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10.07.2015

10:18 Uhr

Kaufhaus

Karstadt-Filiale in Mönchengladbach bleibt offen

Die Karstadt-Filiale in Mönchengladbach-Rheydt muss nun doch nicht schließen. Die Stadt will das Gebäude kaufen und den Standort insgesamt attraktiver machen. 100 Arbeitsplätze sind damit gesichert.

Der Standort in Mönchengladbach-Rheydt stand seit Mitte Mai kurz vor dem Aus. dpa

Karstadt-Filiale

Der Standort in Mönchengladbach-Rheydt stand seit Mitte Mai kurz vor dem Aus.

EssenDie kriselnde Kaufhauskette Karstadt wird die Filiale in Mönchengladbach-Rheydt doch nicht schließen. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach könne die Filiale weitergeführt werden, teilte Karstadt am Donnerstagabend in Essen mit. Ein Großteil der derzeit 100 Arbeitsplätze könne somit erhalten bleiben. Den Angaben zufolge kauft die Stadt das Gebäude.

„Gemeinsam mit kompetenten und engagierten Wirtschaftsförderungsgesellschaften können wir sehr viel erreichen“, erklärte Karstadt-Chef Stephan Fanderl. Es gebe eine hohe Bereitschaft der Stadt, den Karstadt-Standort und das Einzugsgebiet in Rheydt weiter attraktiv zu gestalten. Eine neues Belegungskonzept mit Mitmietern aus dem Lebensmittel- und Drogeriebereich werde den Standort sehr viel attraktiver machen.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Der Chef der Entwicklungsgesellschaft, Ulrich Schückhaus, erklärte, mit dem Kauf des Karstadt-Gebäudes seien auch die vorangegangenen Investitionen in die Innenstadt von Rheydt in Höhe von rund 30 Millionen Euro nicht umsonst gewesen.

Karstadt hatte Mitte Mai die Schließung von fünf Filialen angekündigt, darunter die in Mönchengladbach-Rheydt. Für die Standorte gebe es keine Zukunftsperspektive, hieß es damals. Umsatz und Ergebnis hätten sich „seit Jahren“ negativ entwickelt.

Karstadt hatte den „steigenden Wettbewerbsdruck durch teils innerstädtische Einkaufscenter“ und eine negative Bevölkerungs- und Kaufkraftentwicklung der Städte beklagt und kritisiert, dass „in den meisten Fällen“ dem keine Initiativen der Städte oder Wirtschaftsförderungsgesellschaften zur Verbesserung des innerstädtischen Handels gegenüber stünden.

Von

afp

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