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24.01.2015

15:34 Uhr

Karstadt

Verdi kritisiert Degradierung von Beratern

Nach der Streichung von bereits 2000 Stellen bei dem Warenhauskonzern Karstadt sollen nun 1100 Verkaufsberater „degradiert“ werden und weniger Lohn bekommen. Für Verdi ein Widerspruch zu den bisherigen Reformplänen.

Karstadt will bei seinen Verkaufsberatern sparen. Für die Gewerkschaft Verdi eine sinnlose und kontraproduktive Maßnahme. dpa

Karstadt will bei seinen Verkaufsberatern sparen. Für die Gewerkschaft Verdi eine sinnlose und kontraproduktive Maßnahme.

EssenBeim krisengeplagten Warenhauskonzern Karstadt drohen den Beschäftigten weitere schmerzhafte Einschnitte. Neben der bereits bekannten Streichung von 2000 Stellen sollten weitere 1100 Mitarbeiter von Verkaufsberatern zu Regaleinräumern degradiert werden, sagte Aufsichtsratsmitglied Arno Peukes, der für die Gewerkschaft Verdi in dem Kontrollgremium sitzt, der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag).

Die Betroffenen sollten pro Monat 300 Euro weniger verdienen als bisher. Die Beschäftigten sollten an diesem Montag bei Betriebsversammlungen in den Häusern über das Konzept des Managements informiert werden.

„Wir brauchen Berater und keine menschenleeren Selbstbedienungsbereiche, das steht im großen Widerspruch zu den bisherigen Konzepten und Aussagen des Eigentümers, der Kunde werde künftig im Mittelpunkt stehen“, sagte Peukes. Die Beschäftigten seien durchaus bereit, beim Umbau konstruktiv mitzuwirken. „Aber das ergibt nur Sinn, wenn es einen klaren Plan gibt, der langfristig den Weg zu einem erfolgreichen Warenhaus aufzeigt.“

Sechs Gründe für den Niedergang der Warenhäuser

Hintergrund

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt ist neben Kaufhof die letzte große ihrer Art in Deutschland. Der Niedergang der traditionellen Warenhäuser hat diverse Gründe. Ein Überblick.

Sortiment

Vor allem ab Mitte der 1960er Jahre gab es nach Erkenntnissen des Handelsverbands zunehmend Probleme für Warenhäuser. Ein Grund war der Zuwachs an neuen Fachgeschäften, die sich auf Waren spezialisiert hatten und den Kunden mehr Vielfalt bieten konnten.

Preis

Größere Fachhändler haben nicht nur Vorteile durch mehr Facetten eines Produkts, sie können es in der Regel auch günstiger anbieten. Gerade Textil-Discounter machten dem Warenhaus, das stark durch sein Modesortiment geprägt ist, zuletzt das Leben schwer.

Onlinegeschäft

Hinzu kommt der Internethandel, der auch anderen Einzelhändlern zunehmend das Wasser abgräbt. Während die meisten Online-Anbieter im vergangenen Weihnachtsgeschäft zweistellige Zuwachsraten verzeichneten, schrumpften die Verkäufe von Karstadt über das Internet.

Infrastruktur

Handelsexperte Jörg Funder von der Fachhochschule Worms sieht auch einen Grund in mangelhafter IT-Infrastruktur. Dadurch sei die Steuerung der Warenbestände erschwert worden. Warenhäuser wüssten dadurch nicht: Was verkauft sich gut, was nicht?

Investitionsstau

Branchenkenner sind sich einig, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde. Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein schätzt den Investitionsstau bei Karstadt auf mindestens 1,5 Milliarden Euro. Soviel Geld wäre nach seiner Auffassung nötig, um Karstadt zukunftsfähig auszurichten.

Servicekultur

Alltägliche Ware zu alltäglichem Service – so beschreibt Branchenkenner Funder das Warenhaus. Innovationen, die den Einkauf für Kunden zum Erlebnis machten, gebe es dort nicht mehr.

Aus Kreisen des Unternehmens hieß es laut „Süddeutscher Zeitung“, es handele sich nicht um eine „Degradierung“ der Mitarbeiter. Im Vergleich zur Konkurrenz liege die Produktivität bei Karstadt 25 bis 30 Prozent niedriger. Daher müssten Arbeitsabläufe angepasst werden.

Von

dpa

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