Piloten kann nach bisher 13 Streikrunden jederzeit wieder eskalieren. Die Kabinengewerkschaft UFO war im November in einen einwöchigen Streik getreten, einigte sich mit Lufthansa im Januar aber auf Eckpunkte eines neuen Tarifvertrags. Für das Bodenpersonal gab es zuvor schon eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi.

Das komplizierteste Thema bei den Piloten sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Eurowings-Konzept

Neben der klassischen Premium-Lufthansa baut Lufthansa-Chef Spohr eine Billigschiene mit Eurowings auf, die im Europa-Verkehr Ryanair oder Easyjet Paroli bieten soll. Kern des Konzepts ist „Eurowings Europe“ mit Sitz in Wien. Derzeit stellt sie Piloten zu deutlich geringeren Gehältern ein, als bei der Lufthansa-Mutter gezahlt werden.

Der Konzernumbau belastet die Tarifverhandlungen, insbesondere mit den Piloten. Außerdem läuft es bei Eurowings selbst noch nicht rund. Die neue Billig-Airline hat mit Verspätungen auf ihren Fernflügen zu kämpfen.

Germanwings-Absturz

Der vom Co-Piloten Andreas L. im Frühjahr herbeigeführte Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten war das größte Unglück in der Geschichte des Lufthansa-Konzerns. Finanzielle Soforthilfe von zunächst 50.000 Euro pro Opfer wurde schnell auf den Weg gebracht. Um Schmerzensgeldzahlungen ist allerdings ein Millionenpoker entbrannt. Opfer-Anwälte lehnten die Lufthansa-Vorschläge als zu niedrig ab.

Nahezu geräuschlos hatte Behle am Freitag und Samstag mit der Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens einen umfassenden Abschluss verhandelt. Das auf 33 Monate festgeschriebene Ergebnis setzt Baublies und seine UFO ebenso unter Druck wie die Piloten der Vereinigung Cockpit (VC). Die Vereinbarungen zum Gehalt sind dabei Nebensache: Verdi hat erstmals akzeptiert, dass Neueingestellte nur noch feste Rentenbeiträge von der Lufthansa erhalten statt wie bislang garantierte Renten.

Und den 33.000 Bestandskräften wird ein Eigenbeitrag von 1 Prozent vom Brutto abverlangt, um das bisherige Niveau ihrer Betriebsrenten zu sichern. Lufthansa spart bares Geld und muss das Zinsrisiko nicht mehr in ihrer Bilanz absichern.

Baublies hat sich in der Vergangenheit strikt gegen zusätzliche Belastungen der rund 19.000 Flugbegleiter gewandt und dezidiert eine Schlechterstellung neuer Kollegen abgelehnt. Das setze wegen der innerbetrieblichen Konkurrenz eine Abwärtsspirale in Gang, die nicht aufzuhalten sei. Dass Verdi nun vorgeprescht ist, hat bei UFO zu deutlicher Verstimmung geführt.

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