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20.08.2014

11:30 Uhr

Karstadt

Aus für Interimschef ein „gutes Zeichen“

Das Ende der Amtszeit des bisherigen Karstadt-Übergangschefs, Kai-Uwe Weitz, sei Gewerkschaftsvertretern zufolge „ein gutes Zeichen“, da der neue Eigentümer, Signa, nun mit einer Runderneuerung beginnen könne.

Karstadt-Fahnen wehen im Wind. Der Konzern bewegt sich – das finden Gewerkschaftsvertreter gut. dpa

Karstadt-Fahnen wehen im Wind. Der Konzern bewegt sich – das finden Gewerkschaftsvertreter gut.

BerlinDas Ausscheiden des bisherigen Übergangschefs bei der Warenhauskette Karstadt, Kai-Uwe Weitz, ist nach Auffassung eines Gewerkschaftsvertreters im Aufsichtsrat ein positives Signal. Es sei „erstmal ein gutes Zeichen, dass trotz der Verschiebung der Aufsichtsratssitzung der Umbau durch Signa begonnen wird“, sagte Arno Peukes, der für die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in dem Aufsichtsgremium sitzt, dem „Tagesspiegel“ (Mittwochsausgabe). Nachdem die österreichische Signa-Gruppe am Freitag mitgeteilt hatte, dass sie Karstadt komplett vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen übernehmen wolle, war am Dienstag bekannt geworden, dass Weitz das Unternehmen verlassen wird.

Weitz hatte im Juli vorübergehend die Führung bei Karstadt inne gehabt, nachdem die bisherige Chefin Eva-Lotta Sjöstedt den Konzern verlassen hatte. Wie sie bei ihrem überraschenden Abgang andeutete, fühlte sich Sjöstedt von Berggruen nicht ausreichend unterstützt. „Sie hatte den Warenhäusern im demografischen Wandel eine große Bedeutung beigemessen und den regionalen Bezug der Standorte stärken wollen“, sagte Peukes der Zeitung. „Das hatte sich gut angehört“, fügte der Gewerkschafter an.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Wie Signa Karstadt wieder voranbringen will, bleibt zunächst unklar. Eine für Donnerstag anberaumte Aufsichtsratssitzung wurde kurzfristig abgesagt. Sie soll erst dann stattfinden, wenn die Kartellbehörde der Übernahme zugestimmt hat.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Von

afp

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

20.08.2014, 18:39 Uhr

Über jeden Karstadt wurde bisher berichtet: Hervorragende Experten. Das Ergebnis dieser Experten sieht man bis heute! Unter Experten verstehe ich als Laie etwas anderes!

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