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26.06.2017

14:23 Uhr

Kartellamt

Hersteller kommen dank „Wurstlücke“ straffrei davon

Das Bundeskartellamt musste auf Grund der „Wurstlücke“ empfindliche Kartellstrafen aufheben. Erneut eröffneten interne Umstrukturierungen den verurteilten Wurstherstellern ein Schlupfloch im Wettbewerbsrecht.

Den Behörde ist durch die „Wurstlücke“ allein in diesem Komplex 238 Millionen Euro Bußgeld entgangen. dpa

Preisabsprachen in der Lebensmittelindustrie

Den Behörde ist durch die „Wurstlücke“ allein in diesem Komplex 238 Millionen Euro Bußgeld entgangen.

BonnWegen einer Lücke im Wettbewerbsrecht sind drei weitere Wursthersteller einer empfindlichen Kartellstrafe entgangen. Bußgelder in Höhe von insgesamt rund 110 Millionen Euro gegen die Unternehmen Bell (Seevetal), Sickendiek (Neuenkirchen-Vörden, beide Niedersachsen) und Marten (Gütersloh, NRW) wegen Preisabsprachen seien aufgehoben worden, teilte das Bundeskartellamt am Montag mit.

Die Firmen hätten sich intern umstrukturiert und seien damit rechtlich für die Bußgeldverfahren nicht mehr greifbar gewesen. Mit einer aktuellen Rechtsänderung habe der Gesetzgeber das Schlupfloch für künftige Verfahren aber geschlossen, betonte Kartellamtschef Andreas Mundt.

Die zehn größten Fleischwaren-Konzerne in Deutschland

Platz 10

Auf Platz 10 rangiert die Sprehe-Gruppe aus dem niedersächsischen Lorup. Der Konzern, der vor allem mit Geflügel sein Geld macht, verzeichnete 2014 einen Umsatz vom 800 Millionen Euro (2013: 780 Millionen Euro).
Quelle: fleischwirtschaft.de

Platz 9

Mit 825 Millionen Euro Umsatz in 2014 liegt die Zur-Mühlen-Gruppe auf Platz 9. Der Produzent der bekannten Böklunder Würstchen erreichte auch 2013 schon einen Umsatz in gleicher Höhe.

Platz 8

Kaufland Fleischwaren kommt mit einem Umsatz von 830 Millionen Euro 2014 auf den achten Rang (2013: keine Angabe). Die Fleischbetriebe sind Teil der Unternehmensgruppe Kaufland.

Platz 7

Die Müller Gruppe aus der Nähe von Pforzheim schlachtet hauptsächlich Rinder und Schweine und kam damit 2014 auf einen Umsatz von 885 Millionen Euro (2013: 883 Millionen Euro) – Platz 7.

Platz 6

2013 erwirtschaftete die Rothkötter Unternehmensgruppe erstmals einen Umsatz von einer Milliarde Euro. 2014 konnte das Unternehmen der Geflügelbranche diesen Umsatz bestätigen und landet damit auf Rang 6.

Platz 5

Die Heristo Aktiengesellschaft aus dem niedersächsischen Bad Rothenfelde steht auf dem fünften Platz im Ranking. Das schon seit 1913 bestehende Unternehmen erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro (2013: 1,48 Milliarden Euro).

Platz 4

Die PHW-Gruppe ist der größte deutsche Geflügelzüchter und -verarbeiter. Das Unternehmen mit der bekannten Marke Wiesenhof landet mit 2,27 Milliarden Euro Umsatz 2014 auf Rang 4 (2013: 2,21 Milliarden Euro).

Platz 3

Mit einem Umsatz von 2,51 Milliarden Euro in 2014 ist der Konzern Westfleisch aus Münster das drittgrößte fleischverarbeitende Unternehmen in Deutschland (2013: 2,51 Milliarden Euro).

Platz 2

Vion Food Germany ist der deutsche Ableger des niederländischen Nahrungsmittelkonzerns Vion N. V. Der Umsatz 2014 betrug 3,29 Milliarden Euro (2013: 3,7 Milliarden Euro), das bedeutet Rang 2.

Platz 1

Die Tönnies-Gruppe aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück ist Deutschlands größter Schlachtbetrieb für Schweine. Der Umsatz des Familienunternehmens lag 2014 bei 5,6 Milliarden Euro und damit auf dem gleichen Wert wie 2013. Damit liegt die Tönnies-Gruppe auf Platz 1 der Fleischproduzenten.

Das Schlupfloch im Wettbewerbsrecht wird intern als „Wurstlücke“ bezeichnet, weil nach einem groß angelegten Kartellverfahren gegen 21 Wursthersteller aus dem Jahr 2014 bereits zwei andere Unternehmen der Branche mit konzerninternen Umstrukturierungen reagiert hatten. Die angegriffenen Firmen verschwanden dadurch pro forma; damit war das Bußgeld nicht mehr vollstreckbar.

Künftig müssten Konzernmütter für Bußgelder ihrer Töchter mit einstehen. Damit würden „Umgehungslösungen verhindert“, sagte Mundt. Insgesamt seien der Behörde durch die „Wurstlücke“ allein in diesem Komplex 238 Millionen Euro Bußgeld entgangen.

Von

dpa

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