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02.10.2015

18:44 Uhr

Kaufhof-Eigentümer HBC

Die Kampfansage an Karstadt

VonFlorian Kolf

Kaufhof ist jetzt in kanadischer Hand – und der neue Eigentümer geht direkt in die Offensive. HBC-Chef Richard Baker will die Kunden wieder begeistern und setzt dabei auf völlig andere Rezepte als Karstadt.

Der neue Eigentümer hat große Pläne mit der Warenhauskette. picture-alliance / dpa

Kaufhof-Filiale in Chemnitz

Der neue Eigentümer hat große Pläne mit der Warenhauskette.

DüsseldorfAuf den ersten Blick ist es ein Himmelfahrtskommando. Experten haben längst den Tod des Warenhauses ausgerufen. Wie zum Beweis hat sich der Gewinn von Kaufhof im vergangen Quartal mehr als halbiert. Doch den neuen Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) irritiert das nicht. Der kanadische Handelskonzern ist überzeugt: Das Warenhaus lebt – nur in anderer Form, als wir es bisher in Deutschland erleben. „Das Geschäft ist sehr konservativ betrieben worden, ohne Risiken einzugehen. Die Chancen für uns, das zu ändern, sind groß“, sagt HBC-Chef Richard Baker im Handelsblatt-Interview selbstbewusst.

Baker hat nicht 2,8 Milliarden Euro für Kaufhof bezahlt, um sich in sein Schicksal zu ergeben. Dass er in der Lage ist, eine angeschlagene Kaufhauskette zu sanieren, hat Baker schon bei Hudson’s Bay bewiesen. 2008 hat er die kanadische Kette gekauft und innerhalb von fünf Jahren den Umsatz um 30 Prozent gesteigert. Sein Rezept: Mehr Service, ein attraktiveres Sortiment und eine konsequente Verzahnung von Online und stationärem Geschäft.

Kaufhaus-Chef Richard Baker: „Der Weg mit Kaufhof ist ein Marathon“

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Richard Baker hat Hudson’s Bay in Kanada zum Marktführer gemacht. Nun hat er der Metro Kaufhof abgekauft. Der neue Eigentümer über die Warenhäuser, Entlassungen – und warum es beim Schuhkauf wieder Service gibt.

Einen ähnlichen Turnaround will er auch bei Kaufhof hinlegen. „Unsere Philosophie, hier wie allen unseren Geschäftsbereichen, lautet: Wachstum“, so Baker. Er setzt auf mehr Bedienung, will langfristig die Zahl der Mitarbeiter bei Kaufhof sogar ausbauen. Außerdem will er seine Luxusmarke Saks Fifth Avenue und die Outletkette Saks Off 5th mit eigenen Läden nach Deutschland holen. Die Investitionen, so heißt es im Unternehmen, sollen mindestens verdoppelt werden.

Eine „Kampfansage“ an Karstadt nennt das Joachim Stumpf von der BBE Handelsberatung. „Der Wettbewerb wird noch mal sehr viel härter werden.“ Zumal HBC mit Kaufhof fast durch die Bank 1-A-Lagen erworben habe.

Karstadt hat dem zurzeit wenig entgegenzusetzen. Im Geschäftsjahr 2013/14 hat der Kaufhof-Konkurrent rund 190 Millionen Euro Verlust gemacht, die Schließung von weiteren Häusern ist schon beschlossen. Der Konzern versucht, sich in die schwarzen Zahlen zu sparen. Chef Stephan Fanderl stellt einen Gewinn frühestens für das kommende Geschäftsjahr 2015/16 in Aussicht.

Karstadt-Eigentümer René Benko hat bis zuletzt davon geträumt, Karstadt und Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG zu verschmelzen. Baker hat dafür nur milden Spott übrig: „Wir konzentrieren uns ganz auf unser eigenes Geschäft und haben nicht die Absicht, die Probleme von anderen Leuten zu übernehmen.“

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Schon Wochen vor der offiziellen Übernahme am 1. Oktober machten die Abgesandten von HBC allen in der Kölner Hauptverwaltung von Kaufhof klar, dass künftig ein anderer Wind weht. Als „langweilig“ bezeichnet HBC-Chef Baker unverhohlen die Warenhäuser der Traditionskette. Die Ansage ist klar: Ihr habt alle Voraussetzungen erfolgreich zu sein – also strengt euch an.

Als größte Baustelle bei Kaufhof hat das HBC-Management das Onlinegeschäft ausgemacht. Ist bis jetzt nur ein Bruchteil der Waren im Netz verfügbar, soll der Kunde künftig elektronisch auf jedes Produkt, ob im Lager oder in der Filiale zugreifen können und selbst entscheiden, ob er es sich im Kaufhaus abholen oder zuschicken lassen will. Von heute drei auf bis zu 20 Prozent soll so der Umsatz steigen. Dafür investiert HBC Millionen in neue IT-Systeme.

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