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24.09.2013

17:12 Uhr

Kaufhauskonzern

Karstadt-Tarifgespräche bleiben vorerst ergebnislos

Verdi will die Zerschlagung Karstadts verhindern – und fordert eine Bestandserklärung von den Eignern Berggruen und Benko. Bislang wurde noch nicht darüber verhandelt. Auch über die „Tarifpause“ gibt es weiter Streit.

Folgenschwere Entscheidung: Karstadt hatte im Mai als Teil der Sanierung Karstadts den Ausstieg aus der Tarifbindung bis 2016 angekündigt. dpa

Folgenschwere Entscheidung: Karstadt hatte im Mai als Teil der Sanierung Karstadts den Ausstieg aus der Tarifbindung bis 2016 angekündigt.

DüsseldorfNach dem geplanten Verkauf der Luxus- und Sporthäuser des angeschlagenen Karstadt-Konzerns pocht die Gewerkschaft Verdi auf Zusagen der Eigner, dass der Warenhausriese nicht zerschlagen wird. Die Arbeitnehmer wollten eine „Zukunftserklärung von den beiden Eigentümern Nicolas Berggruen und René Benko, dass Karstadt im Ganzen mit allen Standorten und Beschäftigten auch künftig erhalten bleiben soll“, betonte die Gewerkschaft nach Gesprächen mit dem Karstadt-Management am Dienstag.

Es sei völlig offen, was die Investoren Berggruen und Benko letztlich planten, unterstrich Verdi-Verhandlungsführer Rüdiger Wolff. Dies belaste die Gespräche: „Man kann nicht verhandeln, wenn man Ziele und Details nicht kennt.“ Die Beschäftigten müssten die Gewissheit haben: „Wir sind und bleiben Karstadt.“

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Verdi und die Karstadt-Geschäftsführung hatten am Montag und Dienstag in einer ersten Verhandlungsrunde in Düsseldorf über Beschäftigungs- und Standortsicherungen sowie über die Rückkehr zur Tarifbindung beraten. Karstadt beharrt dabei auf einem vorübergehenden Ausstieg aus dem Flächentarifvertrag: „Für die langfristige Gesundung des Unternehmens brauchen wir (..) den Karstadt-Tarifweg“, betonte Arbeitsdirektor Kai-Uwe Weitz.

„Gerade weil wir keinen Stellenabbau wollen, dürfen die ersten sichtbaren Erfolge nicht durch die sofortige volle finanzielle Mehrbelastung des Flächentarifvertrages gefährdet werden“, sagte er. Es gebe im Einzelhandel bereits mehrere Beispiele für pragmatische Lösungen.

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