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27.09.2011

19:46 Uhr

Keine Beratung mehr

EU greift den Wirtschaftsprüfern ins Geschäft

Die EU-Kommission hat die großen Wirtschaftsprüfer im Visier. Die sogenannten "Big Four" sollen bald keine Unternehmensberatungen mehr anbieten dürfen. Das hätte dramatische Folgen - auch für viele Unternehmen.

Das Firmenschild der Frankfurter Filiale von PWC. dpa

Das Firmenschild der Frankfurter Filiale von PWC.

Hamburg, DüsseldorfBereits vor einem Jahr hatte Binnenmarktkommissar Michel Barnier die Branche der Wirtschaftsprüfer mit ersten Überlegungen aufgeschreckt. Nun packt er den Knüppel aus: Barniers Gesetzesentwurf zur Regulierung der Wirtschaftsprüfer sieht vor, dass die Abschlussprüfer nicht mehr gleichzeitig als Berater tätig sein dürfen. Das bestätigte die EU-Kommission, nachdem erste Informationen über das Vorhaben via Accountancy Age an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Mit seinen Plänen stellt Brüssel das aktuelle Geschäftsmodell der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften infrage. Denn weil das klassische Geschäft mit der Bilanzprüfung seit Jahren stagniert, werden Beratungsleistungen mit ihren ordentlichen Gewinnen immer wichtiger.

Die Pläne der EU-Kommission stoßen allerdings im Europaparlament auf heftigen Widerstand. "Die Kommission kann vorschlagen, was sie will, aber wir sind der Gesetzgeber", sagte der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Klaus-Heiner Lehne (CDU), der Financial Times Deutschland. "Mit uns wird es keine Revolution dieser Art geben. Von diesen Plänen wird nur ein Bruchteil übrig bleiben."

Die EU-Kommission erhofft sich von der Aufgabentrennung  eine größere Unabhängigkeit der Prüfer. Die bestehende Praxis, heißt es in dem Entwurf für das Gesetz, habe die Branche ihres Ethos beraubt: des natürlichen Skeptizismus.

Wirtschaftsprüfer unter Druck

„The Big Four“

„The Big Four“ werden sie genannt, die vier großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen, wie man sie exakt bezeichnet. Nun will die EU ihre Macht beschränken. Die vier großen Wirtschaftsprüfer beschäftigen allein in Deutschland über 30.000 Mitarbeiter.

PwC

Pricewaterhouse Coopers ist in Deutschland Marktführer. 1,34 Milliarden Euro macht der US-Konzern 2010 hierzulande an Umsatz – und das mit 8.637 Mitarbeitern.

PwC

PwC wurde 1848 in London gegründet, hat heute aber seinen Hauptsitz in New York. 2010 machte der Konzern weltweit einen Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar und beschäftigte rund 160.000 Mitarbeiter.

KPMG

Auf Rang zwei liegt in Deutschland KPMG mit einem Umsatz von 1,19 Milliarden Euro. 8.270 Mitarbeiter beschäftigt KPMG hierzulande.

KPMG

KMPGs Sitz ist in der Schweiz, die Hauptverwaltung liegt allerdings im kanadischen Toronto. Weltweit gesehen liegt der Konzern mit 140.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20,6 Milliarden Dollar auf Rang drei.

Ernst & Young

Denn Ernst & Young ist mit einem Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar etwas größer. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 141.000 praktisch gleichauf mit dem Konkurrenten KPMG. Ernst & Young hat seinen Hauptsitz in New York.

Ernst & Young

In Deutschland macht Ernst & Young einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro und liegt damit auf dem dritten Platz. 6.776 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hierzulande.

Deloitte

Die Nummer vier folgt mit einigem Abstand: Deloitte kommt in Deutschland „nur“ auf einen Umsatz von 577 Millionen Euro und beschäftigt 4.602 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wollte Deloitte Roland Berger kaufen, um das Beratungsgeschäft auszubauen. Aber der Deal scheitere am Widerstand der Berger-Partner.

Deloitte

Im weltweiten Vergleich ist Deloitte aber die Nummer zwei mit einem Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar. 170.000 Mitarbeiter beschäftigt das US-Unternehmen.

BDO

Auf Platz fünf liegt in Deutschland BDO. Doch der Abstand ist enorm: BDO macht hierzulande einen Umsatz von 180 Millionen Euro.

Rödl & Partner

Auf Rang sechs folgt Rödl & Partner mit einem Umsatz von 135,5 Millionen Euro. Immerbin sind das acht Prozent mehr als 2009.

Ecovis

Ecovis konnte zulegen, und zwar um rund vier Prozent und kommt nun auf einen Umsatz von 107 Millionen Euro.

Ebner Stolz Mönning Bachem

Langer Name, großer Zuwachs: Ebner Stolz Mönning Bachem hat seinen Umsatz im Jahr 2010 um über zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro gesteigert.

Rölfs

Auf Platz neun liegt Rölfs mit einem Deutschland-Umsatz von 84 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2009.

PKF Fasselt Schlage

In die Top Ten hat es auch PKF Fasselt Schlage. Das Unternehmen kommt in Deutschland auf einen Umsatz von 56 Millionen Euro.

Derzeit teilen sich vier führende Unternehmen den Großteil des Marktes. Bei der Bilanzprüfung von Aktiengesellschaften in den meisten EU-Staaten haben PwC, KPMG, Ernst & Young sowie Deloitte einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent. Eine derartige Marktkonzentration birgt nach Ansicht der Kommission „systemische Risiken“. Brüssel will deshalb  für mehr Wettbewerb sorgen.

Barnier verweist darauf, dass die Finanzkrise große Schwächen der Wirtschaftsprüfer zutage gefördert habe. Sie hätten nicht rechtzeitig vor den in den Bankbilanzen schlummernden Risiken gewarnt. Daraus hätten manche EU-Staaten aber  Schlüsse gezogen und striktere Regeln für Wirtschaftsprüfer erlassen. So müssen Unternehmen in Frankreich ihre Bilanz inzwischen zwei Wirtschaftsprüfern vorlegen. Barnier will das auf die ganze EU übertragen.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

27.09.2011, 13:45 Uhr

Diese Entwicklung war abzusehen. Hoffentlich wird nun wieder vestärkt der WP Mittelstand mit Aufträgen und Anfragen versehen. Es war wirklich schon schockierend mit anzusehen, wie die sogenannten BIG Four den klassischen WP Markt in Deutschland kaputt gemacht haben/machen. Junge Uni-Absolventen werden verbrannt, nach bestandenem WP Examen werden die Prokuristen (Manager / Senior Manager) auf die Partnerlaufbahn "vorbereitet", d.h. entweder müssen sie genauso rücksichtslos, egoistisch und machtbesessen wie die Partnerkollegen sein, oder diese Mitarbeiter/innen werden entsorgt. Hier muß ein Umdenken erfolgen! Gerade auch um das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers wieder interessant zu machen! Die facettenreichen und sehr anspruchsvollen Aufgaben müssen dargestellt werden. Für den deutschen WP gibt es mehr Vorbehaltsaufgaben als die "klassische" Jahresabschlussprüfung.
Der mittelständische Wirtschaftsprüfer ist viel breiter aufgestellt und sieht sich als kompetenter Ansprechpartner! Manche sagen ja bereits, dass mit der Wahl des Beirates der Wirtschaftsprüferkammer sich ein Umdenken im deutschen WP Markt vollzogen hat. Es liegt nun an uns, den mittelständischen WP's, die gebotenen Chancen zu ergreifen und auch die Gespräche mit den sogenannten Big Four zu suchen.

Nekar

27.09.2011, 16:34 Uhr

PwC und Ernst & Young haben ihre Konzernzentralen in London nicht in den USA. Erstmal die Fakten bitte prüfen bevor hier ein Artikel geschrieben wird!

Nachwuchs

27.09.2011, 19:00 Uhr

Beratung? Sie können doch nur Personalentlassungen vorschlagen bzw. befehlen und kassieren dafür noch Millionen. Dies kann ich auch, nur viel billiger!

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