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28.04.2014

14:01 Uhr

Kapitalspritze von Etihad

Air Berlin bleibt auf Schlingerkurs

VonTobias Döring

Übernahme durch Etihad, Fusion mit Alitalia – alles vom Tisch. Air Berlin erhält lediglich frisches Geld vom arabischen Partner. Jetzt soll ein neues Geschäftsmodell die Wende bringen. Doch die Pläne bleiben vage.

Kapitalspritze für deutsche Airline

Etihad stützt Air Berlin mit 300 Millionen Euro

Kapitalspritze für deutsche Airline: Etihad stützt Air Berlin mit 300 Millionen Euro

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Düsseldorf/BerlinDas lange Warten hat ein Ende. Doch wohin geht die Reise? Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer hat am Montag die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr erläutert, deren Vorlage die Fluggesellschaft zuvor zweimal verschoben hatte. Zugleich stellte Air Berlin neue Finanzierungsmaßnahmen vor, die das Überleben sichern und einen Neustart ermöglichen sollen. Dennoch blieben viele Fragen offen.

Denn Deutschlands zweitgrößte Airline will sich vollkommen neu aufstellen – und ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Beim Umbau werde „es keine Tabus geben, alles kommt auf den Prüfstand“, sagte Prock-Schauer auf einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz. Die Aktionäre bleiben skeptisch, die im SDax notierten Papiere von Air Berlin verloren mehr als fünf Prozent.

„Ich will gar nicht drum herum reden: Das ist eine Bilanzsituation, die umso mehr zum Handeln zwingt“, sagte Prock-Schauer. Die Fluggesellschaft ist im vergangenen Jahr wieder tief in die roten Zahlen gerutscht: Unterm Strich stand ein Verlust von rund 316 Millionen Euro. Dadurch vergrößerte sich zum Stichtag 31. Dezember 2013 der Schuldenberg. Die Nettoverschuldung lag bei knapp 800 Millionen Euro, das Eigenkapital bei minus 186 Millionen Euro nach plus 130 Millionen Euro im Vorjahr.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Helfen soll der Airline zumindest kurzfristig eine weitere Finanzspritze des Großaktionärs vom Golf: Die arabische Fluggesellschaft Etihad schießt über eine Wandelanleihe 300 Millionen Euro zu. Weitere 150 Millionen Euro sollen über eine eigene Anleihe in die Kassen kommen. Für eine 2015 fällige Anleihe gibt es ein Umtauschangebot über weitere 100 Millionen Euro. Die Verantwortlichen werteten die gefundene Lösung nach dem wochenlangen Hin und Her als großen Wurf: „Eine Rekapitalisierung von bis zu 550 Millionen Euro würde ich nicht als 'kleine Maus' bezeichnen“, sagte Airline-Chef Prock-Schauer.

Zur Aufstockung des 30-Prozent-Anteils von Etihad bei Air Berlin, wie in den vergangenen Wochen im Gespräch, wird es dagegen vorerst nicht kommen. Die ist aber noch durch die Hintertür möglich: Die Wandelanleihe mit endloser Laufzeit könnte Etihad später in Aktien der deutsche Fluggesellschaft umtauschen, falls diese das Geld nicht zurückzahlen kann.

In diesem Fall könnten die Araber zusammen mit anderen ausländischen Eigentümern schnell die magische Marke von 49,9 Prozent der Anteile überschreiten. Air Berlin würde dann außereuropäische Flugrechte verlieren. Air Berlin habe aber vor, in bar zu zahlen, sagte Finanzchef Ulf Hüttmeyer in der Telefonkonferenz. Man sei zuversichtlich, dass die gefundene Lösung vor dem Luftfahrt-Bundesamt durchgehen werde.

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