Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.02.2017

14:07 Uhr

Junghans, Lange und Co.

Deutsche Uhrmacher setzen auf Retro

Eine Armbanduhr am Handgelenk? Haben viele Deutsche – obgleich manch einer auch nur das Smartphone als Zeitmesser nutzt. Also eine Gefahr für die heimischen Uhrenhersteller? Die Rückbesinnung einer Branche.

Wie in vielen deutschen Uhrenfabriken wird auch bei Junghans auf mechanische Modelle gesetzt. dpa

Uhrenhersteller Junghans

Wie in vielen deutschen Uhrenfabriken wird auch bei Junghans auf mechanische Modelle gesetzt.

SchrambergDas Pförtnerhaus ist verwaist, die Straße leer. Rechterhand in dem Gewerbegebiet liegt eine Abrissruine, am Ende des Weges ist ein riesiges Gebäude: der Firmensitz des Uhrenherstellers Junghans im süddeutschen Schramberg. Hier war einst die größte Uhrenfabrik der Welt – vor gut 100 Jahren hatte die Firma 3000 Mitarbeiter. In den 1960er-Jahren beschäftigte Junghans gar 6000 Menschen, danach begann der Abstieg bis hin zur Insolvenz 2008. Seither, betont Firmenchef Matthias Stotz, gehe es aufwärts, man sei inzwischen profitabel. 127 Mitarbeiter hat sein Unternehmen heute. Der Umsatz stieg 2016 um 4,3 Prozent auf 24,5 Millionen Euro.

Auf dem Gewerbegelände im Schwarzwald wird gebaut, ein Teil des Firmengebäudes wird aufwendig saniert. Die Geschichte von Junghans ist im bestimmten Maße beispielhaft für Deutschlands Uhrenbranche, die sich ab Samstag auf der Münchner Messe Inhorgenta trifft: Die Branche war einst groß, doch durch Konkurrenz aus Amerika und Asien sowie den technischen Wandel schrumpfte sie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

Seit einigen Jahren sieht es deutlich besser aus, die Hersteller haben Erfolg mit mechanischen Uhren. Neben Mittelpreis-Anbietern wie Junghans mit Preisen von 300 bis 2500 Euro pro Uhr gibt es Luxusmarken wie A. Lange & Söhne. Die bieten nichts unter 14.900 Euro an.

Wozu braucht man überhaupt noch eine mechanische Uhr, wenn man ein Smartphone in der Tasche hat oder eine Smartwatch trägt? Der Chef von A. Lange & Söhne, Wilhelm Schmid, bleibt gelassen bei so einer Frage: Solche Produkte wirkten sich nicht auf die eigenen Geschäfte aus, sagt er. „Bei unseren Zeitmessern zeigt sich ein schönes Paradox: Man will sie, weil man sie nicht braucht.“ Durch den technologischen Fortschritt sei der Nutzen – die Zeitmessung – in den Hintergrund getreten, die Uhr werde mehr als Kunstwerk wahrgenommen.

A. Lange & Söhne-Chef Wilhelm Schmid: „Wir müssen die Zeit nutzen, neue Kraft zu sammeln“

A. Lange & Söhne-Chef Wilhelm Schmid

Premium „Wir müssen die Zeit nutzen, neue Kraft zu sammeln“

Der Tod von Walter Lange hat den Uhrenhersteller A. Lange & Söhne erschüttert. Vorstandschef Wilhelm Schmid spricht im Interview über den verstorbenen Gründer, den Nutzen sündhaft teurer Uhren und die Lage der Branche.

Der Luxushersteller, der zum Schweizer Richemont-Konzern gehört und sich beim Umsatz bedeckt hält, hat keine leichte Zeit hinter sich. Firmenchef Schmid spricht zwar von einem guten Jahr 2016, aber auch von „Turbulenzen im Markt“. Die Luxusbranche litt unter gesunkener Nachfrage aus China und Russland.

Das bekamen kleinere Anbieter im Mittelpreis-Segment weniger zu spüren. So konnte die Firma Nomos – wie A. Lange & Söhne aus dem Uhrenmacher-Zentrum Glashütte in Sachsen – ihren Umsatz im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben um ein Viertel hochschrauben, die Mitarbeiterzahl kletterte um 70 auf rund 300. Sorgenfalten wegen digitaler Konkurrenz? Nomos-Sprecherin Jasmin Denk schüttelt den Kopf. „Mechanische Uhren sind Liebhaberei“, sagt sie. Die neue Technik sei sogar positiv fürs Geschäft, schließlich kämen dadurch potenzielle junge Kunden auf den Geschmack, überhaupt mal eine Uhr am Handgelenk zu tragen – „wenn sie älter sind, entdecken sie möglicherweise ihr Faible für mechanische Uhren“, so Denk.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×