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03.01.2014

16:47 Uhr

Karnevals-Abteilung in Köln

Neue Karstadt-Chefin setzt auf Lokalkolorit

Eva-Lotta Sjöstedt will Karstadt aus der Krise führen. Deshalb hat die künftige Konzern-Chefin Filialen besucht und sogar selbst mitgearbeitet. Eine Erkenntnis: Der Karnevals-Shop in Köln hat Vorbildfunktion.

Die künftige Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt: Ihren Ehemann und ihre 16-jährige Tochter hat sie vorerst in Kopenhagen zurückgelassen. dpa

Die künftige Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt: Ihren Ehemann und ihre 16-jährige Tochter hat sie vorerst in Kopenhagen zurückgelassen.

KölnDie designierte Chefin der Karstadt-Warenhäuser will beim Umbau des angeschlagenen Konzerns aufs Tempo drücken. „Karstadt ist derzeit nicht profitabel“, sagte Eva-Lotta Sjöstedt am Freitag. „Und das muss sich schnell ändern“, betonte sie. Vor allem die Online-Aktivitäten des Kaufhof-Konkurrenten will die Schwedin ausbauen. Zugleich will sie das Geschäft stärker auf die lokale Nachfrage der Kunden ausrichten - sie hebt etwa die Karnevals-Abteilung in Köln lobend hervor. Offiziell erst ab Ende Februar im Amt, reist die ehemalige Ikea-Managerin derzeit durch die ganze Republik, um sich vor Ort ein Bild von den Karstadt-Warenhäusern und ihrem Geschäft zu machen.

„Ich werde deutschlandweit Filialen besuchen“, kündigte Sjöstedt an, während sie nichtsahnende Kunden in der Beauty-Abteilung der Kölner Karstadt-Filiale in der Breiten Strasse an der Kasse bediente. Der Kontakt zu den Kunden und zu den Mitarbeitern, die bei Karstadt schon Einiges einstecken mussten, sei ihr sehr wichtig. „Bei den Mitarbeitern setze ich auf Motivation. Wir alle wollen den Erfolg.“ Sie betonte zugleich: „Wir müssen schneller werden, wir müssen uns stärker an den Bedürfnissen der Kunden ausrichten.“ Filialen in Essen, Düsseldorf, Fulda und Münster habe sie bereits besucht – und dort auch mitgearbeitet. Dies ist auch ein Signal an die Mitarbeiter: „Ich trete für flache Hierarchien ein.“

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Ihren Ehemann und ihre 16-jährige Tochter hat sie vorerst in Kopenhagen zurückgelassen. Sie selbst ziehe nach Essen – dort befindet sich die Karstadt-Zentrale: „Ich möchte lange bei Karstadt bleiben.“ Wenn sie sich eingelebt habe, dann sollten die beiden nachkommen nach Deutschland. Zum Glück, so erzählte sie, brauche der Flieger nur eine Stunde. Ihre beiden Söhne studierten und leben nicht mehr zuhause.

Sjöstedt wurde mit Wirkung zum 24. Februar zur neuen Chefin der Karstadt Warenhaus GmbH berufen, in der das Kerngeschäft gebündelt ist. Die Mehrheit an den Luxushäusern, wie dem Berliner KaDeWe, und den Sportgeschäften hat Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen bereits an den österreichischen Investor Rene Benko veräußert - und damit Spekulationen um die Zukunft Karstadts und eine mögliche Fusion mit der Metro-Tochter Kaufhof angeheizt. Mit Berggruen habe sie bereits gesprochen, versicherte Sjöstedt. Ihre Aufgabe sei aber das operative Geschäft: „Alles andere ist Sache der Eigner.“

Kommentare (1)

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Steinweg

03.01.2014, 19:25 Uhr

Das muessen ja Geistes-Giganten sein, die einen Spitzen-Job bekommen und erst noch die Sprache der Kunden und der Belegschaft lernen muessen. Jedenfalls die Verknuepfung von online und Laeden waere von jedermann wohlfeil zu haben gewesen. Wenn dann bei Karstadt alle Leute gedutzt werden, ist der turn-arround geschafft.

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