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25.10.2015

14:29 Uhr

Kaufhof gegen Karstadt

Das Duell der schwächelnden Giganten

Zwei Kaufhäuser, zwei Strategien, ein Scheideweg – für die einstigen Warenhausriesen Karstadt und Kaufhof steht viel auf dem Spiel. Kaufhof will aufregender werden, Karstadt regionaler. Wer macht am Ende das Rennen?

Karstadt und Kaufhof waren einst riesige Warenhauskette. Nun brauchen sie neue Strategien, um fortzubestehen. dpa

Das Duell der schwächelnden Giganten

Karstadt und Kaufhof waren einst riesige Warenhauskette. Nun brauchen sie neue Strategien, um fortzubestehen.

Essen/KölnDeutschlands Warenhauslandschaft ist im Umbruch. Im Kampf um den Kunden gehen Karstadt und Kaufhof unter ihren neuen Eigentümern ganz unterschiedliche Wege. Kaufhof setzt auf mehr Mode, mehr Service und mehr Internet. Karstadt will dagegen verstärkt mit einem auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmten Angebot punkten. Für beide Ketten steht viel auf dem Spiel. Denn nach Einschätzung von Branchenexperten dürfte in den kommenden zehn Jahren jedes dritte Warenhaus seine Türen schließen.

Kurz vor dem Start des wichtigen Weihnachtsgeschäfts sieht Karstadt-Chef Stephan Fanderl den Warenhauskonzern auf dem richtigen Weg. Die Sanierungsbemühungen der vergangenen Monate zeigten inzwischen sichtbare Erfolge. „Wir verdienen an der Ladenkasse wieder Geld. Das war viele Jahre nicht der Fall“, betonte Fanderl, der seit einem Jahr die Geschicke des Konzerns leitet, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

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Zwar war das Ergebnis unter dem Strich noch rot. Doch hofft Fanderl, dies im kommenden Jahr zu ändern und auch unter dem Strich ausgeglichen abzuschließen. Der Start ins Weihnachtsquartal sei jedenfalls schon einmal gut gelaufen.

Karstadt setzt auf die verstärkte Anpassung seiner Angebote an die lokalen Bedürfnisse. „Wir werden die Regionalisierung unserer Häuser vorantreiben und für jedes Haus aus unseren 16 Millionen Artikeln ein eigenes Sortiment entwickeln“, verspricht Fanderl. „Ich glaube, unsere Chancen in den jeweiligen Innenstädten definieren sich durch das Umfeld. Von Schreibwaren bis zu Elektrogeräten müssen wir in der Lage sein, das richtige Angebot zu bieten.“ Wenn es beispielsweise weit und breit keinen starken Schreibwarenhändler gebe, müsse Karstadt diese Kategorie verstärken. Den Fashion-Anteil wolle man dagegen nicht weiter steigern.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Ganz anders ist die Strategie des ewigen Rivalen Kaufhof. Dessen neuer Eigentümer HBC setzt auf mehr Mode, mehr Service und mehr Internet. „Die Kaufhäuser in Deutschland haben beste Chancen, großartig zu sein – aber sie sind es noch nicht“, sagte HBC-Chef Richard Baker kürzlich im Gespräch mit dem „Handelsblatt“.

Es fehle das Aufregende, das Unterhaltsame. Deshalb will der neue Kaufhof-Eigentümer zunächst Bereiche wie Schuhe, Kosmetik, Uhren und Schmuck ausbauen. Kaufhof brauche vor allem in der Damenbekleidung einen „noch höheren Fashion-Anteil am Sortiment“, heißt es im Unternehmen.

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