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29.10.2013

19:33 Uhr

Kartellamt

Grünes Licht für Verkauf von Karstadt-Häusern

Immobilieninvestor René Benko darf die Premium- und Sporthäuser des Karstadt-Konzerns kaufen. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für den Deal gegeben. Teil des Geschäfts ist eine Geldspritze von 300 Millionen Euro.

René Benko wird die Mehrheit von 75,1 Prozent an den Karstadt-Edelhäusern (Alsterhaus, KaDeWe, Oberpollinger) und den Sporthäusern übernehmen. dpa

René Benko wird die Mehrheit von 75,1 Prozent an den Karstadt-Edelhäusern (Alsterhaus, KaDeWe, Oberpollinger) und den Sporthäusern übernehmen.

BonnDer Verkauf ist perfekt: Die Filetstücke des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt gehen mehrheitlich an die österreichische Signa-Gruppe um den Immobilieninvestor René Benko. Das Bundeskartellamt in Bonn gab am Dienstag die Transaktion frei. Dies geht aus einer aktualisierten Liste über Zusammenschlussverfahren bei der Behörde hervor. Nicolas Berggruen hält weiterhin 100 Prozent der übrigen 83 Karstadt-Warenhäuser.

Mitte September hatten Berggruen und Benkos Signa-Gruppe den Deal bekanntgeben. Danach übernimmt Benko die Mehrheit von 75,1 Prozent an den Karstadt-Edelhäusern und -Sporthäusern. Teil des Geschäfts ist eine Geldspritze für die Modernisierung und Stärkung aller Karstadt-Häuser von 300 Millionen Euro.

Damit kann das vom Tiroler Geschäftsmann Benko gegründete Unternehmen Signa bei den 28 Sporthäusern sowie den Edelkaufhäusern Alsterhaus in Hamburg, KaDeWe in Berlin und Oberpollinger in München das Heft fest in die Hand nehmen. Ende vergangenen Jahres hatte Signa für mehr als 1,1 Milliarden Euro bereits die Immobilien des KaDeWe und von 16 weiteren Kaufhäusern erworben. Oberpollinger und weitere Karstadt-Immobilien gehören der Signa-Gruppe schon länger. Insgesamt besitzt Signa derzeit 20 Karstadt-Immobilien.

Ein Kaufpreis für die Mehrheitsübernahme bei den Sport- und Luxushäusern sei nicht gezahlt worden, hatte es bei der Bekanntgabe der Transaktion geheißen. Die Investitionen von 300 Millionen Euro sollen in alle Bereiche des Warenhausunternehmens fließen.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Im deutschen Einzelhandel ist Benko kein Unbekannter. Er besitzt nicht nur Immobilien von Karstadt, sondern hatte in der Vergangenheit auch versucht, die Metro-Tochter Kaufhof zu übernehmen. Die Warenhauskette stand vorübergehend auf der Verkaufsliste des Düsseldorfer Handelsriesen, später wurden die Pläne aber aufgegeben. In der Branche wird bereits spekuliert, ob Benko nun auf anderem Wege versuchen wird, die beiden Warenhauskonzerne zusammenzuführen.

Berggruen sieht das Geschäft mit dem Investor als einen Beitrag zur weiteren Gesundung des Unternehmens und als Bekenntnis zum Geschäftsmodell Warenhaus. Im Kerngeschäft mit den verbleibenden 83 Warenhäusern hält er in den nächsten Jahren großes Wachstum für möglich.

Von

dpa

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