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08.07.2014

13:57 Uhr

Joint Venture in Planung

Lufthansa verbrüdert sich mit Air China

Die Lufthansa will sich die Tür zum chinesischen Markt weiter öffnen. Bereits zum Winterflugplan soll ein Joint Venture mit Air China an den Start gehen – und die Attacken von Emirates und Co. kontern.

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FrankfurtDie Lufthansa arbeitet künftig enger mit Air China zusammen. Ein entsprechendes Memorandum zur weiteren Vertiefung der kommerziellen Zusammenarbeit sei von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Air-China-Präsident Song Zhiyong unterzeichnet worden, teilte die Fluggesellschaft am Montag mit.

Das Memorandum solle den Aufbau eines Joint-Ventures zwischen der Lufthansa und Air China vorbereiten. Die Lufthansa verspricht sich von dem Abkommen mit Air China einen optimaleren Zugang zum zweitgrößten Luftverkehrsmarkt nach den USA – und will damit besser gegen die arabischen Konkurrenten bestehen.

Dieses soll bereits zum Start des Winterflugplans Ende Oktober 2014 in Kraft treten. Lufthansa und Air China sind als Mitglieder der Star Alliance bereits seit einigen Jahren verbunden. Die größte deutsche Airline hatte bereits im Mai erklärt, eine tiefere Zusammenarbeit mit den Chinesen auszuloten.

Die drei großen Airlines vom Golf

Newcomer in der Luftfahrt

Vor allem die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways mischen das weltweite Luftfahrtgeschäft auf. Sie zählen zu den Großkunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing.

Emirates mit großer Marktmacht

Schlagzeilen macht vor allem Emirates, die rasant wachsende Airline aus dem Golf-Emirat Dubai. Sie schreckt europäische Konkurrenten wie die Lufthansa auf und spielt auch gegenüber den Flugzeugbauern ihre Marktmacht aus. Emirates ist der weltweit größte Betreiber der Großraumjets Airbus A380 und Boeing 777. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ihre Bestellungen für den Superjumbo A380 von 90 auf 140 Maschinen aufgestockt.

Dubai soll zum Weltumsteige-Flughafen werden

Geführt wird die Airline vom Briten Tim Clark, das uneingeschränkte Sagen hat jedoch Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, der zugleich Chef des Flughafens und der Luftfahrtbehörde ist. Er treibt seit Jahren seine Pläne voran, Emirates zur führenden Airline und Dubai zum Weltumsteige-Flughafen zwischen Europa und Asien zu machen. Nach Angaben der Gruppe lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 24 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro).

Etihad startete auf königlichen Erlass

2003 hob Etihad, die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals ab – auf königlichen Erlass. Der Rivale der großen Emirates zählt zu den schnell wachsenden Golf-Airlines. Noch ist die Flotte mit Drehkreuz in Abu Dhabi mit 72 Flugzeugen halb so groß wie die der Air Berlin, schon in sechs Jahren sollen es aber 158 Maschinen sein.

Kräftiges Passagierplus

2013 beförderte Etihad knapp 12 Millionen Passagiere, ein Plus von 16 Prozent. Das wirkt gegen die 31,5 Millionen der Beteiligung Air Berlin auch deshalb bescheiden, weil bei Etihad lange Strecken dominieren. Die knapp 11.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2013 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Qatar Airways Erstkunde bei der A350

Qatar Airways aus dem Emirat Katar komplettiert das Trio vom Golf. Die Fluggesellschaft wurde 1993 gegründet, ebenfalls auf Betreiben der Herrscherfamilie. Die Airline ist Großkunde bei Airbus und Boeing und hat nach eigenen Angaben 280 Flugzeuge bestellt. Beim neuen Airbus-Mittelstreckenjet A350 ist Qatar Airways Erstkunde.

Kritik wegen Arbeitsbedingungen

Zuletzt wurde Qatar Airways wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Unter anderem wird der Arline vorgeworfen, dass seine überwiegend ausländischen Mitarbeiter unter Aufsicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten müssen. Außerdem dürfen sie demnach in den ersten fünf Jahren ihrer Firmenzugehörigkeit nicht heiraten, Schwangerschaften sind ein sofortiger Kündigungsgrund.

Die Aussicht auf die tiefergehende Zusammenarbeit hat der Lufthansa am Montag Auftrieb verliehen: Der Kurs stieg im frühen Handel um 1,7 Prozent. „Die Nachricht wirkt sich positiv aus“, sagte ein Aktienhändler. „Wenn die Lufthansa sich so einen besseren Zugang in den Riesenmarkt China verschafft, wäre das natürlich gut für das Unternehmen - das hilft heute auch der Aktie“, ergänzte ein anderer Börsianer.

„Wir freuen uns, unseren Kunden, speziell in Europa und China, gemeinsam mit Air China künftig noch bessere Flugverbindungen und Services anbieten zu können“, erklärte Spohr am Rande des Staatsbesuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Peking. Durch die strategischen Partnerschaften mit führenden Airlines könnten die Fluggesellschaften der Lufthansa Group die vier größten Volkswirtschaften der Welt noch besser miteinander verbinden.

Kommentare (3)

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07.07.2014, 10:10 Uhr

Das ist strategisch in jedem Fall einen Versuch wert ... Deutschlands Zukunft hängt an der weiteren Zusammenarbeit mit China, so viel ist mal sicher.

Herr peter Spirat

07.07.2014, 12:09 Uhr

ja, das sehe ich auch so.

Wir sollten es uns wieder angewöhnen, dass wir mehr mit ehrlichen, arbeitsamen Nationen zusammenarbeiten. Hier liegt unsere Zukunft.

Die Achse D-RUS-CN nimmt immer mehr Gestalt und wenn selbst Herr Gauck schon sagt "Jetzt reicht es aber langsam", dann sollten wir uns nicht als Verräter am eigenen Volk betätigen und die feidlichen Amis als unsere Freunde ansehen.



Herr Thomas Behrends

07.07.2014, 12:24 Uhr

Im Gegensatz zu den USA, die für uns nur noch als Absatzmarkt herhalten können, gibt´s in Russland und China ein enormes industrielles und Dienstleistungs-Potential für die nächsten Jahrzehnte.

Wir sollten uns auch nicht von den USA auseinander dividieren lassen.

Sowohl Putin als auch die chinesische Führung weiß, dass sie sich auf Deutschland verlassen können.

Da ist der NSA-Abhörskandal war ein großes Ärgernis, aber im Endeffekt nützt das den USA herzlich wenig.

Deutschland wird so oder so seinen Weg gehen; mit oder ohne die USA ...

... und das ist auch gut so!

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