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27.05.2014

11:59 Uhr

Kaufvertrag unterzeichnet

Nordic wird neuer Eigner von P+S-Werft

Ende einer langen Hängepartie: Der Verkauf der P+S-Werft in Stralsund ist besiegelt, der Kaufvertrag unterzeichnet. Drei der vier Großwerften in Mecklenburg-Vorpommern sind nun in der Hand eines russischen Unternehmers.

Der Ausrüstungskai auf der P+S-Werft am Standort Volkswerft Stralsund: Nordic Yards wird der neue Eigner von P+S Werft. dpa

Der Ausrüstungskai auf der P+S-Werft am Standort Volkswerft Stralsund: Nordic Yards wird der neue Eigner von P+S Werft.

Stralsund/WismarRund 21 Monate nach der Pleite der P+S-Werften bekommt die Stralsunder Volkswerft einen neuen Eigentümer. Der russische Eigner von Nordic Yards, Witali Jussufow, und Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann haben den Kaufvertrag für den Erwerb der Stralsunder Werft unterschrieben, wie die Nachrichtenagentur dpa am Dienstag aus Gläubigerkreisen erfuhr.

Demnach übernimmt Nordic Yards aus Wismar die Werft zum 1. Juni. Bis zum Jahresende sollen 250 Beschäftigte in Stralsund tätig sein. Nordic will dort Offshore-Plattformen bauen. Das Unternehmen hatte vor der Vertragsunterzeichnung angeboten, einen Kaufpreis von fünf Millionen Euro zu zahlen, sowie weitere 1,5 Millionen Euro, sobald der Standort Gewinn macht.

Das Auf und Ab der P+S-Werften

1948

Die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast werden gegründet.

1992

Die Bremer Hegemann-Gruppe übernimmt die Peene-Werft in Wolgast. Jahrelang hat sie volle Auftragsbücher.

Juli 2007

Die Hegemann-Gruppe übernimmt auch die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Frühjahr 2009

In beiden Werften werden die Aufträge knapp. Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009

Finanz-und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über9 Millionen Euro.

Juni 2010

Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010

Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zusichern.

August 2011

Die P+S-Werften erhalten einen Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012

Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012

Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012

Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012

Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012

Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August

Das Land stoppt die Hilfen.

29. August

Die Werftengruppe reicht den Insolvenzantrag ein.

Brinkmann und Jussufow wollen am Dienstagnachmittag in Wismar Details des Verkaufs bekanntgeben. Zuvor muss der Gläubigerausschuss den Vertrag billigen. Mit dem Verkauf der Stralsunder Volkswerft an Jussufow sind drei der vier Großwerften in Mecklenburg-Vorpommern in der Hand des russischen Unternehmers. Die Landesregierung - größter Sicherungsgläubiger der Volkswerft - hatte bereits Ende April ihre Zustimmung zu einem Verkauf an Nordic signalisiert, nachdem sich Verhandlungen mit anderen Interessenten zerschlagen und Nordic sein Angebot nachgebessert hatte.

Die P+S-Werften in Wolgast und Stralsund mit zuletzt 1750 Mitarbeitern mussten Ende August 2012 Insolvenz anmelden. Die auf den Marineschiffbau spezialisierte Werft in Wolgast ging zum Mai 2013 an die Bremer Lürssen-Gruppe. Dort arbeiten rund 300 Schiffbauer. Das Angebot von Nordic für die Stralsunder Werft sah vor, die Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren auf 500 zu verdoppeln.

Von

dpa

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