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20.04.2016

09:57 Uhr

Karstadt

Geschäfte beim Warenhaus-Riesen laufen wieder besser

Offenbar findet der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt langsam wieder in die Spur. Der Aufwärtstrend habe sich im vergangenen Halbjahr fortgesetzt, sagt der Arbeitsdirektor. Noch sei der Weg aber weit.

Bei dem Warenhauskonzern tritt offenbar langsam Besserung ein. dpa

Karstadt

Bei dem Warenhauskonzern tritt offenbar langsam Besserung ein.

DüsseldorfDie Sanierungsbemühungen beim Warenhauskonzern Karstadt zeigen erste Erfolge. Nachdem im Bilanzjahr 2014/15 (Ende September) das operative Ergebnis um 62 Millionen Euro besser ausgefallen sei, habe sich der Aufwärtstrend fortgesetzt, sagte Arbeitsdirektor Miguel Müllenbach der Tageszeitung „Die Welt“. „Nach sechs Monaten des aktuellen Geschäftsjahres setzt sich die positive Ergebnisentwicklung fort, und wir liegen per Ende März im operativen Ergebnis erneut über 30 Millionen Euro besser als im Vorjahr.“ Doch es gebe noch einen weiten Weg, „um auch beim Jahresüberschuss profitabel zu werden.“

Den Arbeitnehmervertretern warf Müllenbach Irreführung und Geschäftsschädigung vor, wenn sie erklärten, Karstadt wolle 30 Prozent Fläche abgeben und deshalb würden entsprechend Stellen abgebaut. Das sei „böswillig und bewusst falsch.“ Das Management wolle zwar Flächen vermieten und dadurch zusätzliche Einnahmen erzielen. „Eine Veränderung dieser Größenordnung wäre erstens nicht kurzfristig umsetzbar und zweitens rechne ich in ein paar Jahren im besten Fall mit einer Flächenumwidmung um die zehn Prozent“, sagte Müllenbach.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Der Manager betonte, dass es noch keine Annäherung in den Tarifgesprächen mit der Gewerkschaft Verdi gebe. „Wir haben uns offen für alle denkbaren Lösungen gezeigt und Verdi immer wieder aufgefordert, eigene Vorschläge einzubringen. Aber was ist bislang gekommen? Nichts.“

Karstadt hatte bereits im vergangenen Jahr mit der Vergabe von Flächen begonnen, eine erste Partnerschaft war der Konzern dazu mit dem Buchhändler Hugendubel eingegangen. Die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi sind bislang ohne greifbare Ergebnisse geblieben. Um sich Lohnerhöhungen zu sparen, hatte die Karstadt-Führung im Mai 2013 zudem eine „Tarifpause“ für die damals noch rund 17.000 Beschäftigten ausgerufen.

Von

rtr

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