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24.09.2014

16:02 Uhr

Kartellamt warnt

Aldi und Co. nutzen Marktmacht aus

Das Bundeskartellamt hat Lebensmitteleinzelhändler wie Rewe, Aldi und Lidl untersucht – und kommt zu einem harten Urteil. Die Ausweitung der Marktmacht müsse begrenzt werden. Vor allem eine Firma steche hervor.

Ein Einkaufswagen mit Lebensmitteln in einem Edeka-Supermarkt: Mit ihren Eigenmarken machten die Händler zunehmend Druck in den Verhandlungen über die Einkaufskonditionen. dpa

Ein Einkaufswagen mit Lebensmitteln in einem Edeka-Supermarkt: Mit ihren Eigenmarken machten die Händler zunehmend Druck in den Verhandlungen über die Einkaufskonditionen.

MünchenDie großen Lebensmittelhandelskonzerne Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland verdrängen nach einer mehrjährigen Untersuchung des Bundeskartellamts immer stärker ihre Wettbewerber. Es drohe eine weitere Verschlechterung des Wettbewerbs, der bereits jetzt zu 85 Prozent von diesen Unternehmen dominiert werde, teilte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt am Mittwoch in Bonn mit. Mundt kündigte an, die Wettbewerbshüter würden künftige Fusionen und Kooperationen streng prüfen.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Für die in der Branche mit Spannung erwartete Untersuchung insbesondere zu den Verhandlungssituationen zwischen Einzelhändlern und Markenherstellern befragten die Wettbewerbshüter 21 Handelsunternehmen und mehr als 200 Hersteller. Bei einer Analyse von etwa 3000 konkreten Verhandlungen seien insgesamt 65.000 Datensätze verarbeitet worden.

Nach den Ergebnissen kaufen die Handelskonzerne anders als häufig behauptet ganz überwiegend ihre Produkte im Inland ein. Für diese Verhandlungen hätten die Einzelhändler „bereits jetzt einen gravierenden Vorsprung gegenüber ihren mittelständischen Konkurrenten und genießen strukturelle Vorteile, die sie in den Verhandlungen mit den Herstellern nutzen können“, erklärte Mundt. Dieser Verhandlungsmacht könnten selbst Hersteller bekannter Marken ausgesetzt sein, soweit es ihnen de facto an Ausweichalternativen für den Absatz ihrer Produkte fehle.

Mit ihren Eigenmarken machten die Händler zunehmend Druck in den Verhandlungen über die Einkaufskonditionen. Einwände der Konzerne gegen die bereits früher angenommene Marktmacht durch ihre Größe im Wettbewerb und beim Einkauf seien nun empirisch widerlegt.

Kommentare (7)

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Herr Nehal Devanowitch

24.09.2014, 17:23 Uhr

Das Problem ist doch der uninformierte und dumme und faule Kunde. Wenn man sich ansieht was sich bei Lidl die letzten 24 Monate getan hat, wieviele A Brands raus geflogen sind und wieviele Eigenmarken aufgezogen und ausgebaut wurden wird einem doch schlecht. Wenn ich mir nur die Marke Deluxe ansehen und sehe was für ein scheiss da angeboten wird. Wenn dann mal der Kaffee von Lild (Belaroma ganze Bohne) plötzlich Krebserregend sein kann (wioe letzt ein Test bewies) juckts doch keinen. Lassen sie mal so Ritter, Müller in die Kritik kommen, deren Business geht 50% zurück. Aber hier bauen wir uns eine Heile Markenwelt auf die jederzeit Austauschbar ist. Der Kunde vertraut immer noch seinem "Tante Emma Laden" nur dass dieser seit 40 Jahren am aussterben ist und von profithaien substituiert wurde. Hier gehört die Politik gefragt welche aber von den Konzernen bezahlt wird. Danke!

Herr Matthias Moser

24.09.2014, 18:47 Uhr

Es ist schon lange Zeit, den Lebensmitteloligarchen das Handwerk zu legen. Man sieht das zB. an den Milchpreisen. Man muß nur mal mit landwirtschaftlichen Erzeugern reden. Rewe und Co. sind was den Einkauf angeht absolut unterirdisch gegenüber den Erzeugern. Eigentlich dürfte der Verbraucher nur in Hofläden oder bei Direktvermarktern kaufen.

Herr Frank Müller

24.09.2014, 19:52 Uhr

Der Bauer erhält in diesem Jahr aktuell für 1 kg Äpfel 6 Euro-Cent.

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