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19.05.2015

07:39 Uhr

Karstadt-Chef Stephan Fanderl

Karstadt offen für Fusion mit Kaufhof

Sind Karstadt und Kaufhof künftig eins? Karstadt-Chef Fanderl schließt dies laut Medienberichten nicht mehr aus. Nach einem Geschäftsjahr ohne Gewinn will der Einzelhandelskonzern wieder schwarze Zahlen schreiben.

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BerlinDer angeschlagene Einzelhandelskonzern Karstadt ist offen für Überlegungen über einen Zusammenschluss der Konkurrenten Karstadt und Kaufhof. „Eine Konsolidierung des Warenhausgeschäfts birgt natürlich viele Chancen für Kunden und Mitarbeiter“, sagte Kartstadt-Chef Stephan Fanderl der Zeitung „Die Welt“ (Dienstagsausgabe) laut Vorabbericht. „Auch könnte ein gemeinsames Unternehmen mehr investieren.“ Dem kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay, der Interesse an einer Kaufhof-Übernahme bekundet hat, räumte Fanderl dagegen keine großen Chancen ein: „Man begreift im Ausland nicht, wie schwierig der deutsche Markt wirklich ist.“

Fanderl rechnet zudem mit einer baldigen Ertragswende und will im kommenden Jahr wieder Gewinne machen. Für das Ende September auslaufende Geschäftsjahr 2014/2015 sei ein Null-Ergebnis in Sicht. „Wir müssen dann im kommenden Geschäftsjahr in der Lage sein, wieder Geld zu verdienen“.

Sechs Gründe für den Niedergang der Warenhäuser

Hintergrund

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist neben Kaufhof die letzte große ihrer Art in Deutschland. Der Niedergang der traditionellen Warenhäuser hat diverse Gründe. Ein Überblick.

Sortiment

Vor allem ab Mitte der 1960er Jahre gab es nach Erkenntnissen des Handelsverbands zunehmend Probleme für Warenhäuser. Ein Grund war der Zuwachs an neuen Fachgeschäften, die sich auf Waren spezialisiert hatten und den Kunden mehr Vielfalt bieten konnten.

Preis

Größere Fachhändler haben nicht nur Vorteile durch mehr Facetten eines Produkts, sie können es in der Regel auch günstiger anbieten. Gerade Textil-Discounter machten dem Warenhaus, das stark durch sein Modesortiment geprägt ist, zuletzt das Leben schwer.

Onlinegeschäft

Hinzu kommt der Internethandel, der auch anderen Einzelhändlern zunehmend das Wasser abgräbt. Während die meisten Online-Anbieter im vergangenen Weihnachtsgeschäft zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, schrumpften die Verkäufe von Karstadt über das Internet.

Infrastruktur

Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sieht auch einen Grund in mangelhafter IT-Infrastruktur. Dadurch sei die Steuerung der Warenbestände erschwert worden. Warenhäuser wüssten dadurch nicht: Was verkauft sich gut, was nicht?

Investitionsstau

Branchenkenner sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Soviel Geld wäre nach seiner Auffassung nötig, um Karstadt zukunftsfähig auszurichten.

Servicekultur

Alltägliche Ware zu alltäglichem Service – so beschreibt Branchenkenner Funder das Warenhaus. Innovationen, die den Einkauf für Kunden zum Erlebnis machten, gebe es dort nicht mehr.

Der Einzelhandelskonzern, der 2014 vom österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko übernommen wurde, hat vergangene Woche die Schließung von fünf weiteren Filialen bekanntgegeben. Bis spätestens Juni 2016 sollen die Warenhäuser in Recklinghausen, Bottrop, Dessau, Neumünster und Mönchengladbach-Rheydt dichtgemacht werden. Dabei soll es Fanderl zufolge auf absehbare Zeit bleiben. „Ich habe keine zweite Schließungsrunde geplant“, sagte der Karstadt-Chef der Zeitung.

Von

rtr

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