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16.07.2014

16:30 Uhr

Karstadt

Betriebsrat: „Es gibt keine Schließungsliste“

Im Zuge der Sanierung fürchten viele Karstadt-Mitarbeiter um ihren Job. Betriebsratschef Patzeld beruhigt die Angestellten, es gebe keine Schließungsliste. Ein Verdi-Vertreter fordert ein klares Konzept von Berggruen.

Ist es schon fünf nach zwölf? Nach den anhaltenden Spekulationen um die Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt fordern Betriebsrat und Gewerkschaft Klarheit für die rund 17.000 Mitarbeiter. dpa

Ist es schon fünf nach zwölf? Nach den anhaltenden Spekulationen um die Zukunft der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt fordern Betriebsrat und Gewerkschaft Klarheit für die rund 17.000 Mitarbeiter.

BerlinArbeitnehmervertreter von Karstadt haben Spekulationen über drohende Filialschließungen zurückgewiesen. „Es gibt keine Schließungsliste“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hellmut Patzeld dem Berliner „Tagesspiegel“ vom Mittwoch. Diese Aussage habe er von der Unternehmensleitung erhalten. Auch Arno Peukes, Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Karstadt-Aufsichtsrat, sagte am Mittwoch im ARD-„Morgenmagazin“, bislang gebe es „offiziell keine Schließungen“. Es sei „das falsche Signal, das ausgestrahlt wird“, kritisierte er Äußerungen des Aufsichtsratschefs Stephan Fanderl.

Betriebsrat und die Beschäftigten forderten klare Aussagen des Eigentümers und Investors Nicolas Berggruen. „Die Beschäftigten brauchen jetzt endlich Ruhe, und sie brauchen klare Aussagen und verlässliche Pläne“, sagte Peukes. Karstadt sei nach wie vor ein attraktives Warenhaus. „Unser Ziel muss ja auch sein, genau diese attraktive Marke wieder zu einem attraktiven Bestandteil der Innenstädte zu machen.“

Vom Karstadt-Aufsichtsratsvorsitzenden Fanderl erwarte er zudem eine Aussage, warum er sich „gemüßigt sah, mit seiner Aussage in die Öffentlichkeit zu gehen“. Fanderl hatte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt, die Mitarbeiter müssten sich auf die Schließung von mehr als 20 Filialen und harte Einsparungen einstellen. Es werde schmerzhafte Einschnitte geben müssen, um dem gesunden Kern eine Zukunft zu geben. Es gebe zwar noch keine konkreten Schließungsbeschlüsse. „Aber das Unternehmen macht sich seit einiger Zeit berechtigte Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern“, sagte Fanderl.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Karstadt verfügt derzeit noch über 83 Warenhäuser. Die 28 Sporthäuser sowie die drei Premiumhäuser Kadewe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München wurden im vergangenen Jahr an eine Investorengruppe um den österreichischen Immobilienentwickler René Benko verkauft.

Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums in Berlin sagte, für die Regierung sei bislang nicht der Zeitpunkt gekommen, um aktiv zu werden. Weder Arbeitnehmer noch Arbeitgeber von Karstadt hätten bislang Kontakt zum Ministerium aufgenommen.

Grund für die neue Ungewissheit über die Zukunft von Karstadt ist der Rücktritt der Geschäftsführerin Eva-Lotta Sjöstedt vor zwei Wochen. Sie hatte wegen fehlender Unterstützung durch Berggruen ihr Amt niedergelegt.

Von

afp

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