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07.05.2015

07:01 Uhr

Kaffeekonzern

Melitta schließt zwei Werke

VonChristoph Kapalschinski

Melitta will sein Geschäft mit der Marke Swirl profitabler machen – deshalb will Gesellschafter Bentz Standorte zusammenlegen. Rund 280 Arbeitsplätze sind betroffen. Günter Wallraff muss diesmal aber nicht einschreiten.

Das Familienunternehmen machte 2014 mit 3800 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,325 Milliarden Euro, davon die 75 Prozent im Kaffee-Geschäft. dpa

Melitta-Bilanz

Das Familienunternehmen machte 2014 mit 3800 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,325 Milliarden Euro, davon die 75 Prozent im Kaffee-Geschäft.

HamburgDer Kaffeekonzern Melitta hat eine wechselvolle Geschichte. Patriarch und Gründersohn Horst Bentz führte das Unternehmen einst mit vakuumverpacktem Kaffee und Beteiligungen bis hin zu Valensina-Organgensaft durch die Nachkriegszeit. Dabei scheute er keinen Konflikt mit den Arbeitnehmern, denen er in einem Pflichtenbuch so lange eiserne Regeln auferlegte, bis sich Anfang der 1970er-Jahre sogar der damals noch junge Enthüllungsjournalist Günter Wallraff ins Unternehmen einschleuste.

Diese konfliktreichen Zeiten sind bei Melitta längst vorbei. Gesellschafter Jero Bentz gehört bereits zur vierten Generation im Familienunternehmen, das Pflichtenbuch ist längst abgeschafft. Doch auch er muss sich mit der Gewerkschaft auseinandersetzen. Denn: Bentz will zwei Werke bei Melitta schließen. Die Produktion von Staubsaugerbeuteln der Marke Swirl werde an einem von zwei Standorten, in Spenge bei Herford, gebündelt, sagte Bentz dem Handelsblatt. Die Produktion von Toppits-Frischhaltefolien solle vom Standort Minden in ein bestehendes Werk in Polen verlagert werden, um Kosten zu senken.

Bentz wurmt, dass Melitta kaum wächst und geringe Margen hat. Folien und Beutel müssten künftig bessere Ergebnisse bringen, um stärkeres Wachstum finanzieren zu können, sagte er. Dazu würden auch interne Verwaltungsstrukturen umorganisiert. „Wir müssen uns schlagkräftiger aufstellen“, sagte Bentz. Folien und Beutel sind danach unabhängiger vom Geschäft mit Kaffee und Kaffeemaschinen.

Ein Verkauf sei jedoch nicht geplant. Melitta soll in den Geschäftsbereichen aktiv bleiben, in denen das Unternehmen inzwischen noch tätig ist: Kaffeebohnen und Kaffeemaschinen, Frischhaltefolien und Staubsaugerbeutel sowie ein kleines Geschäft mit Spezialpapier und -folien für die Industrie. Das Familienunternehmen machte 2014 mit 3800 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,325 Milliarden Euro, davon die 75 Prozent im Kaffee-Geschäft. Angaben zum Gewinn nennt die Gruppe nicht.

Gut 280 Arbeitsplätze sind von den Werksschließungen betroffen. Altersteilzeit und Verlagerungen sollen einen Teil auffangen. Es sei jedoch auch mit betriebsbedingten Kündigungen zu rechnen, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Ottmar Bürgel dem Handelsblatt. Es sei fraglich, ob eine Verlagerung von Produktion nach Polen wirklich sein müsse, kritisierte er. „Die wirtschaftliche Lage am Standort Minden ist nicht schlecht“, meinte der Gewerkschafter.

Bentz bestätigte, Toppits arbeite profitabel. Die Margen reichten jedoch nicht aus, um das Geschäft langfristig zu sichern. „Jedes Geschäft muss aus sich selbst heraus die Kraft haben, wachsen zu können“, forderte Bentz. In Polen, wo bereits 50 Prozent der Produktion erfolge, seien die Arbeitskosten schlicht niedriger. 164 Jobs in Minden sind betroffen. Bentz sagte, etwa 100 davon könnten etwa durch Altersteilzeitregelungen und andere Angebote in der gruppe aufgefangen werden. Problemloser sei das im Bereich Staubsaugerbeutel, wo die Werke nur wenige Kilometer auseinanderliegen und die meisten Maschinen umziehen.

Hier ziehen wohl etliche der 120 Arbeitskräfte mit um. Das soll Voraussetzungen schaffen, um durch Internationalisierung und neue Produkte wachsen zu können. Bentz arbeitet dafür an einem Programm „Melitta 2020“.

Den ganz großen Konflikt wie in den 1970er-Jahren wird es wohl diesmal nicht geben: „Die Melitta-Gruppe bemüht sich, eventuelle Jobverluste sozial abzufedern“, lobte Gewerkschafter Bürgel. Die Verhandlungen über mögliche Sozialpläne stünden aber noch aus.

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