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12.08.2014

19:34 Uhr

Karstadt-Vermieter mit Vorstrafe

Der angekratzte Goldjunge

VonHans-Peter Siebenhaar, Kirsten Ludowig

Der Immobilien-Tycoon und Karstadt-Warenhausbesitzer Benko hat mit seiner Verurteilung in einem österreichischen Korruptionsverfahren einen Imageschaden erlitten. Seine Geschäfte laufen aber weiterhin gut.

Er ist noch sehr jung: Als Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär hat sich der Schulabbrecher René Benko in kürzester Zeit Respekt in der Immobilien- und Investment-Branche erarbeitet. dpa

Er ist noch sehr jung: Als Signa-Gründer und Mehrheitsaktionär hat sich der Schulabbrecher René Benko in kürzester Zeit Respekt in der Immobilien- und Investment-Branche erarbeitet.

Die weiße Weste des österreichischen Immobilientycoons René Benko hat nun Flecken. Der Besitzer mehrerer Karstadt-Immobilien wird künftig als Vorbestrafter durchs Leben gehen müssen. Die Urteilsverkündung im Korruptionsverfahren beim Obersten Gerichtshof in Wien wollte sich der 37-Jährige nicht persönlich ansehen. Benko war bereits vor einem Jahr zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden. Dieses Urteil hat Österreichs höchstes Gericht am Montag bestätigt.

Bei seiner Immobiliengruppe Signa sieht man das Urteil gelassen. Die Geschäfte laufen nach Unternehmensangaben gut. Keiner der prominenten Investoren wie Unternehmensberater Roland Berger oder Strabag-Gründer Hans-Peter Haselsteiner sei abgesprungen. „Es hat weiterhin keine Auswirkungen auf das Geschäft“, sagte ein Sprecher am Dienstag zum Urteil. Korruption – welche Korruption? „Das Delikt, das zur Verurteilung führte, ist in Deutschland und in Italien kein Straftatbestand“, so der Benko-Sprecher.

Das Wiener Gericht sah es in zweiter Instanz als erwiesen an, dass Benko über seinen Steuerberater Michael Passer ein Steuerverfahren gegen Signa in Italien positiv beeinflussen wollte. Dazu sollte der damalige kroatische Regierungschef Ivo Sanader seine guten Kontakte unter anderem zum italienischen Premier Silvio Berlusconi nutzen. Sanader wurde für seine Intervention von Benko und Passer ein Erfolgshonorar von 150.000 Euro in Aussicht gestellt.

Wo Nicolas Berggruen sein Geld investiert

Nicolas Berggruen

Der Deutsch-Amerikaner besitzt laut „Forbes“ ein Vermögen von knapp zwei Milliarden Dollar. Er ist Sohn des Berliner Galeristen Heinz Berggruen und bezeichnet sich selbst als Philantroph. Berggruen investiert sein Geld seit Jahren in alle möglichen Firmen in verschiedenen Branchen und Ländern.

Karstadt

In Deutschland ist Berggruen besonders für sein Engagement bei Karstadt bekannt. 2010 kaufte er die kriselnde Warenhauskette für einen symbolischen Euro. Geholfen hat das nicht, das Unternehmen strauchelt immer noch. Kritiker sagen, das liege daran, dass Berggruen zu wenig investiere und stattdessen Geld aus dem Unternehmen ziehe. Nun ist das Kapitel beendet, Berggruen verlässt Karstadt ohne Gegenleistung, hat aber Insidern zufolge mit der Beteiligung geringfügigen Gewinn erzielt.

Medien

Dem Investor gehören auch Anteile an diversen Mediengruppen. Dazu zählt zum Beispiel die spanische und portugiesische Gruppe Prisa. Sie verlegt unter anderem die renommierte Zeitung „El Pais“ in Spanien. Auch das Verlagshaus Leya zählt zu Berggruens Imperium. Mit Arianna Huffington, der Gründerin der Huffington Post, hat Berggruen zudem ein neues Medium namens „World Post“ gegründet.

Immobilien

Auf der ganzen Welt finanzieren die Berggruen Holdings Häuser oder kaufen welche. Zum Portfolio gehören laut der Webseite des Unternehmens Gebäude in der Türkei, Indien und Israel. Teilweise sind diese noch nicht gebaut, sondern noch in Planung. Auch in Berlin gehören dem Investor etliche Gebäude.

Erneuerbare Energien

Berggruen inszeniert sich gerne als Investor mit Moral. An diesem Image arbeitet er auch mit seinen grünen Investments. In der Türkei investiert er zum Beispiel in Wind- und Wasserkraft. Zudem besitzt er eine Ethanol-Fabrik in Oregon.

Autovermietung

Berggruen vermietet auch Autos über seine gleichnamige Tochter, vorrangig in Indien.

Think Tank

Mit dem Nicolas Berggruen Institute on Governance versucht der Deutsch-Amerikaner zudem, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Ihm werden gute Kontakte zu Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem britischen Ex-Premier Tony Blair nachgesagt. Sie beide sind auch Mitglieder in seinem Think Tank.

Sonstiges

Berggruen hält auch Beteiligungen an einer britischen Versicherung, medizinischen Versorgern, Bildungsinstitutionen und Druckereien. Die Liste ließe sich weiter fortführen.


Der Oberste Gerichtshof in Wien sah in dem Verhalten eine „versuchte verbotene Intervention“. Die Staatsanwaltschaft sah den Richterspruch ausgesprochen kritisch. Sanader sitzt derzeit außerhalb der kroatischen Hauptstadt Zagreb eine mehrjährige Gefängnisstrafe ab. In Kroatien gilt es als Persona non grata.

Seine Großprojekte treibt der Tiroler Benko zielstrebig voran. Für den Bau eines Kaufhauses in der verschlafenen norditalienischen Provinzstadt Bozen, geplant vom britischen Stararchitekten David Chipperfield, wurde nun der Bauantrag eingereicht. Wie schön Benkos Projekte sein können, bewies er zuletzt in Wien. Das Goldene Quartier mit seinen Luxusläden und Büro ist das neueste Schmuckstück der österreichischen Hauptstadt, das nicht nur die stets kritischen Wiener begeistert, sondern auch polyglotte Powershopper.

Auch in Deutschland ist Benko, trotz seiner Jugend in der Heimat bereits eine Unternehmerlegende, aktiv. Ende vergangenen Jahres erwarb der Tiroler Selfmademan die „Alte Akademie“ im Zentrum München. Derzeit verhandelt Benko mit der Stadt München über einen Umbau zu einer Luxusmeile nach dem Vorbild des Goldenen Quartiers in Wien.

Benko ist längst finanziell unabhängig. Sein geschätztes Privatvermögen liegt bei 850 Millionen Euro. Laut dem Wiener Wirtschaftsmagazin „Trend“ rangiert er auf Platz 37 der reichsten Österreicher. Mit seinem Privatjet sowie der Vorliebe für schnelle Autos und Helikopter beeindruckt er Kunden und Partner. Mit 17 Jahren brach er die Schule ab. In seiner Heimatstadt begann er, staubige Dachböden auszubauen und zu verkaufen. Einer, der sich aus einem bescheidenen Beamtenelternhaus nach oben arbeitet und ein Vermögen anhäuft, genießt auch bei Milliardären großen Respekt. Sein im Jahr 2000 gegründetes Unternehmen Signa verwaltet mittlerweile einen Immobilienbesitz im Wert von über 6,5 Milliarden Euro – darunter auch die Immobilien von Karstadt in Deutschland.

Kommentare (1)

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Herr Fritz Tolas

13.08.2014, 18:34 Uhr

Ein beeindruckender Werdegang. Von Karstadt dürfte aber ausser dem Luxussegment nicht viel übrig bleiben. Signa ist ein Immobilienverwalter und kein Handesunternehmen.

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