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17.04.2015

15:55 Uhr

Karstadt

Verdi sieht erneut Tausende Jobs bedroht

Nach der Übernahme durch den Tiroler Immobilieninvestor Rene Benko hat das Karstadt-Management schon 2014 den Rotstift angesetzt. Nun droht den verbliebenen beschäftigten der nächste Kahlschlag. Verdi läuft Sturm.

Laut Verdi müssen 40 Prozent der verbliebenen rund 15.800 Mitarbeiter einen weiteren Kahlschlag fürchten. dpa

Karstadt-Mitarbeiter müssen bangen

Laut Verdi müssen 40 Prozent der verbliebenen rund 15.800 Mitarbeiter einen weiteren Kahlschlag fürchten.

DüsseldorfDie Beschäftigten des Warenhausriesen Karstadt müssen unter dem neuen Eigner Rene Benko der Gewerkschaft Verdi zufolge einen neuen Kahlschlag fürchten. Insgesamt bedrohten Kürzungspläne der Eigner in den Waren- und Sporthäusern etwa 40 Prozent der verbliebenen rund 15.800 Mitarbeiter, teilte die Gewerkschaft am Freitag nach einer Sitzung ihrer Tarifkommission mit.

„Die Arbeitgeber haben (..) deutlich gemacht, dass sie in beiden Unternehmen weitere Filialschließungen und zusätzlichen Personalabbau planen“, kritisierte Verdi-Verhandlungsleiter Arno Peukes am Freitag: „Das ist eine Unverschämtheit.“ Zudem umfasse die Liste der von einer Schließung bedrohten Warenhäuser nun 28 Standorte – nach zuvor 21 Warenhäusern. Für sechs Standorte ist das Aus bereits besiegelt. Von Karstadt und Benkos Signa Holding waren am Nachmittag keine Stellungnahmen zu erhalten.

Verdi drohte mit Protesten der Belegschaft. „Die Pläne, die die Arbeitgeber auf den Tisch gelegt haben – Tarifverzicht und weitere Kahlschlagpolitik – sind für uns absolut inakzeptabel“, sagte Peukes mit Blick auf die bisherigen Verhandlungen. Die Arbeitgeber müssten ein „vernünftiges Angebot“ vorlegen: „Sonst sehen wir uns auf der Straße wieder.“

So verdient Benko sein Geld

Die Signa Holding

Die 1999 von Renè Benko gegründete Signa Holding GmbH ist Österreichs größtes privates Immobilienunternehmen. Insgesamt verfügt die Sigma-Gruppe nach eigenen Angaben über ein Immobilienvermögen von mehr als sechs Milliarden Euro. Die Unternehmensgruppe umfasst im Wesentlichen vier zentrale Geschäftsbereiche. Der Konzern hat heute mehr als 150 Mitarbeiter.

Top-Immobilien: Signa Prime

Das Vorzeige-Unternehmen der Signa Holding investiert langfristig in Immobilien in den 1A- Innenstadtlagen. Nach eigenen Angaben zählt es zu führenden Eigentümern, Entwicklern und Betreibern innerstädtischer Einzelhandelsimmobilien im deutschsprachigen Europa. Der Immobilienkonzern besitzt unter anderem das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck, die Renngasse 2 sowie das Goldene Quartier in Wien. Zu den bekanntesten Objekten in Deutschland zählen das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus Hamburg und das Kaufhaus Oberpollinger im Zentrum Münchens.
Nach der Übernahme der Karstadt-Premium- und Sporthäuser baute das Unternehmen einen eigenen Geschäftsbereich Signa Retail zu deren Steuerung auf. Diese Signa Retail GmbH übernimmt nun die Karstadt Warenhaus GmbH vollständig.
Immobilienvermögen insgesamt: rund vier Milliarden Euro.

Projekt-Entwicklung: Signa Development

Mit ihrem Development-Ableger entwickelt und baut die Signa Holding Geschäfts-, Büro- und Hotelflächen in europäischen Innenstädten, die sie anschließend vermietet. Derzeit wird an 13 Projekten in Österreich, Italien und Deutschland gearbeitet. Dazu zählt unter anderem das Kaufhaus Viktoria in Bonn
Investitionsvolumen insgesamt: rund 2,2 Milliarden Euro

Anlageberatung: Signa Real Estate Capital Partners

Die Tochtergesellschaft Signa Real Estate Capital Partners der Unternehmensgruppe berät Anleger im Bereich Private Equity Real Estate. Im Fokus stehen innerstädtische Einzelhandelsobjekte sowie Büroobjekte.

Finanzdienstleistungen: Signa Property Funds

Die Tochter Signa Property Funds unterstützt Anleger bei Investitionen. Als bankenunabhängiger Finanzdienstleister entwickelt und vertreibt sie Immobilienanlagekonzepte für Privatanleger und institutionelle Investoren.

Der mit Umsatzrückgängen kämpfende Karstadt-Konzern hatte im Mai 2013 eine „Tarifpause“ ausgerufen – der Warenhausriese sparte sich so anders als Konkurrent Kaufhof Lohnerhöhungen. Verdi läuft dagegen Sturm. Für die Luxus-Häuser um das Berliner KaDeWe ist eine Rückkehr in die Tarifbindung vereinbart, für die übrigen Karstadt-Teile laufen Verhandlungen. Karstadt-Chef Stephan Fanderl pocht auf tiefe Einschnitte.

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