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15.05.2013

14:09 Uhr

Keine Auswirkungen auf Versand

Amazon zeigt sich von Streik unbeeindruckt

Der erste Streik in der Geschichte von Amazon ist vorbei, doch der Konzern bleibt hart: Er lehnt die Forderungen ab und gibt an, dass weniger Angestellte gestreikt haben als von Verdi genannt. Verdi will weiter streiken.

Streikende Beschäftigte des Internet-Versandhändlers Amazon nahmen am 14.05.2013 in Bad Hersfeld an einer Kundgebung teil. Es war der erste Streik in der Geschichte von Amazon. dpa

Streikende Beschäftigte des Internet-Versandhändlers Amazon nahmen am 14.05.2013 in Bad Hersfeld an einer Kundgebung teil. Es war der erste Streik in der Geschichte von Amazon.

Bad HersfeldDer Internet-Versandhändler Amazon zeigt sich vom ersten Streik seiner Belegschaft in Deutschland unbeeindruckt. Nach Angaben des Unternehmens haben am Dienstag auch wesentlich weniger Angestellte an der bislang einmaligen Protestaktion teilgenommen als von der Gewerkschaft Verdi angegeben.

Eine Amazon-Sprecherin bilanzierte am Mittwoch, dass in Bad Hersfeld und Leipzig zusammen nicht einmal 750 Beschäftigte an dem Ausstand teilgenommen hätten. Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter hätten regulär gearbeitet. „Daher kam es zu keinerlei Auswirkungen auf den Versand an Kunden“, sagte die Sprecherin.

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Dienstag von 1100 Streikenden am größten deutschen Standort in Bad Hersfeld berichtet. Zudem hätten 600 Menschen in Leipzig die Arbeit niedergelegt. Es war der erste Streik in der Geschichte von Amazon in Deutschland.

Aufstieg mit Schattenseiten: Wie funktioniert Amazon?

Wie fing Amazon an?

Jeff Bezos gründete amazon.com im Jahr 1995. Den deutschen Ableger amazon.de gibt es seit 1998. Groß wurde das Unternehmen mit dem Versand von Büchern, Videos und Musik-CDs. Seit dem Jahr 2000 können auch fremde Händler ihre Produkte bei Amazon anbieten. Mittlerweile macht der Konzern mit Sitz in Seattle zwei Drittel seines Umsatzes mit Waren wie Computern, Digitalkameras, Mode oder Lebensmitteln. Amazon ist auch einer der Vorreiter bei elektronischen Büchern sowie Musik- und Video-Downloads. Zweites großes Standbein neben dem Handel sind die Webservices mit dem Cloud Computing.

Wie konnte der Konzern so mächtig werden?

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Der Konzern lockt die Kunden mit günstigen Preisen sowie einer schnellen und vielfach kostenlosen Lieferung. Zudem investiert er kräftig, in die Versandzentren wie auch in die Entwicklung neuer Technologie. Dieser Wachstumskurs hat jedoch eine Kehrseite: Die Gewinnmargen sind eher dünn. 2012 machte Amazon einen Verlust von 39 Millionen Dollar. Im Jahr 2013 blieben unterm Strich 274 Millionen Dollar (204 Millionen Euro) – bei einem Nettoumsatz von 74,45 Milliarden Dollar im Jahr 2013.

Wie relevant ist der deutsche Markt?

Es ist der größte Auslandsmarkt. 2012 setzte Amazon hierzulande 8,7 Milliarden Dollar um, umgerechnet sind das derzeit etwa 6,5 Milliarden Euro. Damit lag Deutschland noch vor Japan mit 7,8 Milliarden Dollar und Großbritannien mit 6,5 Milliarden Dollar. Der wichtigste Markt überhaupt ist allerdings Nordamerika mit 34,8 Milliarden Dollar. Amazon wuchs in seiner Heimat zuletzt auch deutlich schneller als im Ausland.

Wie wichtig ist Amazon für Deutschland?

Gemessen am Einzelhandelsumsatz insgesamt ist die Rolle von Amazon überschaubar. Etwa 1,5 Prozent trägt Amazon zum Branchenumsatz von fast 428 Milliarden Euro bei. Das meiste sind jedoch Lebensmittel. Betrachtet man den Online-Handel von Unterhaltungselektronik bis hin zu Büchern, sieht die Sache ganz anders aus: Amazon hält hier fast ein Viertel des Marktes.

Wie ist der Konzern aufgestellt?

In Deutschland unterhält das Unternehmen Logistikzentren in Graben bei Augsburg, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Pforzheim, Brieselang und Koblenz. Dort arbeiten nach Auskunft von Amazon etwa 10.000 fest angestellte Vollzeitmitarbeiter. In Spitzenzeiten wie dem Weihnachtsgeschäft kommen in jedem dieser Zentren Tausende Saisonkräfte hinzu. Weltweit arbeiteten 124.600 Mitarbeiter (Stand: März 2014) im Unternehmen.

Hintergrund des Ausstands ist Verdi zufolge die Forderung nach einem Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Diesen lehnt Amazon ab. Das Unternehmen orientiert sich an der Bezahlung der Logistikbranche. Verdi fordert Verhandlungen. Das Unternehmen sieht derzeit aber „keine gemeinsame Basis“. Verdi will deswegen weiter streiken.

Das US-Unternehmen ist der weltgrößte Online-Versandhändler. Es hat in Deutschland acht Versandlager und rund 9000 Mitarbeiter.

Von

dpa

Kommentare (1)

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imagine

23.05.2013, 20:52 Uhr

Von wegen keine Auswirkungen auf den Versand. Montag bestellt, nach zwei Tagen immer noch nicht verschickt. Artikel storniert. Mittwoch neuen Artikel bestellt - bei beiden wohlgemerkt reguläre Artikel die auch mit Prime verschickt werden konnten - erst stand der Liefertermin auf Samstag und am Donnerstag ist er auch Montag gerutscht.

Hab alle meine Bestellungen von Amazon direkt storniert. Marketplace-Verkäufer liefern dafür aber umso schneller. Immerhin hab ich jetzt einige günstigere Onlineshops gefunden ...

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