Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2014

12:04 Uhr

Karstadt-Übernahme

Kartellamt sagt Ja zu Benko

Berggruen reicht Karstadt an Benko weiter – die Kartellwächter haben damit kein Problem. Ein Investor werde lediglich gegen einen anderen ausgetauscht. Was blüht jetzt dem Konzern?

Immobilieninvestor Benko: Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von Karstadt genehmigt. dpa

Immobilieninvestor Benko: Das Bundeskartellamt hat die Übernahme von Karstadt genehmigt.

BonnWenige Tage nach dem Verkauf der Karstadt-Anteile hat das Bundeskartellamt die Transaktion ohne Auflagen abgenickt. „Letzten Endes wird hier ein Investor durch einen anderen ausgetauscht“, sagte Behördenpräsident Andreas Mundt am Donnerstag. An der Marktstellung der einzelnen Karstadt-Warenhäuser ändere sich dadurch aus wettbewerblicher Sicht nichts.

„Wir konnten die Prüfung des Vorhabens daher nach nur wenigen Tagen abschließen und das Vorhaben freigeben“, so Mundt. Die Frage einer sogenannten „Deutschen Warenhaus AG“ stelle sich in diesem Verfahren nicht.

Vergangene Woche hatte der ehemalige Eigner Nicolas Berggruen angekündigt, seine verbliebenen Anteile an den österreichischen Immobilien-Investor René Benko abzugeben. Benko übernimmt die Warenhäuser für nur einen Euro. Damit sind die gesamten Karstadt-Häuser wieder unter einem Dach zusammengeführt. Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte Signa die drei Karstadt Premium-Häuser in Berlin, Hamburg und München sowie die Karstadt-Sportgeschäfte übernommen.

Mit dem Verweis auf die fehlende Genehmigung des Kartellamts war die mit Spannung erwartete Beratung des Aufsichtsrats über ein Sanierungskonzept, die ursprünglich für diesen Donnerstag vorgesehen war, verschoben worden. Die Aufsichtsratssitzung werde erst stattfinden, wenn das Bundeskartellamt die Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette durch Benkos Signa-Gruppe freigegeben habe, hieß es am Dienstag. Außerdem müssten zuvor auch die Vertreter Berggruens in dem Gremium durch Vertreter Benkos ersetzt werden.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Nur wenige Tage nach dem Einstieg Benkos bei Karstadt war es am Montag auch zu ersten Veränderungen in der Führungsspitze der Warenhauskette gekommen. Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz, der Karstadt nach dem überraschenden Weggang von Eva-Lotta Sjöstedt zusammen mit Finanzvorstand Miguel Müllenbach leitete, verlässt den Konzern „in beiderseitigem Einvernehmen“, wie Karstadt mitteilte. Seine Aufgaben würden vorläufig von Müllenbach mitübernommen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.08.2014, 12:16 Uhr

Benko ist ein Immobilien Investor und hat somit nur die Immobilien als Ziel. Und dieses Ziel will er so schnell als möglich weiter vermarkten (verkaufen). Das Geschäftsmodell von Karstadt und dessen Mitarbeiter ist dem schnurz egal.

Herr Peter Kock

21.08.2014, 12:49 Uhr

Hätte das Kartellamt denn eine Lösung im Ärmel ??? Nein ? Also , was soll dieser Verein denn machen !

Herr ph latundan

21.08.2014, 13:07 Uhr

........„Karstadt hat derzeit andere Probleme als zu viele Häuser“, sagte der Verdi-Vertreter im Karstadt-Aufsichtsrat, Arno Peukes ....
***
der gewerkschaftler redet mal wieder schwachsinn. karstadt's hauptproblem sind ca 30-40 haeuser die niemals wirklich gewinntraechtig gefuehrt werden koennen. ohne schliessung der schlimmsten falle (wahrscheinlich 30 haeuser) wird karstadt NICHT ueberleben koennen.

und was haben die gewerkschaftler im aufsichtsrat die ganzen jahre gemacht. unter deutz haben die doch ganz gut gelebt und abgesahnt. das war der anfang vom ende von karstadt. die gewerkschaftler sind mitschuldig ..........

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×