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22.02.2015

12:22 Uhr

Karstadt

Ein leichtes Aufatmen

In den Verhandlungen von Karstadt mit seinen Mitarbeitern gibt es eine Einigung. Sie kommt fast zeitgleich mit einem Bericht der Wirtschaftswoche, in dem sie das Geschäftsgebaren von Karstadt-Eigner Benko kritisiert.

Karstadt ist bei seinen Sanierungsbemühungen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. dpa

Karstadt-Filiale

Karstadt ist bei seinen Sanierungsbemühungen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen.

EssenGute Nachrichten für die Karstadt-Beschäftigten: Der Betriebsrat hat nach eigenen Angaben in Verhandlungen mit der angeschlagenen Warenhauskette die Zahl der geplanten Kündigungen deutlich verringern können. Vereinbart wurden etwa Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen. Deshalb habe sich die Zahl der zu erwartenden Entlassungen von ursprünglich 2750 auf 1400 quasi halbiert, berichtete der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Hellmut Patzelt am Samstag.

Das Unternehmen selbst wollte sich nicht zu konkreten Zahlen äußern, bestätigte aber die Einigung und sprach von einem „Durchbruch“ beim Sanierungsprogramm.

Arbeitnehmer und Konzernführung hatten in den vergangenen Monaten im Zuge der Sanierungsbemühungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan verhandelt. Karstadt betonte, mit dem nach harten Verhandlungen erzielten Kompromiss sei das Unternehmen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen und liege bei den Sanierungsbemühungen hundertprozentig im Zeitplan. Der Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Patzelt betonte, er sei mit dem Ergebnis unter den gegebenen Umständen „sehr zufrieden“.

Sechs Gründe für den Niedergang der Warenhäuser

Hintergrund

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist neben Kaufhof die letzte große ihrer Art in Deutschland. Der Niedergang der traditionellen Warenhäuser hat diverse Gründe. Ein Überblick.

Sortiment

Vor allem ab Mitte der 1960er Jahre gab es nach Erkenntnissen des Handelsverbands zunehmend Probleme für Warenhäuser. Ein Grund war der Zuwachs an neuen Fachgeschäften, die sich auf Waren spezialisiert hatten und den Kunden mehr Vielfalt bieten konnten.

Preis

Größere Fachhändler haben nicht nur Vorteile durch mehr Facetten eines Produkts, sie können es in der Regel auch günstiger anbieten. Gerade Textil-Discounter machten dem Warenhaus, das stark durch sein Modesortiment geprägt ist, zuletzt das Leben schwer.

Onlinegeschäft

Hinzu kommt der Internethandel, der auch anderen Einzelhändlern zunehmend das Wasser abgräbt. Während die meisten Online-Anbieter im vergangenen Weihnachtsgeschäft zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, schrumpften die Verkäufe von Karstadt über das Internet.

Infrastruktur

Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sieht auch einen Grund in mangelhafter IT-Infrastruktur. Dadurch sei die Steuerung der Warenbestände erschwert worden. Warenhäuser wüssten dadurch nicht: Was verkauft sich gut, was nicht?

Investitionsstau

Branchenkenner sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Soviel Geld wäre nach seiner Auffassung nötig, um Karstadt zukunftsfähig auszurichten.

Servicekultur

Alltägliche Ware zu alltäglichem Service – so beschreibt Branchenkenner Funder das Warenhaus. Innovationen, die den Einkauf für Kunden zum Erlebnis machten, gebe es dort nicht mehr.

Konzernführung und Arbeitnehmer verständigten sich darauf, für die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiter eine Transfergesellschaft einzurichten, um sie weiterzuqualifizieren. Auch bei den heftig kritisierten Plänen, spezialisierte Serviceteams für die Warenversorgung zu bilden, sei eine Einigung erzielt worden, berichtete das Unternehmen.

Fast zeitgleich mit der positiven Nachricht hatte die Wirtschaftswoche das Geschäftsgebaren des Eigners der Warenhauskette, des österreichischen Immobilienentwicklers René Benko, in ihrer Titelgeschichte kritisiert. Das Magazin kommt zwar erst am Montag an die Kioske, Abonnenten erhalten es aber bereits am Samstag. Der Blick in sein Firmenimperium offenbare „vor allem interne Kredite und fragwürdige Immobiliengeschäfte“, heißt es darin. Großinvestoren störten sich an den schwer durchschaubaren Unternehmensstrukturen, lässt das Magazin einen zu Wort kommen, „der sich mal mit Signa beschäftigt hat“.

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