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05.01.2013

09:02 Uhr

Kaffeekrieg in Seattle

Serienstar sticht Starbucks aus

VonNils Rüdel

Die insolvente Kaffee-Kette Tully`s stand zum Verkauf, und alle boten mit – darunter der Gigant Starbucks und Konkurrent Baristas mit den leicht bekleideten Kellnerinnen. Doch den Zuschlag erhielt ein bekannter TV-Star.

Schauspieler Patrick Dempsey steigt ins Kaffeegeschäft. dapd

Schauspieler Patrick Dempsey steigt ins Kaffeegeschäft.

New York Der Schauspieler Patrick Dempsey ist nicht nur als Dr. Derek Shepherd aus der US-Serie „Grey`s Anatomy“ bekannt, als ehemaliger Sexiest Man Alive und als Hobby-Rennfahrer. Bald hängt der 46-Jährige auch noch eine Karriere als Kaffeeunternehmer dran. Dempsey hat am Donnerstag nach eigenen Angaben das Bieterrennen um die kleine, insolvente Kaffeehauskette Tully`s Coffee in Seattle gewonnen – und dabei den mächtigen Konkurrenten Starbucks aus dem Feld gedrängt.

„Wir haben das grüne Monster getroffen, ihm in die Augen gesehen, und es hat geblinzelt“, twitterte Dempsey am Donnerstagabend kurz nach Abschluss der 13-stündigen Auktion über den globalen Kaffee-Giganten. „Wir haben es geschafft! Danke, Seattle!“

Es ist das vorläufige Ende eines kleinen Kaffee-Krieges, der in der größten Stadt des US-Bundesstaats Washington getobt hatte. Im Zentrum drei Unternehmen, die allesamt in Seattle angesiedelt sind: Als Bieter neben Starbucks war unter anderem die Kette Baristas Coffee angetreten, deren Markenzeichen Drive-In-Spuren und knapp bekleidete Kellnerinnen sind. Auf der anderen Seite stand die zum Verkauf stehende Pleite-Kette Tully`s – und eben Schauspieler Dempsey, dessen fiktives Serien-Krankenhaus ebenfalls ins Seattle steht.

Dempseys Investorengruppe Global Baristas will nun nach eigenen Angaben 9,15 Millionen Dollar für Tully`s zahlen, nachdem der Insolvenzrichter am 11. Januar endgültig entschieden haben wird. Der Schauspieler will die Kette vollständig übernehmen, mit ihren 500 Mitarbeitern und 47 eigenen Läden in Washington und Kalifornien. Er erhält außerdem die Franchise-Rechte. Was allerdings mit den knapp 60 Franchise-Läden geschieht, ist noch unklar.

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Der Druck auf Starbucks wächst - zumindest in Europa. Angesichts der Preise ist die Frage schon berechtigt, warum sich der Weg zur US-Kette lohnt. Handelsblatt Online hat einen kritischen Selbsttest gemacht.

„Ich bin begeistert, dass wir gewonnen haben“, sagte Dempsey dem lokalen Sender KOMO-TV. „Und ich bin noch begeisterter, dass wir Tully`s Coffee und Hunderte Jobs retten können”. Er sei zuversichtlich, dass er die Marke weiterentwickeln und die Wirtschaft stärken werde, sagte er, „hier in einer der besten Städte der Welt“. Seattle sei in seiner ganzen Karriere immer gut zu ihm gewesen.

Tully`s war vor 20 Jahren als Konkurrent zu Starbucks gestartet. Nach einem raschen Wachstum in den ersten Jahren verlor die Kaffeekette jedoch schnell den Anschluss an den weltweit bekannten grünen Riesen. Nach mehreren Verkäufen und zwei an den schlechten Marktkonditionen gescheiterten Börsengängen beantragte Tully`s im Oktober Gläubigerschutz nach Kapitel 11. Jetzt, nach der Auktion, versprach Neu-Eigentümer Depmsey den besorgten Mitarbeitern: „Tully`s bleibt Tully`s“.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?

Ländervergleich

6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...

Puristen

Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.

Pragmatiker

Der Pragmatiker

17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.

Zucker und Milch

33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.

Die Anspruchsvollen

Die Anspruchsvollen

Für 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.

Vollautomaten

Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.

Schlemmer

Schlemmer

17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.

Variationen

Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.

Klassiker

Klassiker

19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.

Die Genügsamen

Die Genügsamen

Rund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

Starbucks will sich derweil offenbar noch nicht geschlagen geben. Ein Sprecher bestätigte der Nachrichtenagentur AP, bei der Auktion am Donnerstag mitgeboten zu haben. Der Kaffeekonzern sei an insgesamt 25 Standorten interessiert gewesen, darunter 12 auf dem Werksgelände des Flugzeugbauers Boeing. Noch immer sei man aber in einer „Backup-Position“ zumindest für Teile von Tully`s. Der endgültige Zuschlag werde ohnehin erst vor Gericht am 11. Januar erteilt.

Kommentare (4)

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Andreas

05.01.2013, 13:39 Uhr

>>Wir haben das grüne Monster getroffen, ihm in die Augen gesehen, und es hat geblinzelt<<

Ich kenne überhaupt keine Zahlen der Transaktion - aber vielleicht war das grüne Monster ja auch schlau und war einfach nicht bereit, Phantasiepreise zu zahlen?

Migrationspolizei

05.01.2013, 14:00 Uhr



Wie benennen wir jetzt noch schnellstmöglich die 'Zigeunersauce' in den Supermarktregalen um?

"Bunter Puszta Topf"** oder "Gaumenfreude der Mobilen ethnischen Minderheit"?


** Achtung! Puszta liegt in Ungarn! Es könnten sich die Ungarn diskriminiert fühlen, mit dem fahrenden Volk in Verbindung gebracht zu werden.

Zum Teufel, es ist aber auch wirklich schwierig! (Verzeihung, "Herr der Unterwelt", wollte ich schreiben. Es soll doch bitte alles politisch korrekt sein)!!

Account gelöscht!

05.01.2013, 19:20 Uhr

Die Abfallprodukte von Starbucks sind einen Cent wert, hoffentlich auch bald keinen PFENNIG wert!

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