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19.10.2015

08:55 Uhr

Kaufhaus-Kette mit weniger Verlust

Karstadt kommt immer besser in die Spur

Der Umsatz schrumpft weiter, aber die Sanierung bei Karstadt trägt offenbar Früchte. Eine weitere Filiale bleibt geöffnet. Den Nettoverlust soll die Kaufhaus-Kette mehr als halbiert haben.

Das Betriebsergebnis soll im abgelaufenen Geschäftsjahr nahezu ausgeglichen sein. dpa

Neue Beleuchtung für Karstadt

Das Betriebsergebnis soll im abgelaufenen Geschäftsjahr nahezu ausgeglichen sein.

BerlinDer Sanierungskurs von Karstadt zahlt sich einem Zeitungsbericht zufolge langsam aus. Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 sei der Umsatz zwar weiter um 2,7 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro gesunken, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Montagausgabe) ohne Angabe von Quellen. Der Nettoverlust habe aber auf 60 bis 70 Millionen Euro eingedämmt werden können. Das Betriebsergebnis sei nahezu ausgeglichen.

Für das Geschäftsjahr 2013/14 hatte Karstadt bei einem Umsatz von 2,65 Milliarden Euro einen Betriebsverlust von 108 Millionen Euro und einen Fehlbetrag von gut 190 Millionen Euro ausgewiesen.

Der österreichische Immobilien-Investor Rene Benko hatte Karstadt 2014 übernommen und zunächst den Rotstift angesetzt. Bis spätestens 2016 sollen noch vier weitere Filialen schließen. Wie die Zeitung weiter berichtet, soll das Jahresergebnis am Mittwoch bekanntgegeben werden.

In der vergangenen Woche hatte Karstadt seine Schließungspläne weiter reduziert: Neben dem Warenhaus in Mönchengladbach soll nun auch die Filiale in Dessau weitergeführt werden. Karstadt-Finanzvorstand Miguel Müllenbach sagte am Donnerstag, damit könnten rund 70 Arbeitsplätze erhalten bleiben. Karstadt habe mit dem neuen Eigentümer der Immobilie in Dessau „einen neuen Mietvertrag auf angepasster wirtschaftlicher Basis“ abschließen können, begründete der Manager den Kurswechsel.

Karstadt hatte im Mai angekündigt, im Zuge der Sanierung 2016 die Filialen in Recklinghausen, Bottrop, Mönchengladbach-Rheydt, Dessau und Neumünster aufzugeben. Die Standorte hätten keine Zukunftsperspektive. Bereits im Juli hatte das Unternehmen jedoch die Schließungspläne für das Haus in Mönchengladbach revidiert. Dort hatte die Entwicklungsgesellschaft der Stadt (EWMG) das Karstadt-Haus vom bisherigen Eigentümer gekauft und dem Unternehmen attraktivere Rahmenbedingungen für den Verbleib geboten. Zu den anderen Schließungsfilialen äußerte sich der Konzern nicht.

Karstadts Krisen-Chronik

Lange Leidensgeschichte

Die Krisengeschichte der angeschlagenen Warenhauskette Karstadt ist lang, 2009 begann das Insolvenzverfahren. Eine Übersicht über sechs Jahre Überlebenskampf.

1. September 2009

Nach Jahren des Überlebenskampfes wird für die Karstadt Warenhaus GmbH das Insolvenzverfahren eröffnet.

7. Juni 2010

Die Berggruen Holding des Privatinvestors Nicolas Berggruen bekommt den Zuschlag zur Übernahme.

20. September 2010

Das Amtsgericht Essen hebt das Insolvenzverfahren auf. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro, die Belegschaft auf 150 Millionen Euro.

23. November 2010

Der frühere Woolworth-Manager Andrew Jennings wird zum neuen Karstadt-Chef bestellt und beginnt Anfang Januar 2011.

6. Juli 2011

Jennings legt das Konzept „Karstadt 2015“ vor: Modernisierung der Warenhäuser, stärkeres Online-Geschäft und Expansion der Sporthäuser sind der Kern.

16. Juli 2012

Karstadt kündigt die Streichung von 2000 Stellen an.

13. April 2013

Karstadt kündigt eine „Tarifpause“ für die Beschäftigten an. Die Belegschaft protestiert.

16. September 2013

75,1 Prozent der Premium-Kaufhäuser und der Sporthäuser gehen an den Karstadt-Vermieter Signa. Dafür sollen die Österreicher 300 Millionen Euro in die Modernisierung investieren.

7. Juli 2014

Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt, die dem Ende 2013 augeschiedenen Jennings folgte, verlässt das Unternehmen wieder. Sie sehe keine Basis mehr für die von ihr angestrebten Sanierung, sagt die Ex-Ikea-Managerin.

15. August 2014

Berggruen verkauft die Karstadt Warenhaus GmbH für einen Euro an den österreichischen Immobilieninvestor René Benko.

23. Oktober 2014

Die Warenhauskette kündigt tiefe Einschnitte an. Sechs Häuser sollen geschlossen werden.

22. Februar 2015

Nach monatelangen Verhandlungen zur Sanierung einigen sich Konzern und Betriebsrat. So wurden Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen vereinbart. Rund 1400 Jobs sollen wegfallen.

2. April 2015

Dank sozialverträglicher Maßnahmen schrumpft die Zahl der Kündigungen auf 960. Außerdem zahlt Karstadt 2,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Betroffenen.

10. April 2015

Teileinigung bei den Tarifverhandlungen: KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München kehren in die Tarifbindung zurück. Verhandlungen für die „normalen“ Karstadt-Warenhäuser und die Sporthäuser bleiben ohne Einigung.

12. Mai 2015

Weitere fünf Warenhäuser sollen geschlossen werden.

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