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25.06.2016

19:35 Uhr

Kampagne mit Vergewaltigungswitz

Wiesenhof im Shitstorm

VonTanja Könemann

„Nach dieser Wurst müssen Gina und Lisa erst Mal zur Traumatherapie“ – mit diesen Worten preist Comedian Atze Schröder eine Bratwurst des Geflügel-Produzenten Wiesenhof an. Twitternutzer sind entsetzt.

Wiesenhof ist nach der einer sehr fragwürdigen PR-Kampagne in Erklärungsnot. dapd

PR-Skandal von Wiesenhof

Wiesenhof ist nach der einer sehr fragwürdigen PR-Kampagne in Erklärungsnot.

Düsseldorf Ein Werbespot des Geflügelproduzenten Wiesenhof hat im Netz für Aufregung gesorgt. In dem Video, das bereits am 30. März auf Youtube veröffentlicht wurde, preist Comedian Atze Schröder eine Wiesenhof-Bratwurst mit den Worten „Nach dieser Wurst müssen Gina und Lisa erst Mal zur Traumatherapie“ an. Twitternutzer sehen einen Zusammenhang zu der mittlerweile abgewiesenen Vergewaltigungsklage des Model Gina-Lisa Lohfink und machen ihrer Empörung in zahlreichen Tweets Luft.

#wiesenhof zählte am frühen Samstagnachmittag neben dem EM-Spiel Schweiz gegen Polen (#SUIPOL), dem Grimme-Online-Award (GOA16) und dem SPD-Parteiprogramm (#spdprogramm) zu den Trends des Kurznachrichtendienstes. Einige Twitternutzer fordern dazu auf, den Spot beim Werberat anzuzeigen, ebenso die Facebook-Seite Feminismus im Pott, die zu diesem Zweck eine Anleitung erstellt hat. Wieder andere wenden sich an Wiesenhof-Sponsor Werder Bremen und verlangen von dem Verein, die Zusammenarbeit mit dem Geflügelproduzenten zu beenden.

Gina-Lisa Lohfink hatte im Jahr 2012 zwei Männer der Vergewaltigung bezichtigt, die Klage war aber abgewiesen worden. Die Männer wurden wegen der Verbreitung eines Videos, das sie und Lohfink beim Sex zeigt, belangt und Lohfink erhielt von der Justiz einen Strafbefehl wegen falscher Vorwürfe über 24.000 Euro. Dagegen geht sie aktuell vor.

Dass die ehemalige Germany’s-Next-Top-Model-Kandidatin vor Gericht unterlag, obwohl sie in dem Video „Nein“ gesagt hatte, wurde vielfach als Paradebeispiel für die Schwierigkeiten gewertet, Vergewaltigungen vor Gericht nachzuweisen und die Peiniger hinter Gitter zu bringen. Insbesondere im Netz schlug Lohfink eine Welle der Sympathie entgegen. Vereinzelt wurde ihr aber auch unterstellt, Profit aus den Vorfällen schlagen zu wollen.

Wiesenhof hat sich inzwischen entschuldigt. Vor dem Hintergrund der Berichterstattung über Lohfink hätte der Spot so nicht veröffentlicht werden dürfen, teilte der Marketing-Geschäftsführer von Wiesenhof, Ingo Stryck, auf dpa-Anfrage mit. „Dafür möchten wir uns in aller Form entschuldigen und haben das Video sofort aus dem Netz genommen.“ Das Video sei bereits im vergangenen Jahr gedreht worden, schrieb Stryck. Auch Atze Schröder entschuldigte sich auf seiner Facebook-Seite.

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