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18.09.2016

21:16 Uhr

Kaiser's Tengelmann

Zerschlagung wird immer wahrscheinlicher

Die Übernahme durch Edeka liegt auf Eis. Nun steht der Plan für die Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann. Tausende werden dann ihren Job verlieren. Ein Krisengipfel soll die Rettung bringen.

Kaiser's Tengelmann

IT-Abteilung fast lahmgelegt und Mitarbeiter ohne Zuversicht

Kaiser's Tengelmann: IT-Abteilung fast lahmgelegt und Mitarbeiter ohne Zuversicht

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BerlinDer angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann gehen einem Zeitungsbericht zufolge scharenweise Mitarbeiter von Bord. Geschäftsführer Raimund Luig habe in einem Brief an Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub geschrieben, im Oktober müsse daher das Team „Nationales Qualitätsmanagement“ aufgelöst werden, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab (Montagsausausgabe) unter Berufung auf den ihr vorliegenden Brief vom 6. September. Im zentralen Dienstleistungszentrum habe es in den vergangenen zwei Jahren 100 Eigenkündigungen gegeben. Die gesamte IT, an der die Logistik und das Kassensystem hänge, drohe zusammenzubrechen.

Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Fusion von Kaiser's Tengelmann mit dem Branchenprimus Edeka mehrfach mit einem Aus für seine defizitäre Supermarktkette gedroht. Für Freitag ist bei Kaiser's Tengelmann eine Aufsichtsratssitzung anberaumt. Dutzende Filialen stehen zur Schließung an, Tausende werden ihren Job verlieren, schreibt die „Bild am Sonntag“. Vor allem werde es Nordrhein-Westfalen hart treffen: 3000 der 4000 Mitarbeiter dort müssten wohl gehen, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Sonntag auch der Deutschen Presse-Agentur. Beraten wird der Plan am kommenden Freitag vom Aufsichtsrat.

Edeka möchte Kaiser's Tengelmann kaufen. Doch die Pläne liegen auf Eis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat selbst die Ministerialerlaubnis von Wirtschaftsminister Gabriel vorerst gestoppt. dpa

Edeka und Kaiser's Tengelmann

Edeka möchte Kaiser's Tengelmann kaufen. Doch die Pläne liegen auf Eis. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat selbst die Ministerialerlaubnis von Wirtschaftsminister Gabriel vorerst gestoppt.

Die Hoffnungen ruhen nun auf einem Krisengipfel mit allen Beteiligten des Übernahme-Dramas um die traditionsreiche Handelskette. Neben den Vertretern Tengelmanns sollen Edeka, der Konkurrent Rewe und die Gewerkschaft Verdi mit am Tisch sitzen. Die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstag) hatte berichtet, Rewe-Chef Alain Caparros habe per Brief an die Tengelmann-Eigentümer seine Gesprächsbereitschaft betont. Der genaue Termin und der Ort des Spitzentreffens sind noch unbekannt.

Grund für die Misere ist die festgefahrene Fusion von Kaiser's Tengelmann mit dem Marktführer Edeka. Der Zusammenschluss liegt derzeit auf Eis und wird vor Gericht geklärt. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte mit einer Ministererlaubnis den Weg für die vom Kartellamt untersagte Fusion wieder frei gemacht. Das Oberlandesgericht Düsseldorf kassierte diese Erlaubnis wieder ein, nachdem Wettbewerber wie Rewe dagegen vorgegangen waren. Edeka und Gabriel sind anschließend vor den Bundesgerichtshof (BGH) gezogen. Der will am 15. November eine erste Entscheidung treffen.

Ob Tengelmann so lange warten kann, ist offen. Die Lage der Kette spitzte sich nach Informationen der dpa zuletzt weiter zu. Die Geschäftsführer der angeschlagenen Gruppe rechnen allein in diesem Jahr mit Verlusten von rund 90 Millionen Euro, wie aus einem Brief des Managements an Eigentümer Karl-Erivan Haub vom 6. September hervorgeht, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „ ... es bedarf keiner dezidierten Planung, dass sich dieses Ergebnis im kommenden Geschäftsjahr weiter deutlich verschlechtern wird“, heißt es unter anderem in dem Schreiben.

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Habe es im Oktober 2014 noch 475 Filialen gegeben, werde die Zahl Ende 2016 auf 405 gesunken sein. Die Schließung weiterer 25 Filialen sei für 2017 bereits geplant. „Besonders kritisch ist die Situation in unserer Region Nordrhein“, heißt es in dem Brief. Zudem verliere man weiter Mitarbeiter. „Im Oktober 2016 müssen wir z. B. das Team „Nationales Qualitätsmanagement“ auflösen.“ Noch sei die Lage unter Kontrolle, aber sollte sich die Hängepartie über „weitere viele Monate“ hinziehen, wäre das anders: „Für einen solchen Fall können wir aus heutiger Sicht eine ordnungsgemäße Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes nicht mehr garantieren“, schreiben die Manager.

Monatelang dürfte sich das Drama aber ohnehin nicht mehr hinziehen. Am kommenden Freitag tagt der Tengelmann-Aufsichtsrat, um über den Zerschlagungs-Plan zu reden. Eigentümer Karl-Erivan Haub werde dem Aufsichtsrat demnach vorschlagen, Dutzende unrentable Filialen zu schließen. Demnach sollen in Nordrhein-Westfalen zusätzlich zu 16 bereits geschlossenen Filialen 18 weitere aufgegeben werden, weil sie wirtschaftlich schon jetzt nicht mehr zu retten seien. Die meisten sollen zum Jahresende schließen. Auch für 46 Filialen, die eigentlich Edeka übernehmen wollte, gebe es ohne den Verkauf keine Zukunft. Insgesamt beschäftigt die Kette mehr als 15 000 Menschen.

Von

afp

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