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20.03.2014

17:09 Uhr

Kampf um die Zukunft

Woche der Spekulationen für Air Berlin

VonTobias Döring

Air Berlin hat seine Bilanzvorlage verschoben, die Aktie fährt daraufhin Achterbahn. In einer Woche muss nun eine Lösung für die angeschlagene Airline her. Gibt Etihad weiteres Geld – oder wollen die Araber mehr?

Air Berlin: Straucheln aber nicht fallen

Video: Air Berlin: Straucheln aber nicht fallen

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Düsseldorf„Mit Air Berlin ins verlängerte Wochenende“ ist eine Pressemitteilung vom Donnerstag überschrieben. Eigentlich wirbt die Fluggesellschaft damit für Angebote an Brückentagen. Doch die Überschrift ist Programm: Mit der Absage der für diesen Donnerstag geplanten Bilanzvorlage schickte Air Berlin Berichterstatter und Börsianer am Mittwochabend sprichwörtlich in ein langes Wochenende, es wird ein Wochenende der Spekulationen.

Die Unsicherheit ist groß bei Air Berlin. Neuer Termin für die Bilanzvorlage ist der kommende Donnerstag (27. März). Für Air Berlin bleibt also eine Woche der Entscheidung, die Airline kämpft um ihre Zukunft – mit ungewissem Ausgang.

Auch die Anleger wissen nicht, was sie von der Ankündigung zu halten haben. „Wir führen derzeit fortgeschrittene Gespräche über Optionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden“, hatte Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft mitgeteilt. Danach fuhr die Aktie Achterbahn: Die im SDax notierten Papieren stiegen am Mittwochabend zunächst um knapp 15 Prozent auf 2,35 Euro. So hoch hatten die Papiere seit Mitte Januar nicht mehr notiert.

Am Donnerstag ging es dann zunächst weiter hoch auf 2,43 Euro – und dann aber in die entgegengesetzte Richtung. Bis zum Nachmittag verloren Air Berlin gut sechs Prozent und standen bei 2,20 Euro.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Analysten gehen davon aus, dass Air Berlin im vergangenen Jahr einen hohen Verlust eingeflogen hat. Der operative Jahresverlust (Ebit) dürfte den Prognosen zufolge zwischen 114 Millionen Euro und 132 Millionen Euro liegen nach 70 Millionen Euro Gewinn im Jahr zuvor. Damals hatte die Airline von hohen Extraerlösen aus dem Verkauf ihres Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad profitiert.

Doch die Verschiebung der Bilanzvorlage hat weitergehende Gründe, als bloß einen erneuten Jahresverlust, der der fünfte in den vergangenen sechs Jahre wäre. Die Airline benötigt Geld, um zumindest die angepeilte Verlustmarke nicht zu übertreffen. Bei der Vorlage der letzten Quartalszahlen im November hatte Air Berlin erklärt, dass „angesichts der weiterhin herausfordernden Marktbedingungen (...) die aktuell durchschnittlichen Markterwartungen für das Jahresergebnis 2013 nur durch Einmaleffekte und sonstige betriebliche Erträge annähernd erreichen können.“

Was das ist, darüber kann bis kommenden Donnerstag nur spekuliert werden. Bislang wurde Air Berlin von Etihad finanziell über Wasser gehalten. Die schnell wachsende Fluglinie aus Abu Dhabi hält knapp 30 Prozent an den Berlinern.

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