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12.08.2013

16:46 Uhr

Kein neuer Investor

Schlecker-Nachfolger Dayli macht dicht

Statt in Deutschland zu expandieren ist für den österreichischen Schlecker-Nachfolger Dayli alles aus: Die Geschäfte werden geschlossen. Doch Ex-Chef Rudolf Haberleitner will sich nicht geschlagen geben.

Eine Dayli-Mitarbeiterin wartet auf Kundschaft: Die Drogerie-Kette scheint am Ende zu sein. Reuters

Eine Dayli-Mitarbeiterin wartet auf Kundschaft: Die Drogerie-Kette scheint am Ende zu sein.

WienEs klang zu schön, um wahr zu sein - und das war es dann wohl auch: Nach europaweiten Expansionsplänen muss der insolvente Schlecker-Nachfolger Dayli in Österreich schließen. Das Unternehmen wird zerschlagen, teilte Insolvenzverwalter Rudolf Mitterlehner am Montag mit. Nach Abwicklung der größten Handelspleite in Österreich seit 20 Jahren haben dann rund 3500 Mitarbeiter ihre Arbeit verloren. Aktuell betroffen sind die 522 noch offenen, österreichischen Filialen und das Lager in Pöchlarn.

„Bis zuletzt behaupteten die Investoren, die drohenden, laufenden Verluste abdecken zu wollen, das Geld kam aber nicht“, sagte Mitterlehner. Eine Finanzierungszusage sei nicht eingehalten worden. Investoren könnten nun das Unternehmen aus dem Konkurs herauskaufen: „Nach den Erfahrungen der letzten Tage habe ich auch da keine großen Hoffnungen“, sagte Mitterlehner. Mindestens einer hat aber schon Interesse: Ex-Eigentümer Rudolf Haberleitner kündigt im dpa-Gespräch Kauf und Gründung einer neuen Firma - die womöglich in Deutschland sitzen soll - nach altem Konzept an.

Immer wieder hatte sich Ex-Dayli-Chef Haberleitner mit neuen, immer größeren Plänen an die Öffentlichkeit gewandt: Mit dem Konzept eines modernen Tante-Emma-Ladens wollte er in ganz Europa tausende Schlecker-Geschäfte wiederbeleben und neue eröffnen. Allein in Deutschland und Österreich sollten in einem ersten Schritt 1300 Geschäfte entstehen. Der für den Sommer geplante Deutschland-Start wurde immer wieder verschoben, Gewerkschaften wie Konkurrenten blieben sehr skeptisch.

Die Lehren aus der Schlecker-Pleite

Der Fachmann

Roland Alter hat das erste Buch über die Schleckerpleite geschrieben. Die frühere Siemens-Führungskraft ist heute Professor für Betriebswirtschaft und erfolgreicher Autor. In seinem Buch „Schlecker oder: Geiz ist dumm“ (Rotbuch Verlag) hat er die Gründe für den Niedergang analysiert und acht Lehren daraus gezogen...

Kultur des Vertrauens

Mitarbeiter bringen auf Dauer nur Top-Leistungen, wenn die Vertrauens- und Wertekultur in einem Unternehmen stimmt. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Anton Schlecker entsprach nicht dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns. Selbst das Prinzip der Wahrheit wurde bei Schlecker mit Füßen getreten.

Kritischer Input von außen

Meinungen von außen sind wie frische Luft. Doch statt eines offenes Fensters gab es bei Schlecker nur Mauern. Dabei kann ein Familienunternehmen mit einem gut besetzten Beirat viel erreichen, ohne nennenswert Geld ausgeben zu müssen oder Geheimnisverrat fürchten zu müssen.

Uhren aufhängen statt Zeit ansagen

Studien haben bewiesen: In langfristig erfolgreichen Unternehmen sind die Strukturen so, dass es nur bedingt auf Einzelpersonen ankommt. Um ein Bild zu benutzen: Lieber Uhren aufhängen als ständig die Zeit anzusagen.

Professionalität im strategischen Management

Ein Unternehmen braucht nicht eine Strategie – es braucht für jede Situation die richtige Strategie. Daran ist Schlecker brutal gescheitert. Es braucht einen Mix aus Erfahrung, Intuition und Branchenkenntnis. In dieses Know-how muss ein Unternehmen entsprechend investieren.

Entscheiden, solange entschieden werden kann

Bei Schlecker passierte vieles viel zu spät. Die Medizin wurde verabreicht, als der Patient nicht mehr zu retten war. Rechtzeitig die richtigen Entscheidung vorzubereiten klingt trivial, ist aber ein Kardinalfehler vieler kriselnden Unternehmen á la Schlecker.

Ressourcen für eine neue Strategie bereitstellen

Die beste Strategie, die wirklich zur Rettung taugen könnte, nützt nichts, wenn die Mittel fehlen, um sie umzusetzen. Gerade während einer Aufholjagd braucht es alle möglichen Ressourcen. Auch die wurden bei Schlecker nicht bereitgestellt.

Mit der Öffentlichkeit professionell kommunizieren

Image ist immer mit Vertrauen verbunden. Und Schlecker ging mit seiner Imagekrise alles andere als professionell um. Die Öffentlichkeit sollte das Handelns eines Unternehmens verstehen. Dazu gehört auch eine effektive Kommunikation mit den Medien. Das alles gab es bei Schlecker nicht.

Den richtigen Zeitpunkt zum Gehen finden

Wenn Investoren und Mitarbeiter neues Vertrauen schöpfen sollen, braucht es bisweilen auch personelle Veränderungen. Bei Schlecker war das fraglos so, doch Anton Schlecker verpasste den Abschied gleich mehrfach. Dabei sollte eine Firmenübergabe immer dann stattfinden, wen es dem Unternehmen möglichst gut geht.

Bis zuletzt war mit Ausnahme einiger weniger Filialen auch in Österreich vom neuen Konzept kaum etwas zu sehen: In vielen Geschäften blieben Regale leer, zu den Resten des Schlecker-Sortiments gesellten sich einzelne Produkte wie Nudeln oder Suppenwürfel. Laut Konzept sollte es bei Dayli als modernem Nahversorger auch Lebensmittel und zahlreiche Dienstleistungen geben. Eine geplante Sonntagsöffnung scheiterte in Österreich am Widerstand von Gewerkschaften und Politik.

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