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15.05.2015

14:05 Uhr

Karstadt

Mitarbeiter streiken für ihre Jobs

Am Dienstag hatte die Karstadt-Geschäftsführung das Aus für weitere fünf Filialen der Warenhauskette beschlossen. Am Freitag treten Beschäftigte des Konzerns in den Streik: Sie wollen neue Tarifverhandlungen erzwingen.

Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt sind in den Streik getreten. dpa

Karstadt

Mitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt sind in den Streik getreten.

DüsseldorfMitarbeiter der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt haben am Freitag in Frankfurt gestreikt. Mit ihrem Ausstand wollen sie Druck auf die Geschäftsführung ausüben, die in der Mainmetropole mit den Arbeitnehmervertretern zu erneuten Tarifverhandlungen zusammentraf. Der zuständige Verdi-Landesfachbereichsleiter Bernhard Schiederig kritisierte die Sparpolitik des Unternehmens auf Kosten der Beschäftigten und forderte vom Eigentümer Rene Benko Investitionen.

Karstadt sei aus der Tarifbindung geflüchtet, habe in den vergangenen Monaten mehr als 3000 Arbeitsplätze abgebaut und schließe Filialen, erklärte Schiederig. Die Geschäftsführung müsse sich angesichts dessen fragen lassen, „ob für die Zukunft des Unternehmens und seiner Belegschaft tatsächlich ein betriebswirtschaftlich plausibles und sozialpolitisch akzeptables Konzept besteht“.

Verdi hatte zuletzt erklärt, insgesamt seien von den Kürzungsplänen der Eigner in den Waren- und Sporthäusern etwa 40 Prozent der verbliebenen rund 15.800 Mitarbeiter gefährdet. Erst am Dienstag beschloss der Aufsichtsrat des Kaufhof-Konkurrenten das Aus für fünf weitere Filialen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Karstadt das Aus für Standorte in Stuttgart und Hamburg, zwei K-Town-Filialen in Göttingen und Köln sowie zwei Schnäppchen-Center in Paderborn und Frankfurt/Oder mit insgesamt mehr als 330 Mitarbeitern beschlossen.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Die Karstadt-Geschäftsführung hatte im Mai 2013 eine „Tarifpause“ für die damals noch rund 17.000 Beschäftigten ausgerufen - der Warenhausriese sparte sich so, anders als Konkurrent Kaufhof, Lohnerhöhungen. Bislang sollen nur die drei Luxushäuser um das Berliner KaDeWe in die Tarifbindung zurückkehren. Karstadt-Chef Stephan Fanderl pocht für die übrigen Teile auf tiefe Einschnitte. Verdi fordert hingegen eine Standort- und Beschäftigungssicherung sowie die zügige Rückkehr in die Tarifbindung.

Von

rtr

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