Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.07.2014

15:25 Uhr

Karstadt-Chefin geht

Berggruens Albtraum

VonLisa Hegemann, Dana Heide

Der Abgang von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt ist ein Eklat für Investor Berggruen. Ihre Äußerungen lassen Spekulationen zu, ob es noch schlimmer um Karstadt steht. Die Nachfolgersuche dürfte sehr schwierig werden.

Nicolas Berggruen: Nach dem überraschenden Rücktritt der Karstadt-Chefin steht der Investor vor der schwierigen Aufgabe, die Stelle neu zu besetzen. dpa

Nicolas Berggruen: Nach dem überraschenden Rücktritt der Karstadt-Chefin steht der Investor vor der schwierigen Aufgabe, die Stelle neu zu besetzen.

DüsseldorfWer ein Unternehmen verlässt, macht das meist leise. In den Presseerklärungen spricht die Firma oder der Ex-Chef dann oft sehr verklausuliert von einer „einvernehmlichen Entscheidung“, manchmal von „persönlichen Gründen“, etwas deutlicher sind schon die „unüberbrückbaren Differenzen“. Genau so hätte es auch Eva-Lotta Sjöstedt machen können: eine nichtssagende Erklärung, ein kurzes Statement, ein leiser Abschied.

Doch die Karstadt-Chefin hat sich dagegen entschieden, kleinlaut und unauffällig aus dem Unternehmen auszuscheiden. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Karstadt und der Managerin verkündete Sjöstedt nicht nur völlig überraschend ihren Abschied – sondern holte auch zu einem heftigen Schlag gegen Investor Nicolas Berggruen aus. Ein Schlag, der die Kritik nähren könnte, er investiere zu wenig in den angeschlagenen Konzern.

Gerade einmal fünf Monate sind vergangen, seit die Schwedin die kriselnde deutsche Warenhauskette übernommen hat. Mit Sjöstedts Arbeitsbeginn sollte bei Karstadt der Umbruch beginnen. Die frühere Ikea-Managerin besuchte noch vor ihrem Amtsantritt 47 Warenhäuser, sprach mit den Mitarbeitern, bediente selbst Kunden.

Lange hatte Karstadt – allen voran Investor Berggruen – nach einem neuen Geschäftsführer gesucht. Keiner wollte den Job, er galt als Schleudersitz. Zuvor hatte Karstadt bereits sechs Chefs innerhalb von nur knapp zehn Jahren verschlissen.

Auch Sjöstedt war sich der schwierigen Aufgabe bewusst. „Ich suche selten den einfachen Weg“, hatte sie in ihrem ersten Interview zum Amtsantritt dem Handelsblatt gesagt.

„Wir freuen uns auf Frau Sjöstedt und werden alles tun, um sie zu unterstützen“, hatte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt vor ihrem Amtsantritt begrüßt. Doch es gab von Anfang an auch Kritiker, so wurde Sjöstedt etwa vorgeworfen, zu wenig Deutsch zu können und zu wenig Erfahrung im deutschen Einzelhandel zu haben. „International und weiblich, das sind Sjöstedts Trümpfe“, ätzte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Sjöstedt dagegen schien frohen Mutes: „Ich würde nicht hier anfangen, wenn ich nicht daran glauben würde, dass wir alle zusammen es schaffen können. Es gibt so viele Chancen an den verschiedenen Standorten“, sagte sie bei ihrem Amtsantritt dem Handelsblatt.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sergio Puntila

07.07.2014, 15:59 Uhr

Ironischerweise ist Berggruen garnicht das Problem, der ist schließlich auch nur ein Hansel seiner Begierden.

Dass alle da sauber mitspielen, das sollte mehr zu denken geben.

Herr Hans Karpf

07.07.2014, 16:20 Uhr

Riecht ja nach Insolvenz. So kann Karstadt auch wieder ein paar Filialen abstoßen. Diesmal wird Karstadt nicht mehr auferstehen. Ein Teil der Filialen wird dicht gemacht, ein Teil übernimmt Kaufhof und ein anderer Teil wird kleinteiliger vermietet. Gibt auch zuviel Verkaufsfläche.

Sergio Puntila

07.07.2014, 16:28 Uhr

Eben: mein Reden.
Was zeichnet Gier aus?
Ihre Grenzenlosigkeit.
Wir alle stecken nicht mehr am Rand eines Weltkrieges: wir stecken längst mittendrin: wirtschaftlich wie bodycounttechnisch.
Gegen unsere Generation, ich schrieb es bereits, werden die kleinen Nazis dastehen wie die Wimpelträger - oder wie das Fähnlein Fieselschweif.

Und wenn es denn dann so knallen sollte wie ausgedacht wie projeziert: bitte nicht aufregen über den infernalischen Lärm, der über uns Menschen hereinbrechen wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×