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16.05.2015

00:51 Uhr

Karstadt

Verdi vertagt Tarifverhandlungen

Die Gewerkschaft Verdi hat die Verhandlungen für die Beschäftigten der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt vertagt. Auch die achte Runde brachte keine zufriedenstellende Lösung.

Eine Filiale von Karstadt: Auch die achte Verhandlungsrunde hat keine endgültige Lösung gebracht. dpa

Karstadtfiliale

Eine Filiale von Karstadt: Auch die achte Verhandlungsrunde hat keine endgültige Lösung gebracht.

Frankfurt/Main/EssenDie Tarifverhandlungen für die Beschäftigten der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt haben bislang keinen Durchbruch gebracht. Sie wurden am Freitagabend nach Verdi-Angaben auf einen unbestimmten Zeitpunkt vertagt. „Die Gespräche sind nach der einseitigen Entscheidung der Eigentümerseite, weitere fünf Filialen zu schließen, nicht einfacher geworden“, sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft, Arno Peukes. Das Treffen in Frankfurt/Main war die achte Runde, ohne dass sich bisher eine Lösung abgezeichnet hat.

Verdi fordert eine Beschäftigungs- und Standortgarantie für die Karstadt-Häuser. Das gelte für alle - auch für die fünf Standorte Recklinghausen, Bottrop, Dessau, Neumünster und Mönchengladbach-Rheydt, deren Schließung das Management in dieser Woche angekündigt hatte, betonte die Gewerkschaft.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

Nach Verdi-Angaben sind 540 Beschäftigte betroffen. Karstadt verweist bei den Schließungsplänen auf den starken Wettbewerbsdruck und die seit Jahren negative Umsatz- und Ergebnisentwicklung der Standorte.

Die Gewerkschaft fordert außerdem eine sofortige Rückkehr des Unternehmens in die Tarifbindung und neue Investitionen in die Häuser. „Es bleibt das Ziel unserer Verhandlungen, Karstadt zu einem zukunftsfähigen Warenhaus weiterzuentwickeln und nicht zu einem tariffreien Einkaufscenter, wie es europäische und nordamerikanische Unternehmen vorleben“, betonte Peukes.

Von

dpa

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