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31.10.2014

18:15 Uhr

Karstadt

Fanderl will Wende bis Mitte 2015 schaffen

Seit dem Ende der Insolvenz im Herbst 2010 hat Karstadt 500 Millionen Euro Umsatz verloren. Sechs Standorte werden geschlossen. Anderen verlustbringenden Filialen hat der Karstadt-Chef nun eine Deadline gesetzt.

Über sieben Millionen Menschen würden heute nicht mehr Bei Karstadt einkaufen. dpa

Über sieben Millionen Menschen würden heute nicht mehr Bei Karstadt einkaufen.

EssenDer neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl will bis Mitte 2015 bei den defizitären Warenhäuser die Wende schaffen. Für die Filialen, bei denen das nicht gelungen sei, werde es andere Lösungen geben, schrieb der Manager nach einem Bericht der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ am Freitag in einem Brief an die Mitarbeiter.

Neben den bereits feststehenden sechs Standorten, die geschlossen würden, gebe es weitere verlustbringende Filialen. Es gehe aber nicht nur um Schließungen, „sondern darum, dass wir so viel wie möglich von Karstadt erhalten können“, hieß es in dem Brief weiter. Die Zeit sei knapp und es stünden schmerzhafte Entscheidungen bevor.

Seit dem Ende der Insolvenz im Herbst 2010 hat Karstadt nach Angaben von Fanderl 500 Millionen Euro Umsatz verloren. Über sieben Millionen Menschen würden heute nicht mehr in dem Warenhaus einkaufen.

Sechs Gründe für den Niedergang der Warenhäuser

Hintergrund

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist neben Kaufhof die letzte große ihrer Art in Deutschland. Der Niedergang der traditionellen Warenhäuser hat diverse Gründe. Ein Überblick.

Sortiment

Vor allem ab Mitte der 1960er Jahre gab es nach Erkenntnissen des Handelsverbands zunehmend Probleme für Warenhäuser. Ein Grund war der Zuwachs an neuen Fachgeschäften, die sich auf Waren spezialisiert hatten und den Kunden mehr Vielfalt bieten konnten.

Preis

Größere Fachhändler haben nicht nur Vorteile durch mehr Facetten eines Produkts, sie können es in der Regel auch günstiger anbieten. Gerade Textil-Discounter machten dem Warenhaus, das stark durch sein Modesortiment geprägt ist, zuletzt das Leben schwer.

Onlinegeschäft

Hinzu kommt der Internethandel, der auch anderen Einzelhändlern zunehmend das Wasser abgräbt. Während die meisten Online-Anbieter im vergangenen Weihnachtsgeschäft zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, schrumpften die Verkäufe von Karstadt über das Internet.

Infrastruktur

Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sieht auch einen Grund in mangelhafter IT-Infrastruktur. Dadurch sei die Steuerung der Warenbestände erschwert worden. Warenhäuser wüssten dadurch nicht: Was verkauft sich gut, was nicht?

Investitionsstau

Branchenkenner sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Soviel Geld wäre nach seiner Auffassung nötig, um Karstadt zukunftsfähig auszurichten.

Servicekultur

Alltägliche Ware zu alltäglichem Service – so beschreibt Branchenkenner Funder das Warenhaus. Innovationen, die den Einkauf für Kunden zum Erlebnis machten, gebe es dort nicht mehr.

Der Plan des Vorstands ist es nun, zwei Betriebstypen zu etablieren: ein „Kaufhaus des Lebens“ für den Erlebniseinkauf und das „Kaufhaus der Stadt“ für die Bedarfsdeckung. Erste Pilotmärkte sollen im Sommer kommenden Jahres umgebaut werden.

Von

dpa

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