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02.08.2012

10:52 Uhr

Karstadt

Die gebrochenen Versprechen

Der als Retter der angeschlagenen Kaufhauskette Karstadt gefeierte Investor Berggruen ist mittlerweile entzaubert. Bis 2014 müssen 2000 Mitarbeiter gehen. Schuld daran soll eine fatale Liaison mit der Gewerkschaft sein.

Lange Nicolas Berggruen als Karstadt-Retter gefeiert. Jetzt gerät der Investor in die Kritik. dapd

Lange Nicolas Berggruen als Karstadt-Retter gefeiert. Jetzt gerät der Investor in die Kritik.

Mailand/Düsseldorf„Herzlich Willkommen“ stand auf einem Transparent in der Karstadt-Filiale am Kurfürstendamm. Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane war gekommen, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auch. Es sei „ein Tag der Freude“, rief sie den Karstadt-Mitarbeitern zu. Der neue Eigentümer Nicolas Berggruen versprach der Belegschaft: „Karstadt wird jetzt ein sehr aufregendes Leben haben.“

Das war am 2. September 2010. Heute ist an die Stelle der Euphorie Ernüchterung getreten. Der als Retter gefeierte Berggruen hat zentrale Versprechen nicht gehalten. Entgegen seiner Zusage werden 2000 Karstadt-Beschäftigte bis 2014 ihren Job verlieren.

Johann Rösch: „Die Finanzmittel reichen nicht aus“

Johann Rösch

„Die Finanzmittel reichen nicht aus“

Knapp zwei Jahre nach dem Verkauf von Karstadt wehrt sich der Verdi-Handelsexperte gegen den Vorwurf, dem Finanzinvestor Berggruen die Warenhauskette leichtfertig ausgeliefert zu haben.

Außerdem hatte Berggruen dem Karstadt-Insolvenzverwalter versichert, eine „Einlage von 65 Millionen Euro in die Gesellschaft“ zu erbringen. Das geht aus vertraulichen Unterlagen hervor, die dem Handelsblatt vorliegen. Doch nur wenige Tage nach der Übernahme von Karstadt ließ er sich das Darlehen zurückzahlen.

Der damalige Konkurrenz-Bieter, der italienische Warenhausbetreiber Maurizio Borletti, glaubt, dass der Wortbruch ebenso absehbar wie vermeidbar war. Schwere Vorwürfe erhebt er weniger gegen Berggruen als gegen dessen damaligen Partner: die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Sie hatte mit allen Mitteln versucht, Borlettis Einstieg zu verhindern. „Wir forderten damals mehr Flexibilität und längere Arbeitszeiten, im Gegenzug aber wollten wir auf Stellenstreichungen verzichten“, sagte der Italiener dem Handelsblatt.

Die größten Einzelhändler der Welt

Platz 10

Best Buy (USA)

Das US-Amerikaner aus Richfield, Minnesota sind einer der führenden Anbieter für Unterhaltungselektronik. Der Umsatz im Jahr 2010 betrug 50,27 Milliarden Dollar.

Platz 9

Walgreens (USA)

Mit rund 7.000 Filialen in den USA und Puerto Rico, von denen ein Drittel 24 Stunden am Tag geöffnet sind, schafft es Walgreens unter die zehn größten Einzelhändler. Am Hauptsitz in Deerfield, Illinois, konnte man sich 2010 über einen Umsatz von 67,42 Milliarden Dollar freuen.

Platz 8

Home Depot (USA)

Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als größte Baumarktkette der Welt. Was den Umsatz angeht, haben sie recht. Mit rund 68 Milliarden Dollar kann keine andere Baumarktkette mitthalten.

Platz 7

Costco Wholesale (USA)

Die 500 Cash&Carry-Märkte der US-Großhandelskette sind in den USA weit verbreitet. Der Hauptsitz liegt in der Kleinstadt Issaquah bei Seattle im Bundesstaat Washington. Mit 77,95 Milliarden Dollar fiel der Umsatz auch 2010 gigantisch aus.

Platz 6

Kroger

Was als kleiner Lebensmittelladen in Cincinnati begann, ist mittlerweile einer der größten Supermarktketten der Welt. Im Jahr 2010 setzte der Lebensmittelhändler 82,19 Milliarden Dollar um.

Platz 5

Metro (Deutschland)

Der deutsche Handelsriese aus Düsseldorf ist der drittgrößte Einzelhändler Europas. International erreicht der Dax-Konzern mit einem Umsatz von 89,08 Dollar im Jahr 2010 ebenfalls einen Spitzenplatz.

Platz 4

Tesco (Großbritannien)

Die blau-weiße Handelskette aus Cheshunt gehört schon seit Jahren zu den größten Supermarktkonzernen. Weltweit betreiben die Briten 5390 Supermärkte Großbritannien 94,185 4,104 384.389 Einzelhandel Philip Clarke

Platz 3

CVS Caremark (USA)

In der Kleinstadt Woonsocket im US-Bundesstaat Rhode Island ist die drittgrößte Handelskette der Welt beheimatet. Die Drogerie- und Pharmahändler setzten im Jahr 2010 rund 96,4 Milliarden Dollar um.

Platz 2

Carrefour (Frankreich)

Kein europäischer Einzelhändler ist größer als Carrefour. Mit 471.755 Mitarbeitern weltweit machten die Franzosen im Jahr 2010 einen Umsatz von 120,3 Milliarden Dollar. Nur ein Einzelhändler setzte mehr um.

Platz 1

Walmart (USA)

Unangefochten an der Spitze bleibt der Handelsgigant aus Bentonville, Arkansas. Gigantische 421,85 Milliarden Dollar setzte der Konzern 2010 um - bei einem Gewinn von 16 Milliarden Dollar. Weltweit beschäftigt der Konzern 2,1 Millionen Angestellte.

Verdi jedoch habe den gesprächsbereiten Karstadt-Betriebsrat ausgebremst. „Die Gewerkschaft opferte Karstadt ihrem ideologischen Kampf.“ Längere Arbeitszeiten galten als Tabu, Flexibilität als Teufelswerk, das einmal Erreichte dürfe nicht preisgegeben werden, so die Parole der Gewerkschaftszentrale in Berlin. Verdi gilt innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbundes als Hochburg der Linken.

Das Ergebnis ist negativ. Wenn jetzt 2000 Stellen gestrichen würden, dann sei das auch die Schuld der Gewerkschaft, sagt der damals zu kurz gekommene Italiener. „Verdi hat Blut an den Händen“, behauptet er. Im Umfeld des Insolvenzverwalters Görg, der Berggruen im September 2010 den Zuschlag für Karstadt erteilt hatte, wird Borlettis Version bestätigt. So habe insbesondere der Finanzinvestor Triton - ein dritter Anbieter, der ebenfalls abgebügelt wurde - ein attraktives Angebot für den Konzern vorgelegt.

Kommentare (15)

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Beau_Finger

02.08.2012, 11:42 Uhr

Sein Vater war durchaus sympathisch. Bei ihm hier handelt es sich um einen Volltrottel, der von Ökonomie keinerlei Ahnung hat! Er ist ein Gutmensch, der alles gegen die Wand fahren wird!

oeflingen

02.08.2012, 11:50 Uhr

Es sieht so aus, als ob die VERDI-Ideologen und Hardliner eine Mitschuld an den Pleiten von Schlecker, Neckermann und nun auch Karstadt trifft.

Account gelöscht!

02.08.2012, 12:21 Uhr

Er ist eben kein Gutmensch wie sein Vater sondern ein knallhart kalkulierender Typ der an der Firma vermutlich nie Interesse hatte sondern an Assets wie Z.B. die Immobilien. Er hat ein "Produkt" gekauft mit dem Ziel dieses teurer wieder zu verkaufen - thats it.

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