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17.05.2016

14:26 Uhr

Karstadt plant Comeback

Warenhauskette will Verluste hinter sich lassen

Nach der Sanierung will Karstadt im laufenden Geschäftsjahr wieder raus aus den roten Zahlen. Immobilien-Investor Rene Benko hatte Karstadt 2014 übernommen und der Warenhauskette einen umfassenden Sparkurs verordnet.

Die Warenhauskette wurde 2014 vom österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko übernommen. dpa

Karstadt

Die Warenhauskette wurde 2014 vom österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko übernommen.

DüsseldorfDie Warenhauskette Karstadt will die Früchte ihrer Sanierung einfahren und peilt an, im laufenden Geschäftsjahr 2015/16 auch unter dem Strich wieder Geld zu verdienen. „Insgesamt erwartet Karstadt (...) erstmals seit Jahren wieder ein nahezu ausgeglichenes Jahresergebnis, welches auf einer operativen Ergebniserwartung (Ebitda) im mittleren zweistelligen Millionenbereich fußt“, teilte der Essener Konzern in seinem Geschäftsbericht für das Jahr 2014/15 mit, der am Dienstag im Bundesanzeiger einzusehen war. „Ertragssteigerungen, Effizienzverbesserungen und Kosteneinsparungen“ aus der Sanierung wirkten sich positiv auf die Ergebnissituation aus.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 (Ende September) hatte die Kette trotz eines Umsatzrückgangs von rund 6,6 Prozent ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 12,9 Millionen Euro eingefahren, im Jahr zuvor stand hier noch ein Verlust von 49,5 Millionen Euro.

Unter dem Strich schrieb Karstadt aber noch deutlich rote Zahlen: Der Jahresfehlbetrag summierte sich auf 64,78 Millionen Euro. Immerhin konnte Karstadt den Verlust damit aber eindämmen: 2013/14 hatte die Kette noch einen Jahresfehlbetrag von über 190 Millionen Euro verbucht.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Karstadt war 2014 vom österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko übernommen worden. Er setzte bei dem Kaufhof-Konkurrenten zunächst den Rotstift an. Unprofitable Warenhäuser in Stuttgart und Hamburg wurden bereits geschlossen. Über 2000 Mitarbeiter mussten gehen.

Zudem lichtete Karstadt-Chef Stephan Fanderl den Markendschungel im Sortiment und setzt verstärkt auf eine lokale Ausrichtung der Warenhäuser. Das Sanierungsprogramm ist laut Geschäftsbericht darauf angelegt, „nach erfolgter Umsetzung eine nachhaltige, wettbewerbsfähige, operative Rendite von mehr als 2,5 Prozent vom Umsatz zu erzielen.“

Von

rtr

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