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28.01.2016

17:34 Uhr

Karstadt

Kaufhaus-Zentrale vor dem Umzug

Die Karstadt-Zentrale in Essen ist zu alt – und zu groß. Die Warenhauskette sucht einen neuen Standort für ihre Verwaltung. Neben Essen balgen offenbar auch Oberhausen und Düsseldorf um das angeschlagene Unternehmen.

Die Hauptverwaltung in Essen versprüht den tristen Charme der 1960er-Jahre. dpa

Karstadt-Zentrale

Die Hauptverwaltung in Essen versprüht den tristen Charme der 1960er-Jahre.

EssenDie Warenhauskette Karstadt prüft einem Medienbericht zufolge einen Umzug ihrer Hauptverwaltung von Essen nach Oberhausen oder Düsseldorf. Beide Städte seien in der engeren Auswahl, berichtete die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) am Donnerstag. Karstadt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Das Unternehmen hatte im vergangenen Sommer angekündigt, ein neues Gebäude für die Firmenzentrale suchen zu wollen. Das derzeit in Essen genutzte Haus aus den späten 1960er Jahren entspreche nicht mehr „den Anforderungen eines modernen Arbeitgebers und Unternehmens“, hieß es damals in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter.

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Karstadt und Kaufhof wollen beweisen, dass Warenhäuser noch immer eine gute Idee sind – mit komplett unterschiedlichen Konzepten. Die beiden werden sich 2016 weiter ein Duell liefern. Ist genügend Platz für zwei?

Ein Abschied vom langjährigen Konzernstandort Essen werde immer wahrscheinlicher, berichtete die „WAZ“ unter Berufung auf einen Insider. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Essen, Dietmar Düdden, wies dagegen auf noch laufende Gespräche hin. Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) kündigte im Gespräch mit der „WAZ“ an, für den Erhalt des Standorts zu kämpfen.

Ein Sprecher der Stadt Oberhausen lehnte eine Stellungnahme ab. Die Stadt Düsseldorf war zunächst nicht für einen Kommentar zu erreichen. Derzeit beschäftigt Karstadt rund 1000 Mitarbeiter in der Zentrale.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Von

dpa

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