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12.02.2016

15:05 Uhr

Juweliere mit steigenden Umsätzen

Edel-Uhren bleiben ein Verkaufsschlager

VonRegine Palm

Die Uhren- und Schmuckbranche freut sich über steigende Umsätze. Der Franken-Schock tat dem Trend keinen Abbruch. Fallende Preise für Edelmetalle machen Schmuck attraktiv – doch das könnte sich ändern.

„2015 war für die Branche eines der besseren Jahre.“ Imago

Goldene Uhr

„2015 war für die Branche eines der besseren Jahre.“

DüsseldorfDie schleppende Entwicklung der Edelmetallpreise hat der Schmuckbranche nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Juweliere, Schmuck und Uhrenfachgeschäfte haben nach Angaben des Branchenverbands BVJ ihren Umsatz im vergangenen Jahr um fast zwei Prozent auf 4,74 Milliarden Euro gesteigert.

„2015 war für die Branche eines der besseren Jahre“, lobt BVJ-Präsident Stephan Lindner zum Start der Messe Inhorgenta. Die Leitmesse der Branche, die nur Fachbesuchern vorbehalten ist, läuft noch bis Montag in München. Die erfreuliche Entwicklung erklärt Lindner mit dem niedrigen Zinsniveau, das weiterhin die Investition in Sachwerte fördere. Zudem komme die anhaltend hohe Konsumlaune der Deutschen der Branche entgegen. Auch für das laufende Jahr rechnet der Verband, der die Interessen von mehr als 9000 Einzelhandelsunternehmen vertritt, daher mit einer stabilen Entwicklung.

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Die goldene Epoche ist erst einmal vorbei, wie die Uhrenmesse in Genf zeigt. Durch die Krisen in Saudi Arabien, Russland und China kommen harte Zeiten auf die Branche zu. Als Material der Stunde gilt deshalb Stahl.

Stark gefragt waren in Deutschland im vergangenen Jahr Uhren. Die Umsätze stiegen nach Hochrechnungen des BVJ um mindestens sechs Prozent. Dies sei aber nicht nur den höheren Preisen geschuldet. Auch die Stückzahlen im Bereich hochwertiger Uhren seien stabil geblieben. Ein Grund für die Verteuerung der Uhren war den Angaben zufolge die Freigabe des Wechselkurses des Schweizer Franken im Frühjahr 2015. Nicht nur Lieferanten aus der Schweiz hätten deshalb die Preise für ihre Uhren erhöht. Auch bei deutschen und anderen Lieferanten aus dem Euro-Raum habe es Preiserhöhungen gegeben, da häufig Werke und Bauteile von Vorlieferanten aus der Schweiz bezogen werden.

Die Schmucknachfrage blieb mit einem Plus von 0,5 Prozent in Deutschland nahezu unverändert. Gefragt war vor allem Goldschmuck. Daneben habe Platinschmuck von den niedrigen Metallpreisen profitiert und werde als Alternative zu Weißgold gesehen. „Die Edelmetallpreise sind insgesamt weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Das ist gut für den Konsumenten, der in echten Schmuck investieren will. Gold- und Platinschmuck sind kein Anlageobjekt, aber eine werthaltige Investition“, erklärt BVJ-Präsident Lindner.

Das Edelmetall Gold war vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2015 unter Druck geraten. Erste Analysten hatten schon einen Fall des Preises unter 1000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) prognostiziert. Doch es kam anders: Mit Beginn des neuen Jahres ist der Preis kräftig gestiegen. Allein im Februar hat sich Gold im Zuge der turbulenten Aktienmärkte um mehr als 100 Dollar auf zuletzt knapp 1240 Dollar verteuert. Erste Experten sehen den Preis nun schon bei 1400 Dollar. Ähnlich stürmisch entwickelte sich auch der Platinpreis, der mit 950 Dollar wieder Kurs auf die 1000-Dollar-Marke genommen hat, die er Ende Oktober nach unten durchbrochen hatte.

Die Verteuerung der Edelmetalle ist aber weniger den Schmuckkäufern geschuldet als den Anlegern, die Gold zur Risikostreuung ins Depot nehmen. Nach Angaben von ETF Securities sind seit Anfang Januar 720 Millionen Dollar in Gold ETPs geflossen, also in börsennotierte Produkte, die mit physischem Gold hinterlegt sind. Allein am 9. Februar habe ETF Securities Mittelzuflüsse in Höhe von 345 Millionen Dollar in einen physisch hinterlegten Gold ETC registriert; „den höchsten Zufluss der Unternehmensgeschichte an einem einzelnen Tag“, heißt es.

Doch selbst höhere Edelmetallpreise haben in der Vergangenheit die Schmuckfrage hierzulande kaum gebremst, da damit auch das Wertempfinden insgesamt zugenommen hat. Doch die inländische Nachfrage hat sich ohnehin besser entwickelt als der globale Markt: Nach Angaben des World Gold Council, WGC, das für die Interessen der Minenindustrie steht, ist die Schmucknachfrage 2015 mengenmäßig um drei Prozent auf 2415 Tonnen gefallen. Dabei sei das Jahr 2015 zweigeteilt gewesen. Nach einem langsameren Start ins Jahr seien das dritte und vierte Quartal zusammen die stärkste zweite Jahreshälfte bei Goldschmuck in den letzten elf Jahren gewesen.

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