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10.12.2015

15:27 Uhr

Karstadt im Umbau

Karstadt Sport wird Chefsache

Die „Nummer Eins, Zwei oder Drei“ im Markt sein: Das ist das Ziel von Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Deshalb übernimmt er künftig auch die Leitung der Sporthäuser der Warenhauskette – allerdings „nur kurz“.

Als Leiter der Karstadt-Sporthäuser will Fanderl das Management-Team neu aufstellen. Zuletzt ging der Umsatz der Sparte um vier Prozent zurück. dpa

Karstadt

Als Leiter der Karstadt-Sporthäuser will Fanderl das Management-Team neu aufstellen. Zuletzt ging der Umsatz der Sparte um vier Prozent zurück.

EssenKarstadt-Chef Stephan Fanderl will nach den Warenhäusern auch die Karstadt-Sporthäuser wieder auf Kurs bringen. Dazu übernimmt der Manager nun in Personalunion auch die Leitung der inzwischen als selbstständige Einheit unter dem Dach der Signa Retail-Holding agierenden Sporthäuser, wie die „Welt“ (Donnerstag) berichtete. „Ich sehe große Potenziale, die wir besser als bislang ausschöpfen müssen – dazu stellen wir jetzt die Weichen“, zitierte die Zeitung den Manager.

Ziel der Karstadt-Mutterfirma Signa Retail sei es, auch bei Karstadt Sports „eine profitable Nummer Eins, Zwei oder Drei“ im Markt zu sein, betonte Fanderl. Mit den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro und der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sei 2016 ein wichtiges Sportjahr. „Für Karstadt Sports sind das riesige Chancen, die wir nutzen wollen.“

Die Doppelbelastung als Vorsitzender der Warenhaus-Gruppe und Chef des Sport-Segments will Fanderl nach eigener Darstellung aber „nur kurz“ wahrnehmen. „Primäre Aufgabe ist es, das Management-Team bei Karstadt Sports für die Zukunft aufzustellen.“

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Karstadt Sports hatte nach den letzten im Bundesanzeiger veröffentlichten Zahlen im Ende September 2013 abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von knapp vier Prozent auf 238 Millionen Euro und einen Verlust von rund 4,4 Millionen Euro ausgewiesen. Der Siegeszug des Online-Handels, neue Anbieter aus dem Ausland und aggressive Discounter sorgen für einen harten Wettbewerb in der Branche.

Von

dpa

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