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13.08.2014

16:28 Uhr

Karstadt steht vor der Übergabe an Benko

Berggruen sagt leise „Auf Wiedersehen“

Karstadt und Nicolas Berggruen: Diese unglückliche Liaison steht vor dem Aus. Die angeschlagene Warenhauskette steht unmittelbar vor einer Übernahme – durch den umstrittenen Immobilien-Investor René Benko.

Nicolas Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen. dpa

Nicolas Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen.

EssenDer Tiroler Immobilienunternehmer René Benko, der erst in dieser Woche von einem Gericht in Wien wegen eines Steuervergehens zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, steht kurz vor der Übernahme des angeschlagenen Karstadt-Konzerns. Benkos Signa-Gruppe befindet sich in der letzten Phase der Verhandlungen mit Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen. Das berichtet das österreichische Wirtschaftsmagazin „Format“. Schon in den nächsten Tagen könnte der Deal über die Bühne gehen. Tief in die Taschen greifen müsste Benko für den Warenhauskonzern offenbar nicht.

Es sei „ziemlich sicher“, dass Signa Karstadt übernehmen werde, schreibt das Blatt. Benko selbst sagte dem Magazin, dass „noch keine endgültige Entscheidung gefallen“ sei. Er bestätigte aber, „dass wir zu Hilfe gerufen wurden, um Berggruen als Gesellschafter abzulösen“.

Wo Nicolas Berggruen sein Geld investiert

Nicolas Berggruen

Der Deutsch-Amerikaner besitzt laut „Forbes“ ein Vermögen von knapp zwei Milliarden Dollar. Er ist Sohn des Berliner Galeristen Heinz Berggruen und bezeichnet sich selbst als Philantroph. Berggruen investiert sein Geld seit Jahren in alle möglichen Firmen in verschiedenen Branchen und Ländern.

Karstadt

In Deutschland ist Berggruen besonders für sein Engagement bei Karstadt bekannt. 2010 kaufte er die kriselnde Warenhauskette für einen symbolischen Euro. Geholfen hat das nicht, das Unternehmen strauchelt immer noch. Kritiker sagen, das liege daran, dass Berggruen zu wenig investiere und stattdessen Geld aus dem Unternehmen ziehe. Nun ist das Kapitel beendet, Berggruen verlässt Karstadt ohne Gegenleistung, hat aber Insidern zufolge mit der Beteiligung geringfügigen Gewinn erzielt.

Medien

Dem Investor gehören auch Anteile an diversen Mediengruppen. Dazu zählt zum Beispiel die spanische und portugiesische Gruppe Prisa. Sie verlegt unter anderem die renommierte Zeitung „El Pais“ in Spanien. Auch das Verlagshaus Leya zählt zu Berggruens Imperium. Mit Arianna Huffington, der Gründerin der Huffington Post, hat Berggruen zudem ein neues Medium namens „World Post“ gegründet.

Immobilien

Auf der ganzen Welt finanzieren die Berggruen Holdings Häuser oder kaufen welche. Zum Portfolio gehören laut der Webseite des Unternehmens Gebäude in der Türkei, Indien und Israel. Teilweise sind diese noch nicht gebaut, sondern noch in Planung. Auch in Berlin gehören dem Investor etliche Gebäude.

Erneuerbare Energien

Berggruen inszeniert sich gerne als Investor mit Moral. An diesem Image arbeitet er auch mit seinen grünen Investments. In der Türkei investiert er zum Beispiel in Wind- und Wasserkraft. Zudem besitzt er eine Ethanol-Fabrik in Oregon.

Autovermietung

Berggruen vermietet auch Autos über seine gleichnamige Tochter, vorrangig in Indien.

Think Tank

Mit dem Nicolas Berggruen Institute on Governance versucht der Deutsch-Amerikaner zudem, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Ihm werden gute Kontakte zu Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem britischen Ex-Premier Tony Blair nachgesagt. Sie beide sind auch Mitglieder in seinem Think Tank.

Sonstiges

Berggruen hält auch Beteiligungen an einer britischen Versicherung, medizinischen Versorgern, Bildungsinstitutionen und Druckereien. Die Liste ließe sich weiter fortführen.

Schon im vergangenen Monat hatten Medien von Verkaufsverhandlungen zwischen Berggruen und Benko berichtet. Laut „Bild“-Zeitung und dem „Manager Magazin“ zufolge könnte Benko gut 70 Prozent von Karstadt für einen symbolischen Euro übernehmen.

Die Gewerkschaft Verdi wollte den Bericht über die bevorstehende Übernahme nicht kommentieren. „Wir erwarten aber, dass, wer auch immer Karstadt besitzen wird, in Karstadt investiert und es ein nachhaltiges Zukunftskonzept geben wird“, sagte eine Verdi-Sprecherin.

Berggruen hatte Karstadt 2010 nach der Pleite des Arcandor-Konzerns übernommen. Nach seinem Einstieg zeigte er sich hart in der Gangart: Im Sommer 2012 kündigte Karstadt den Abbau von rund 2000 Stellen an. Im Frühjahr 2013 stieg die Warenhauskette mit ihren rund 20.000 Mitarbeitern aus den regionalen Tarifverträgen für den Einzelhandel aus. Arbeitnehmervertreter kritisierten mehrfach, Berggruen investiere zu wenig in die Modernisierung seines Unternehmens.

Kommentare (10)

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Herr Thomas Schmidt

13.08.2014, 17:05 Uhr

letztendlich ist alles eingetreten, was Skeptiker beim Einstieg von Berggruen befürchtet haben - nur noch schlimmer. Verglichen mit seiner Methode sind Venture-Capital Firmen ("Heuschrecken") wirklich noch idealistische Gutmenschen. Letzten Endes sind wieder mal Betriebsräte und Politik auf die leeren Versprechungen einen Blenders und Scharlatans reingefallen, der wohl von Anfang an nichts anderes im Sinn hatte, als sich ohne eigenen Einsatz an den verbliebenen Assets von Karstadt zu bereichern. Da mussten dann eben die in diesem Business üblichen Konstruktionen über ein verschachteltes Firmennetz und die Zahlung von Gebühren für Markenrechte an sich selbst herhalten. Seine Aussagen in TV-Interviews haben ihn dann als wahrhaft großen Zyniker entlarvt. Das einzig Gute an dieser traurigen Story: Der Mann ist in Deutschland endgültig entzaubert und wird sich als Salon-Sozialist zukünftig irgendwo anders auf der Welt ein neues Publikum suchen müssen, das aus seine Masche reinfällt. Leid tun können einen wieder mal nur die üblichen Opfer: Karstadt-Mitarbeiter, die dafür massive Lohnzugeständnisse eingegangen sind und große Opfer erbracht haben...

real .ist

13.08.2014, 17:17 Uhr

"Der Jude Berggruen wird mit uns für den 1 Euro Kaufpreis noch Schlitten fahren "Wetten, dass...?"

gepostet am 14. März 2012

Auch andere Dinge werden sich noch bewahrheiten, denen man sich heute aktiv verweigert.

Bis dahin werden noch einige bluten müssen - ausbluten müssen

Herr Holger Schmidt

13.08.2014, 17:29 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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