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29.12.2015

14:14 Uhr

Kaufhof und Karstadt

Das Kaufhaus ist tot. Es lebe das Kaufhaus.

VonFlorian Kolf

Karstadt und Kaufhof wollen beweisen, dass Warenhäuser noch immer eine gute Idee sind – mit komplett unterschiedlichen Konzepten. Die beiden werden sich 2016 weiter ein Duell liefern. Ist genügend Platz für zwei?

„Wir versprechen keine schnellen Wunder.“ dpa

Karstadt vs. Kaufhof

„Wir versprechen keine schnellen Wunder.“

DüsseldorfDer neue kanadische Eigentümer der Warenhauskette Kaufhof strotzt vor Optimismus. „Wir wollen Kaufhof dabei unterstützen, überall das beste Warenhaus am Platz zu sein“, sagt HBC-Chef Richard Baker selbstbewusst. In den kommenden fünf Jahren will er ausgerechnet im immer wieder totgesagten Kaufhaussegment den Umsatz um 30 Prozent steigern.

Wie das gehen soll, das weiß er auch. „Die Kunden lieben Kaufhäuser, weil sie dort eine größere Auswahl verschiedener Modemarken bekommen. Aber sie kommen nicht dorthin wegen der Basisartikel“, sagt er. Deswegen soll das Kaufhof-Management im Sortiment konsequent auf Mode, Schuhe, Handtaschen und Kosmetik setzen.

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Auch der direkte Konkurrent gibt sich kämpferisch. Auf einer Führungskräftetagung Anfang November verbreitete Karstadt-Chef Stephan Fanderl Durchhalteparolen. „Wir haben ein zum Teil stürmisches Jahr hinter uns“, rief er. „Ein Geschäftsjahr, das aber in der Sanierung bereits zum besten der letzten zehn Jahre wurde.“ Die Filialergebnisse seien bereits um 60 Prozent gesteigert worden. Im laufenden Geschäftsjahr werde das Unternehmen auch wieder Geld verdienen.

Strategisch dagegen setzt er auf den Gegenentwurf zu HBC. Denn statt die große weite Modewelt in alle Häuser zu holen, will er die Standorte regionalisieren. Das heißt für ihn, „alles was für unsere lokale Kundschaft relevant ist, unter einem Dach anzubieten“. Das kann dann auch mal der 5-Liter-Eimer weiße Wandfarbe sein.

Es wird ein spannendes Duell. Denn im kommenden Jahr 2016 wird sich zeigen, welche Strategie erfolgreicher dabei ist, das Prinzip Warenhaus in Deutschland in die Zukunft zu führen – die der kanadischen Eigentümer von Kaufhof oder die von Karstadt mit ihrem österreichischen Investor René Benko.

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Zusätzliche Brisanz bekommt der Zweikampf, weil er ursprünglich gar nicht stattfinden sollte. So wollte Benko den Konkurrenten Kaufhof vom Eigentümer Metro übernehmen und mit Karstadt zu einer Deutschen Warenhaus AG verschmelzen. Lange Zeit galt er dafür auch als Favorit, bis unverhofft die kanadische Hudson’s Bay Company (HBC) auftauchte und mit einem für Metro attraktiven Angebot den Deal Mitte Juni dieses Jahres für sich entschied.

Rund 2,8 Milliarden Euro hat die HBC-Gruppe gezahlt, zu der auch die amerikanischen Ketten Saks Fifth Avenue und Lord + Taylor gehören. Benko hatte einen Kaufpreis in ähnlicher Höhe geboten. Doch bei Metro blieben bis zuletzt starke Zweifel an der Finanzierung des österreichischen Investors und an seinem Zukunftskonzept für Kaufhof.

Kommentare (1)

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Doro Mann

30.12.2015, 12:44 Uhr

Die überschlauen Kandier werden mit ihrem Luxuskonzept den Kaufhof zu Grabe tragen. Sie haben nicht erkannt, dass ein Kaufhaus Preise für die Masse braucht, um überleben zu können. Wenn Manager sich zu fein sind, um Noname-Produkte zu verkaufen, dann gehören sie entlassen.

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