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30.04.2015

16:24 Uhr

Karstadt

Mitarbeiter klagen gegen Kündigungen

Bei der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt wehren sich Dutzende Mitarbeiter vor Gericht gegen ihre Kündigungen. Im Zuge der Sanierungsbemühungen wurden Ende März insgesamt 960 Mitarbeitern Kündigungen geschickt.

Dutzende Karstadt-Mitarbeiter wehren sich gegen ihre Kündigungen und ziehen vor Gericht. dpa

Karstadt

Dutzende Karstadt-Mitarbeiter wehren sich gegen ihre Kündigungen und ziehen vor Gericht.

EssenZahlreiche Karstadt-Mitarbeiter wehren sich vor Gericht gegen die Ende März vom Unternehmen verschickten Kündigungen. Allein beim Arbeitsgericht Essen liegen mittlerweile 65 Klagen von Karstadt-Beschäftigten gegen die Entlassungen vor, wie Gerichtssprecherin Katja Buschkröger am Donnerstag bestätigte. Kläger seien hauptsächlich Mitarbeiter der Konzernzentrale in Essen, aber auch Beschäftigte aus den Filialen der Region.

Die Gründe für die Klagen variierten, sagte die Sprecherin. Unter anderem werde bemängelt, dass kein Kündigungsgrund vorliege, oder das die Sozialauswahl fehlerhaft sei. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ hatte zuvor über die Klagen berichtet.

Sechs Gründe für den Niedergang der Warenhäuser

Hintergrund

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist neben Kaufhof die letzte große ihrer Art in Deutschland. Der Niedergang der traditionellen Warenhäuser hat diverse Gründe. Ein Überblick.

Sortiment

Vor allem ab Mitte der 1960er Jahre gab es nach Erkenntnissen des Handelsverbands zunehmend Probleme für Warenhäuser. Ein Grund war der Zuwachs an neuen Fachgeschäften, die sich auf Waren spezialisiert hatten und den Kunden mehr Vielfalt bieten konnten.

Preis

Größere Fachhändler haben nicht nur Vorteile durch mehr Facetten eines Produkts, sie können es in der Regel auch günstiger anbieten. Gerade Textil-Discounter machten dem Warenhaus, das stark durch sein Modesortiment geprägt ist, zuletzt das Leben schwer.

Onlinegeschäft

Hinzu kommt der Internethandel, der auch anderen Einzelhändlern zunehmend das Wasser abgräbt. Während die meisten Online-Anbieter im vergangenen Weihnachtsgeschäft zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, schrumpften die Verkäufe von Karstadt über das Internet.

Infrastruktur

Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sieht auch einen Grund in mangelhafter IT-Infrastruktur. Dadurch sei die Steuerung der Warenbestände erschwert worden. Warenhäuser wüssten dadurch nicht: Was verkauft sich gut, was nicht?

Investitionsstau

Branchenkenner sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Soviel Geld wäre nach seiner Auffassung nötig, um Karstadt zukunftsfähig auszurichten.

Servicekultur

Alltägliche Ware zu alltäglichem Service – so beschreibt Branchenkenner Funder das Warenhaus. Innovationen, die den Einkauf für Kunden zum Erlebnis machten, gebe es dort nicht mehr.

Ein erster Gütetermin habe bereits in dieser Woche stattgefunden, sagte die Sprecherin. Doch sei es dabei nicht zu einer Einigung gekommen. Weitere Verfahren sind für den Freitag kommender Woche terminiert. Insgesamt sind sechs Richter am Arbeitsgericht Essen mit den Kündigungsschutzklagen beschäftigt. Wenn es in den Güteterminen nicht gelinge, den Streit beizulegen, würden im Sommer die eigentlichen Verfahren beginnen, sagte die Sprecherin. Von Karstadt war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Warenhauskette hatte nach eigenen Angaben im Zuge der Sanierungsbemühungen Ende März insgesamt 960 Mitarbeitern Kündigungen geschickt. Allein in der Essener Hauptverwaltung sollen laut Betriebsrat rund 350 Stellen wegfallen. Die Betroffenen sollen zunächst in eine Beschäftigungsgesellschaft wechseln. „Der Stellenabbau gehört zu den schmerzhaften, aber im Zuge unserer Sanierung notwendigen Maßnahmen, Karstadt langfristig gesunden zu lassen“, begründete Finanzvorstand Miguel Müllenbach den Schritt.

Von

dpa

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