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22.08.2013

14:57 Uhr

Kassel-Calden

„Der Winter ist kein Ponyhof für den Regionalflughafen“

Am Flughafen Kassel-Calden gibt es kaum Starts und Landungen großer Flieger. Die Lufthansa kommt nur zu Übungszwecken, im Terminal herrscht gähnende Leere. Flughafen-Chefin Muller verspricht keine schnelle Besserung.

Junge klettert an einem Holzflugzeug in Kassel-Calden: „Die Lage ist grausam, das wissen wir“. dpa

Junge klettert an einem Holzflugzeug in Kassel-Calden: „Die Lage ist grausam, das wissen wir“.

KasselIn der Ferne ist über den tiefhängenden Wolken ein kleines Flugzeug im Anflug. Langsam landet eine weitere Maschine auf dem Flughafen Kassel-Calden. Doch die Propellermaschine biegt nach dem Aufsetzen nicht Richtung Terminal ab, sondern fährt zum Privatbereich des neuen Airports. Genau das ist das Problem: Flugverkehr gibt es auf dem umstrittenen Flughafen reichlich, nur eben keine großen Ferienflieger.

Vor wenigen Tagen wurde zwar bekannt, dass die Lufthansa Kassel-Calden genutzt hat. Aber nicht, um Passagiere aufzunehmen: Die Landungen dienten nur der Ausbildung von zwei Flugschülern. „Wenn der Flughafen schon da ist, dann darf man ihn auch nutzen“, sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft, die oft gegen den Regional-Airport gewettert hatte.

Die Identifikation der Menschen in Nordhessen mit dem Flughafen ist dennoch immens groß, trotz - oder gerade wegen - der anhaltenden Kritik. „Immer wird nur geschrieben, hier ist nichts los. Die Berichterstattung ist sehr einseitig. Da kommt es mir hoch“, sagt Brigitte Koban, die am Flughafen im Reisebüro arbeitet. „Die Lage ist grausam, das wissen wir. Aber das Objekt ist da, hier arbeiten Menschen und alle geben sich Mühe“, betont die Kasselerin. Zudem habe sich der Flughafen als Ausflugsziel etabliert. „Sonntags ist es hier richtig voll“, berichtet Koban.

Die größten Flughäfen der Welt

Platz 10

Dubai

Dubai International fertigte 2012 57,7 Millionen Passagiere ab, ein Plus von 13,2 Prozent. Die Staatsfluglinie Emirates will Dubai zum Weltdrehkreuz machen – und wirbt überall auf der Welt Passagiere von der Konkurrenz ab. Derzeit noch im Bau befindet sich der neue Flughafen Dubai. Der Dubai Al Maktoum International Airport soll der größte der Welt werden und wird bereits von Frachtflugmaschinen angeflogen.

Platz 9

Jakarta

Die indonesische Hauptstadt schafft ebenfalls den Sprung in die Top Ten. Der Flughafen Jakarta rückt in der aktuellen Rangliste um drei Plätze vor. Im Jahr 2012 verzeichnete Jakarta (CGK) einen Zuwachs an Passagieren von 12,1 Prozent. Insgesamt starteten und landeten 57,8 Millionen Fluggäste auf dem Flughafen der Millionenstadt.

Platz 8

Dallas/Fort Worth

Mit 58,6 Millionen Passagieren (plus 1,4 Prozent) noch größer ist wiederum ein US-Flughafen: Rang acht nimmt Dallas/Fort Worth ein, der internationale Flughafen zwischen den beiden texanischen Großstädten. DFW, der mit knapp 7.300 Hektar flächenmäßig zweitgrößte US-Airport nach Denver, ist mit seinen sieben Start- und Landebahnen das Hauptdrehkreuz der US-Fluglinie American Airlines.

Platz 7

Paris

Zurück nach Europa: Rang zwei auf dem Kontinent und Rang sieben weltweit nimmt Paris-Charles-de-Gaulle ein. Der nahe der Ortschaft Roissy-en-France gelegene Airport beförderte im Jahr 2012 61,6 Millionen Passagiere (plus 1,1 Prozent). Der Flughafen CDG ging erst 1974 in Betrieb, nachdem der andere Pariser Flughafen Orly zu klein geworden war.

Platz 6

Los Angeles

Die zweitgrößte Metropole der USA braucht auch einen angemessen großen Flughafen: Der Los Angeles International Airport (LAX) ist mit 63,7 Millionen Passagieren (plus 3,0 Prozent) der sechstgrößte Flughafen der Welt. Der Flughafen hat es sogar in die Pop-Welt geschafft: Der Song „L.A. International Airport“ machte die Countrysängerin Susan Raye in den 70er Jahren bekannt. Das Bild zeigt den neuen Tom Bradley International Terminal, der für 1,6 Milliarden Dollar gebaut wird.

Platz 5

Chicago

Hier steigt auch US-Präsident Barack Obama gerne mal ins Flugzeug. Chicago O'Hare (ORD) belegt in der Rangliste Rang fünf. Der Airport westlich der Metropole am Lake Michigan, wichtigster Hub für United und zweitwichtigster für American Airlines, fertigte im Jahr 2012 66,6 Millionen Passagiere ab (minus 0,1 Prozent). Benannt ist ORD nach dem Weltkrieg-II-Piloten Edward O'Hare.

Platz 4

Tokio

Blick aus dem Fenster im Anflug auf Tokio-Haneda (HND): Der Airport in Japans Hauptstadt wickelt eigentlich hauptsächlich Inlands- und Asienflüge ab, der interkontinentale Verkehr läuft über den Nachbarflughafen Narita. Dennoch bringt es Haneda mit 66,8 Millionen Passagieren auf den vierten Platz im internationalen Ranking. Das waren beachtliche 6,7 Prozent mehr als 2011. Im Vorjahr waren die Passagierzahlen durch das Reaktorunglück von Fukushima allerdings auch merklich zurückgegangen.

Platz 3

London

London kann seinen Treppchenplatz verteidigen: Mit 70 Millionen Passagieren (plus 0,9 Prozent) ist London-Heathrow (LHR) der größte Flughafen Europas. Der Airport im Westen Londons ist nur einer von mehreren in der Metropole: Weitere Passagiere verteilen sich auf Gatwick, Stansted, Luton und den City Airport. Für Aufsehen sorgte Heathrow im März 2008, als die ganze Welt über das Gepäck-Chaos im neuen Prestige-Terminal 5 lachte.

Platz 2

Peking

Der weltweit zweitgrößte Flughafen 2012 und angesichts der Wachstumsraten auf dem Weg zur Nummer eins ist Beijing Capital International Airport (PEK) in Chinas Hauptstadt: 81,9 Millionen Passagiere schleuste PEK durch - ein Plus von 4,1 Prozent. Dennoch hat der Airport noch einen großen Rückstand auf Rang eins.

Platz 1

Atlanta

Der Flughafen Hartsfield-Jackson Atlanta International (ATL) stellt größenmäßig alle anderen in den Schatten: 95,5 Millionen Passagiere stiegen im Jahr 2012 hier ein und aus (plus 3,3 Prozent). Die Größe erklärt sich vor allem dadurch, dass Atlanta als Hauptdrehkreuz einen klassischen Zwischenstopp für Inlandsflüge darstellt. Daneben bietet Atlanta aber auch die meisten Nonstop-Flüge weltweit an. Benannt wurde der Flughafen nach dem ehemaligen Bürgermeister William B. Hartsfield.

Doch Besucher sind eben keine Fluggäste. In den ersten sieben Monaten des Jahres, also inklusive der Zeit vor der Eröffnung des neuen Airports, gab es nach Flughafen-Angaben knapp 14.000 Flugbewegungen und insgesamt 27.000 Passagiere.

Kritik kommt vor allem von den hessischen Landtags-Grünen. „Für die wenigen Ferienflüge hätte man nicht 271 Millionen Euro der Steuerzahler in die Luft blasen müssen“, sagt die Sprecherin für Verkehr, Karin Müller. Die Partei fordert nun Transparenz über die jährlichen Betriebskosten. Eine offizielle Antwort der Landesregierung steht noch aus.

Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Flughafens ist, wehrte sich aber in einem Interview gegen die Kritik. Er halte es für problematisch, Erfolg und Sinnhaftigkeit von öffentlichen Zuschüssen „vor allem auf den ersten Metern allein an monetären und betriebswirtschaftlichen Faktoren zu messen“, sagte Schäfer Anfang des Monats der Branchenseite „Aero Telegraph“. Der Flughafen diene in erster Linie der nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Nordhessens.

Dass der Flughafen im Fokus steht, wundert Airport-Chefin Maria Muller nicht. „Vergessen Sie bitte nicht, wir haben Wahlkampf in Hessen und da bleibt kein Schwimmbad und kein Flughafen verschont.“

Kommentare (10)

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Kasseler

22.08.2013, 15:17 Uhr

Ich komme aus Kassel und kann diesen Artikel in einigen Punkten nicht bestätigen.
Es mag sein, dass Angestellte sich über diesen Flughafen erfreuen, allerdings ist das bei dem Rest der Bevölkerung Kassels und Umgebung nicht der Fall. Der Flughafen Paderborn hatte selbst immer schwer zu kämpfen, kam aber einigermaßen auf die Schwarze Null. Mir erschließt es deshalb nicht, warum man diesen Flughafen baute.

JensK

22.08.2013, 15:30 Uhr

Die Verlogenheit und Unverschämtheit der sogenannten Geschäftsführerin Muller stinkt zum Himmel: Sie hat von 100.000 von ihr zusätzlich prognostizierten Fluggästen 2013 einen Rückgang um 80 % auf jetzt nur noch ca. 20.000 zu verantworten. Aus 20 verbindlich angekündigten Urlaubsflügen sind jetzt in der Hauptsaison nur 3 geblieben.

Jetzt möchte Sie sich als Gewinnerin feiern lassen, indem Sie fingierte Kritik (es würde nie ein Grossflugzeug in Calden landen), als Erfolgsmasstab ins Spiel bringt. Fakt ist, dass 80 % der Verbindungen und Passagiere des Plans nicht stattfinden. Die Geschäftsführung unter ihr hat komplett versagt. Die Verlogenheit zieht sich wie ein charakterliches Merkmal dieser Einzelperson. Passagieren wird teilweise wider besseren Wissens erst in der jeweiligenVorwoche der Flug abgesagt: Sie haben dann Optionsrecht vom Flug zurückzutreten oder von Düsseldorf aus abzureisen.

Schon zum missratenen Start im April versuchte diese Person zu suggerieren in Kassel sei alles nach Plan verlaufen. Dabei hat sich das Baubudgetudget fast verdoppelt von ursprünglich 150 Mio. € Baukosten, der Flughafen wurde zudem 2 Jahre später eröffnet, als geplant.

Dieser Frau Muller ist eine Weltmeisterin in Versprechungen, Ausreden, Manipulation und hinterhältiger Argumentation.
Selbst die Befürworter sollten sich überdenken: Ist dieser Frau wegen ihrer Erfolglosigkeit und charakterlichen Mängel überhaupt haltbar?
Ich bin mir sicher nach der Wahl wird Sie auf dem Amt sein - in jeder Regierungskonstellation. Sie ist, vorher ebenso erfolglos in Rostock, in der Luftfahrtbranche ohnehin verbrannt. Das wird der allererste Schritt sein, wenn aus Kassel überhaupt noch etwas werden soll...
Ich bin mir sicher nach der Wahl wird Sie auf dem Amt sein - unter jeder Regierungskosntellation.

Und der stark defizitäre, weil mit sehr hohen Vorhaltekosten verbundene Charterbetrieb wird nach Halbierung der Subventionen aufgegeben!

Account gelöscht!

22.08.2013, 16:05 Uhr

Steuergelder verbraten ist nicht strafbar... das muß sich ändern. Was dort passiert ist gleicht einem Schildbürgerstreich.
Aberwitzig und verantwortungslos!

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