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20.10.2016

11:58 Uhr

Kahlschlag bei Tom Tailor

Das große Schrumpfen

VonGeorg Weishaupt

Interimsvorstandschef Heiko Schäfer streicht das Geschäft des Hamburger Modeunternehmens kräftig zusammen: Er verkleinert das Filialnetz von Tom Tailor, strafft Modelinien und kassiert die Gewinnprognose ein.

Mit drastischen Sparmaßnahmen und einer Verjüngung der Kollektion stemmt sich das Unternehmen gegen den Kundenschwund. picture alliance / Guenther PERO

Filiale von Tom Tailor

Mit drastischen Sparmaßnahmen und einer Verjüngung der Kollektion stemmt sich das Unternehmen gegen den Kundenschwund.

DüsseldorfGewinnwarnung, Kostensenkung, Filialschließung - mit solchen Manövern schockt Tom Tailor seit vergangenem Jahr immer wieder die Öffentlichkeit. Im Mai musste der langjährige Vorstandschef des Hamburger Modeunternehmens Dieter Holzer trotz neuer Sparprogramme gehen. Jetzt stellt sich heraus, dass die Kurskorrekturen zu halbherzig waren, mit denen Holzer Tom Tailor wieder auf Erfolgskurs bringen wollte. Finanzvorstand Thomas Dressendörfer spricht Klartext und kündigt „eine deutlich schärfere Kurskorrektur als bisher“ an. Die gingen „deutlich über das Ende 2015 eingeleitete Programm CORE hinaus“, sagte der Finanzvorstand und kritisierte damit indirekt die Politik von Holzer.

Vor allem das Filialnetz wollen Dressendörfer und Interimsvorstand Heiko Schäfer stärker straffen, als bislang schon geplant. So wollen sie die Zahl der Läden um 300 verringern. Bislang betreibt das Unternehmen 468 Tom-Tailor-Filialen , 206 Franchise-Geschäfte der Hamburger Marke für Freizeitkleidung sowie über 1.011 eigene Bonita-Läden. Welche Läden das Sparprogramm genau trifft, ist noch nicht ganz klar. Es steht nur fest, dass alle Läden der Marke Bonita Men sowie bis zu 150 unprofitable Geschäfte von Bonita Women schließen werden. Aber auch große Filialen von Tom Tailor will das neue Management nicht verschonen. So sollen selbst einzelne Flagshipstores schließen, die nicht profitabel genug sind.

Der langjährige Vorstandschef Holzer hatte vor vier Jahren die Kette Bonita gekauft, um das Hamburger Unternehmen weiter auf Wachstumskurs zu halten. Doch damit übernahm er auch viele Probleme, zum Beispiel unprofitable Läden in schwierigen Lagen der Innenstädte. Außerdem hat sich das ursprüngliche Geschäftskonzept überlebt. Viele Jahre funktionierte es, älteren Kunden Mode zu verkaufen, die keinen besonderen Wert auf den letzten modischen Pfiff legten. Doch die sogenannten Best Ager wollen sich inzwischen auch modischer kleiden und kaufen zunehmend bei den spanischen Textilketten Zara oder Mango sowie beim schwedischen Filialisten H&M ein.

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