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Karstadt-Eigner

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Ein Großaktionär zum Riechen

Wer durch die Zentrale des Immobilienkonzerns Signa im Palais Harrach in der Wiener Innenstadt geht, der kann den Großaktionär manchmal riechen. Ein leichter Hauch von Zigarre, der in den Fluren liegt, verrät: Benko war hier, und wahrscheinlich hatte er wieder eine lange anstrengende Nacht. Anstrengende, durchgearbeitete Nächte dürfte es im Leben von René Benko in den vergangenen Jahren viele gegeben haben. Mit 17 Jahren brach der Sohn eines Gemeindebeamten und einer Erzieherin die Schule ab. 1999, mit Anfang 20, gründete er seine erste Firma. Er kaufte, so will es jedenfalls die Legende, zwei Dachböden, die er zu Luxusapartments umbaute.

Die Säulen seiner Unternehmensgruppe bilden heute zwei Gesellschaften: Die Signa Holding hält Anteile an Firmen, die im Immobiliengeschäft sind. Hier ist auch Karstadt angesiedelt. Rund 85 Prozent gehören der Familie Benko Privatstiftung. Die restlichen Anteile halten Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident des Schokoladenherstellers Lindt&Sprüngli, und Torsten Toeller, Gründer der Tierbedarfskette Fressnapf.

Zweite Kerngesellschaft im Benko-Reich ist die Signa Prime AG, die viele bekannte Immobilien besitzt und nach eigenen Angaben auf ein Bruttovermögen von 8,5 Milliarden Euro kommt. Größter Aktionär war Anfang Oktober mittelbar die Signa Holding. Die restlichen Anteile verteilen sich auf namhafte Persönlichkeiten wie den Ex-Rennfahrer Niki Lauda oder Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner und institutionelle Investoren wiedie deutsche RAG Stiftung.

Weggefährten von Benko beeindruckt vor allem, dass er sich was traut - zum Beispiel die taumelnde Warenhauskette Karstadt von Niklas Berggruen zu übernehmen. Benko machte den erfahrenen Handelsmanager Stephan Fanderl zum Vorstandschef. Ein Glücksgriff bis dato.

Fanderl richtete Karstadt neu aus, strich rund 3000 Stellen und sperrte drei Filialen zu. Parallel etablierte der ehemalige Metro- und Rewe-Kader ein Warensystem, mit dem besonders ertragreiche Produkte identifiziert und die Auswahl besser auf die Bedürfnisse vor Ort angepasst werden kann. Als Benko 2014 übernahm, machte Karstadt vor Zinsen Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 86 Millionen Euro Verlust. Im laufenden Geschäftsjahr soll das Ebitda nach Informationen der WirtschaftsWoche mit 87 Millionen Euro positiv sein. Während 2014 noch 30 der damals 82 Häuser Geld verbrannten, ist es heute noch ein Haus, zeigen interne Daten. Erstmals seit Jahren schreibt Karstadt wieder schwarze Zahlen. „Wir haben alle Versprechen gehalten“, heißt es aus der Führungsriege.

Kommentare (1)

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Herr Ferdinand Loeffler

14.11.2017, 17:45 Uhr

Die Dame und die Herren Redakteure müssen doch wissen, dass ein nicht wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen, nicht dadurch witschaftlich wird, dass man es einfach so unwirtschaftlich weiter wirtschaften lässt. Deshalb ist das Dauergejammer um Arbeitsplätze vollkommen fehl am Platz. Die überzähligen Mitarbeiter sind heute schon verkappte Arbeitslose und je länger sie es sind, desto schmerzhafter wird der Einschnitt, wenn das Ende kommt. Karstadt ist auf dem Weg und Kaufhof mag sich dem anschließen. Ansonsten droht zunächst ein Schrecken ohne Ende, der aber doch schrecklich enden würde. Wer hat hier Fragen und welches Interesse diese zu stellen?

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