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15.06.2015

10:40 Uhr

Kaufhof geht an Hudson's Bay

Benkos Traum ist ausgeträumt

Deutsche Warenhaus AG ade: Karstadt-Eigner René Benko scheitert im Bietergefecht um Kaufhof. Die Metro verkauft die 119 Filialen an Hudson's Bay. Die Kanadier wagen den Sprung nach Europa.

Anstehende Veränderungen

Kaufhof-Übernahme: Das plant Hudson's Bay

Anstehende Veränderungen: Kaufhof-Übernahme: Das plant Hudson's Bay

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Düsseldorf/TorontoIm deutschen Warenhausmarkt werden die Karten neu gemischt: Metro verkauft seine Tochter Galeria Kaufhof an den nordamerikanischen Handelsriesen Hudson's Bay für 2,825 Milliarden Euro. Der deutsche Marktführer soll für die Kanadier die Basis für eine weitere Expansion in Europa bilden.

Hudson's-Bay-Chef Richard Baker versicherte am Montag, sein Konzern plane auch deshalb keine Stellenstreichungen bei Kaufhof. Vielmehr wolle er massiv in die Kette mit ihren 21.500 Mitarbeitern investieren. Damit muss sich Karstadt auf verstärkte Konkurrenz einstellen. Karstadt-Eigner Rene Benko hatte sich erneut vergeblich um Kaufhof bemüht.

Kaufhof – ein Warenhaus mit Tradition

Kaufhofs Geschichte

Die Galeria Kaufhof GmbH ist neben Karstadt das älteste und traditionsreichste Warenhaus in Deutschland. 1996 fusionierte das Unternehmen mit dem Handelsriesen Metro.

Ursprung

Den Grundstein des Unternehmens legte der Textilhändler Leonhard Tietz, der 1879 ein Geschäft in Stralsund für Knöpfe, Garne, Stoffe und Wollwaren gegründet hatte.

Aktiengesellschaft

Rund ein Vierteljahrhundert später war er der erste Warenhausbetreiber, der sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umwandelte.

Zukäufe

Der letzte große Zukauf datiert aus dem Jahr 1994, als Kaufhof den Konkurrenten Horten schluckte. Im Frühjahr 2008 setzte der damalige Vorstandschef Eckhard Cordes die Tochterfirma auf die Verkaufsliste.

Verkaufsgespräche waren eingestellt

Im Januar 2012 stoppte die Metro-Gruppe die Verkaufsgespräche für die Warenhauskette Kaufhof. Die Gespräche mit Interessenten für die Übernahme würden bis auf Weiteres eingestellt. Als Grund gab das Unternehmen die „nicht optimale Situation an den Finanzmärkten“ an. Trotzdem wollte Metro den Konzern gerne loswerden – und sah jetzt dazu die Chance.

Aktuelle Zahlen

Mit gut 3,1 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2013/14 ist Galeria Kaufhof die kleinste von vier Metro-Vertriebslinien. Vor Steuern und Zinsen machte Kaufhof im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres ein Plus von 115 Millionen Euro. Vertreten ist das Warenhaus an 119 Standorten in Deutschland und 16 in Belgien.

„Wir sind zufrieden und stolz, Kaufhof an Hudson's Bay übergeben zu können“, sagte Metro-Chef Olaf Koch am Morgen in einer Telefon-Konferenz. „Hudson's Bay verfolgt eine Strategie internationalen Wachstums und Galeria Kaufhof wird hierbei eine zentrale Rolle spielen“, betonte er. Hudson's Bay habe Kaufhof bereits seit 2006 im Auge gehabt, sagte Baker. Die Kanadier hätten sich mit dem deutschen und europäischen Markt vertraut gemacht - und freuten sich auch auf die Zusammenarbeit mit Betriebsräten und Gewerkschaft. In der Vergangenheit hatte sich im von scharfer Konkurrenz geprägten deutschen Einzelhandel etwa der US-Riese Wal Mart die Zähne ausgebissen.

Hudson's Bay habe großen Respekt vor den Leistungen der Kaufhof-Mannschaft, versicherte Baker. Die Hauptverwaltung von Kaufhof bleibe in Köln. Zudem wollen die Kanadier mit dem bestehenden Management-Team von Kaufhof weitermachen. Kaufhof betreibt knapp 140 Waren- und Sporthäuser in Deutschland und Belgien. Im Geschäftsjahr 2013/14 setzte die Kette rund 3,1 Milliarden Euro um.

Der angeschlagene Konkurrent Karstadt betreibt noch gut 80 klassische Warenhäuser - der neue Eigner Benko hatte den Rotstift angesetzt und unter anderem das Aus für Warenhäuser in Hamburg und Stuttgart verkündet.

Der über Jahre geplante Verkauf des Kaufhof lässt bei Metro die Kassen klingeln. Ein positiver Sonderertrag für das Betriebsergebnis (Ebit) von 700 Millionen Euro sei die Folge, berichtete Koch. Zudem könne der Düsseldorfer Handelskonzern seine Nettoverschuldung um rund 2,7 Milliarden Euro reduzieren. Die Transaktion werde wohl Ende September abgeschlossen sein. Analysten begrüßten den Verkauf - dieser sei eine gute Nachricht für die Metro-Anteilseigner, erklärte die DZ Bank.

Trotzdem starteten Metro-Aktien am Morgen mit Verlusten. Einem Händler zufolge sorgte der Kaufpreis für Enttäuschung. Investoren hätten mit mindestens drei Milliarden Euro gerechnet.

Kommentare (1)

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15.06.2015, 09:12 Uhr

Die Deutsche Warenhaus AG kann es immer noch geben, allerdings nicht unter Benko. Nun ist knallharte Sanierung bei Karstadt angesagt und eine ehrliche Marktstudie, ob Karstadt in Zukunft allein überhaupt eine Chance hat.
Sinnvoll wäre es sicherlich Karstadt und Kaufhof nicht weiterhin in Konkurrenz zueinander zu halten, sondern Karstadt so anzupassen und zu sanieren, dass es nahtlos bei Kaufhof eingefügt werden kann. Benko könnte so das ewige Problem Karstadt mit Gewinn nach wenigen Jahren wieder abstoßen. Es bringt für beide betriebswirtschaftlich am Ende zu wenig gegen die Online-Konkurrenz allein weiter zu wursteln und die möglichen Synergien nicht zu nutzen.

Im Übrigen, wenn der Mittelschicht hier in Deutschland ähnliches blüht wie der Mittelschicht in den USA und deren angepasste Doof- und Dummheit spricht dafür, dann werden die Umsätze der deutschen Warenhäuser in Zukunft noch eklatanter sinken.

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